Vor Krim-Referendum Ukraine wirft Russland neue Gebietsverletzung vor

Die Welt blickt zur Krim: Am Sonntag wird das Referendum über einen Beitritt zu Russland abgehalten. Eine Resolution gegen die Abstimmung scheiterte im Uno-Sicherheitsrat. Russische Truppen sollen noch weiter auf ukrainisches Gebiet vorgedrungen sein - die jüngsten Ereignisse im Überblick.

Russischer Soldat in der Ukraine: Truppen auf Landzuge nahe Krim vorgedrungen?
AP

Russischer Soldat in der Ukraine: Truppen auf Landzuge nahe Krim vorgedrungen?


  • Russische Soldaten offenbar in weiterer ukrainischer Region

Die Ukraine hat Russland vorgeworfen, am Samstag ein Truppenkontingent in eine an die Krim angrenzende Region entsandt zu haben. Wie das Außenministerium in Kiew mitteilte, drangen 80 Soldaten in das Dorf Strilkowe ein, das auf einer schmalen Landzunge vor der Nordostküste der Krim liegt und nicht zu der russisch kontrollierten Halbinsel gehört. Dabei seien die Truppen von mehreren Kampfhubschraubern und drei gepanzerten Fahrzeugen unterstützt worden - anderen Quellen zufolge handelte es sich um 60 Soldaten.

Bei der Aktion geht es offenbar um ein Gaswerk etwa zehn Kilometer nördlich der Grenze zur Krim. Das Werk sollte laut der prorussischen Krim-Regierung von "Selbstverteidigungskräften" vor einem Überfall geschützt werden. Bislang sind offenbar weder Schüsse gefallen noch Menschen verletzt worden. Das Außenministerium in Kiew forderte einen "sofortigen Rückzug" der Truppen. Die Ukraine behalte sich das Recht vor, die "militärische Invasion mit allen Mitteln zu stoppen".

  • Die Krim ist wegen des Referendums teilweise abgeriegelt

Für das am Sonntag geplante Referendum über einen Anschluss der Krim an Russland hat die prorussische Regionalregierung die Halbinsel teilweise abgeriegelt: Viele Zugänge der faktisch russisch kontrollierten Region zur restlichen Ukraine seien geschlossen, teilte der Vizeregierungschef der Krim-Republik, Rustam Temirgalijew, mit. Zudem seien Flugverbindungen mit der Hauptstadt Kiew gekappt worden. So sollen laut Temirgalijew "Angriffe ukrainischer Nationalisten" verhindert werden. Die Bevölkerung auf der Krim soll in einem Referendum am Sonntag über eine Angliederung an Russland abstimmen. Der Westen wirft der russischen Führung vor, mit einem völkerrechtswidrigen Volksentscheid eine Annexion der Krim besiegeln zu wollen.

  • Uno-Resolution scheitert an Moskaus Veto

Politische Schritte gegen das militärische Vorgehen Russlands auf der Krim sind bislang gescheitert: Sanktionsdrohungen westlicher Staaten waren ebenso erfolglos wie der Versuch, Moskau mit einer Uno-Resolution zu stoppen. Der Sicherheitsrat stimmte am Samstag nicht für eine solche Resolution, weil Russland sein Veto-Recht in dem Gremium genutzt hat. Der von den USA eingebrachte Entwurf sollte die internationale Gemeinschaft dazu auffordern, das Ergebnis des Referendums am Sonntag nicht anzuerkennen, hieß es aus westlichen Diplomatenkreisen.

  • Zehntausende Russen demonstrieