Krim-Krise Truppenbewegungen und Telefon-Diplomatie

Auf der Krim umstellen russische Einheiten Militärbasen, ein ukrainischer Marineadmiral wechselt die Seiten. Kanzlerin Merkel telefoniert mit Präsident Putin, US-Außenminister Kerry droht Russland mit dem G-8-Ausschluss. Die Ereignisse im Nachrichtenüberblick.

Bewaffnete Soldaten auf der Krim: Was hat Putin vor?
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Bewaffnete Soldaten auf der Krim: Was hat Putin vor?


Kiew - Die Androhung eines russischen Kampfeinsatzes auf der Krim hat das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen am Sonntag in eine schwere Krise gestürzt. US-Präsident Barack Obama drohte, Kreml-Chef Wladimir Putin werde eine Invasion der Ukraine "teuer zu stehen kommen". Der G-8-Gipfel im Juni im russischen Sotschi steht auf der Kippe. US-Außenminister John Kerry warnte, Russland könne sogar aus dem Kreis der G-8-Industriestaaten ausgeschlossen werden. Auf der Krim bleibt die Lage weiter angespannt.

Hier lesen Sie alle wichtigen Ereignisse des Tages im Überblick:

  • Die Lage auf der Krim:

Soldaten in Kampfanzügen ohne Abzeichen kontrollieren inzwischen mehrere Flughäfen sowie das Zentrum der Krim-Hauptstadt Simferopol. Russische Einheiten sollen am Sonntag zwei Militärbasen auf der Krim umstellt haben. Berichten zufolge sollen etwa tausend Soldaten in Perewalne nahe Sewastopol die dort stationierten ukrainischen Soldaten am Verlassen der Anlage gehindert haben, die Ukrainer sollen sich geweigert haben, die Basis aufzugeben.

In der Kurstadt Feodossia sollen sich ukrainische Marinesoldaten verschanzt haben. Augenzeugenberichten zufolge war die Basis von russischen Streitkräften umstellt, die die etwa 400 dort stationierten Marinesoldaten überreden wollten, ihre Waffen niederzulegen.

Der erst kürzlich ernannte Befehlshaber der ukrainischen Marine, Denis Beresowski, schloss sich am Sonntagabend den prorussischen Kräften auf der Krim an. Er schwöre, das Leben der Bewohner der Krim zu schützen, sagte Beresowski im Beisein des moskautreuen Krim-Regierungschefs Sergej Aksjonow. Die Übergangsregierung hat ein Verfahren wegen Hochverrats gegen ihn eingeleitet.

Noch am Nachmittag hatte die Übergangsregierung mitgeteilt, die ukrainische Marine und ihre zehn Kriegsschiffe stünden loyal zu Kiew.

Die Krim soll nach Vorstellung der neuen prorussischen Führung künftig als eigener Staat existieren. Das teilte Krim-Parlamentschef Wladimir Konstantinow mit. In mehreren Städten der Schwarzmeer-Halbinsel demonstrierten Menschen gegen die Regierung in Kiew. Der Luftraum über der Krim war am Sonntag zeitweilig gesperrt.

Die Krim-Regierung hatte Russland um Schutz vor gewaltbereiten ukrainischen Nationalisten und Extremisten angerufen, das russische Parlament hatte am Samstag einen Militäreinsatz in dem Nachbarland gebilligt.

  • Die Reaktion der Ukraine:

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow, noch keine Woche im Amt, hat am Sonntag eine eindringliche Rede gehalten: "Wir stehen kurz vor einer Katastrophe", sagt er und drängte Russlands Präsident Putin, die Truppen abzuziehen. Vom Westen fordert Turtschinow "wirkliche Schritte", um dem Land zu helfen.

Als Reaktion auf den russischen Parlamentsbeschluss versetzte die Ukraine ihre Streitkräfte in volle Kampfbereitschaft, am Sonntag rief sie ihre Reservisten ein. Es handele sich bei der Anordnung aber nicht um eine Generalmobilmachung, die Übergangsregierung versuche, alle nötigen Maßnahmen zur Wahrung von Ruhe und Ordnung zu ergreifen.

Auf dem Maidan im Zentrum der Hauptstadt versammelten sich am Sonntag 50.000 prowestliche Demonstranten und skandierten: "Wir werden uns nicht ergeben!"

  • Die Situation in Russland:

Präsident Putin will nach Kreml-Angaben seinen Befehl zum Militäreinsatz von der weiteren Lage auf der Krim abhängig machen. Dort blieb die Situation am Sonntag angespannt. Die russischen Streitkräfte hatten nach ukrainischen Angaben mehrere tausend Soldaten auf die Krim verlegt. Das "Wall Street Journal" berichtet unter Berufung auf einen ungenannten hochrangigen US-Beamten, die USA hätten am Sonntag beobachten können, wie "Tausende weitere Soldaten" aus Russland in die Ukraine geströmt seien.

Das russische Außenministerium betonte am Sonntag, dass es keinen Krieg mit der Ukraine wolle. Vizeaußenminister Grigorij Karassin sagte im russischen Staatsfernsehen, Russland werde alles tun, um die bilateralen Beziehungen zu festigen - "zumal davon die Stabilität in Europa" abhänge. Die Möglichkeit, notfalls das Militär zum Schutz russischer Bürger in der Ukraine einzusetzen, solle bereits eine "ernüchternde Wirkung" haben. Die neue Regierung in Kiew müsse sich mit den Belangen der Bürger beschäftigen, mahnte Karassin.

Mehrere hundert Menschen demonstrierten in Moskau gegen die kriegerischen Handlungen der Regierung. Dabei wurden nach Oppositionsangaben am Sonntagabend mehr als 300 Gegner von Putin festgenommen.

  • Die Telefon-Diplomatie des Westens:

Das russische Vorgehen auf der Krim sorgte international weiter für große Besorgnis. Kanzlerin Angela Merkel warf Präsident Putin in einem Telefonat am Sonntagabend vor, mit der "unakzeptablen russischen Intervention auf der Krim gegen das Völkerrecht verstoßen zu haben". Nach Darstellung der Bundesregierung akzeptierte Putin den Vorschlag Merkels, umgehend eine sogenannte Fact-Finding-Mission zur Untersuchung der Lage in der Ukraine zu starten. Außerdem solle eine Kontaktgruppe gebildet werden - möglicherweise unter Leitung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) -, um einen politischen Dialog zu beginnen.

In dem Telefonat mit Merkel habe der russische Präsident die Maßnahmen, die Russland ergriffen hätte, angesichts einer "unveränderten" Bedrohung durch "Ultranationalisten" in der Ukraine als "vollkommen angemessen" bezeichnet, teilte der Kreml nach dem Gespräch mit. Am Samstag hatte schon US-Präsident Barack Obama mit Putin telefoniert.

US-Außenminister Kerry kritisierte Moskau zuvor wegen der Eskalation in der Ukraine scharf - und drohte mit dem Verlust der G-8-Mitgliedschaft. Auch Visasperren, Beschlagnahmung von Vermögen und Handelssperren erwähnte er als mögliche Sanktionen. Kerry warf dem Kreml eine Politik "wie im 19. Jahrhundert" vor. Er kündigte an, am Dienstag nach Kiew reisen zu wollen.

Außenminister Steinmeier zeigte sich hingegen skeptisch gegenüber Sanktionen wie dem G-8-Ausschluss. Im ARD-"Bericht aus Berlin" betonte er, es gebe Interessen Moskaus, die durchaus nachvollziehbar seien. Wichtig sei, Russland und die neue Führung in der Ukraine ins Gespräch zu bringen.

In Brüssel kam der Nato-Rat in einer außerordentlichen Sitzung über die Lage in der Ukraine zusammen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen beschuldigt Russland nach fast achtstündigen Beratungen eines "Bruchs des internationalen Rechts". Russland müsse "deeskalieren" und seine "Streitkräfte zurück in ihre Basen rufen".

Die Nato sprach sich für die Entsendung internationaler Beobachter in das Land aus. Diese sollten unter Schirmherrschaft des Uno-Sicherheitsrats oder der OSZE stehen, erklärte Rasmussen in Brüssel. Wichtig sei ein politischer Prozess, bei dem auch die Rechte von Minderheiten respektiert würden, hieß es in einer Erklärung der Botschafter der 28 Nato-Staaten.

Die umkämpfte Krim

sun/tok/dpa/Reuters/AFP

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Seite 1
jesse01 02.03.2014
1. Wo ist Schröder ??
Ich würde Gerhard Schröder liebend gerne richtig die Meinung über seinen lupenreinen Demokratenfreund sagen. Leider ist er ja nirgends zu erreichen. Nun Herr Schröder, was sagen Sie nun über Ihren tollen Kumpel Putin ?? Wenn das für Sie lupenreine Demokratie ist, dann wandern Sie doch bitte nach Russland aus aber verschonen uns bitte mit Ihren blamablen und peinlichen Aussagen. Da frage ich mich schon, was Sie als Exkanzler für ein Demokratieverständnis haben !
Genna 02.03.2014
2. Widerruf einer Schenkung
Zitat von sysopREUTERSAuf der Krim umstellen russische Einheiten Militärbasen, ein ukrainischer Marineadmiral wechselt die Seiten. Kanzlerin Merkel telefoniert mit Präsident Putin, US-Außenminister Kerry droht Russland mit dem G-8-Ausschluss. Die Ereignisse im Nachrichten-Überblick. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-putin-spricht-mit-merkel-kerry-droht-mit-g-8-ausschluss-a-956510.html
Der Ukrainer Chruschtschow hat die Krim der Sowjetrepublik Ukraine "geschenkt". Wenn der Beschenkte, inzwischen keine Sowjetsatrapie mehr und teilweise vom rechten Putin-Glauben abgefallen, sich unpassend benimmt, holt man sich das Geschenk einfach wieder zurück. Was ist dabei? Kiew ist "die Mutter aller russischen Städte", so etwas lässt man sich doch nicht von den EU-Blauaugen und CIA-gesponserten Destabilisierern abspenstig machen!
blablabla1234 02.03.2014
3.
Zitat von jesse01Ich würde Gerhard Schröder liebend gerne richtig die Meinung über seinen lupenreinen Demokratenfreund sagen. Leider ist er ja nirgends zu erreichen. Nun Herr Schröder, was sagen Sie nun über Ihren tollen Kumpel Putin ?? Wenn das für Sie lupenreine Demokratie ist, dann wandern Sie doch bitte nach Russland aus aber verschonen uns bitte mit Ihren blamablen und peinlichen Aussagen. Da frage ich mich schon, was Sie als Exkanzler für ein Demokratieverständnis haben !
Was hat denn die Demokratie bzw. der Demokratiestatus in Russland damit zu tun? Putin will doch nicht die Ukraine und er will auch nicht die Demokratiebewegung in der Ukraine stoppen. Es geht hier doch nur um den Krim. Und ich befürchte es geht dem Westen und dem Osten um den Krim mit seiner Schwarzmeerflotte. Als hätten wir im Westen eine Demokratie... Wer leben in einer Wirtschaftsdiktatur
otmars1 02.03.2014
4. Das ist aber
nicht die gleiche Frau Dr. Merkel die die Havemann Vila als FDJlerin bewacht hat? Die im BMVBS einen Staatssekretär sitzen hat, der von seiner Vorzimmerfrau verlangt in Strapsen da zu sitzen und die das mit Herrn Odenwald zusammen akzeptiert? Die einen Z1 Bastek an der Backe hat der junge Mitarbeiterinnen belästigt? Nein diese Frau Merkel ist das nicht oder die da so hohe Anforderungen an Einen Despoten namens Putin belehrt? Wenn doch dann gilt der Alter Spruch Schau heim Angela Merkel.
Grafsteiner 02.03.2014
5. "Deserteure"
Im Falle Syrien, wo die Machtergreifung des Westens über ein Marionettenregime mit ähnlichen Mittel wie in der Ukraine gescheitert ist, wurden die "Deserteure" von den westlichen Medien bejubelt. Wie auch die "Demonstranten" und "Menschenrechtsaktivisten", die die Strassen von Damaskus unsicher machten. Gleiches Drehbuch. Keiner unser Medienumerzieher fragte damals (wie heute in der Ukraine): "Wer zahlt". Der Schlamassel in der Ukraine wurde doch erst durch den Eingriff der EU und der USA in die inneren Angelegenheiten der Ukraine durch die Finanzierung der rechtsnationalen Kräfte verursacht. Nicht durch Russland und Putin. Was jetzt geschieht ist die zwangsläufige Reaktion, vor der jeder Beobachter mit etwas Hirn zwischen den Ohren sofort gewarnt hat. Man reizt nicht den russischen Bären. Wenn der aufwacht, kann man nur hoffen, dass die Feinde ihre Knochen nummeriert haben, damit man sie dem richtigen Leichensack noch zuordnen kann. Die Westler der Nato verhalten sich, als ob sie den Krieg bräuchten. Ich verweigere schon mal vorsorglich den Kriegsdienst und werde mich bei der Mobilmachung hier sofort vom Acker machen. Bei dieser dröhnenden Kriegsrhetorik á la Wilhelm II. fürchte ich das Schlimmste.
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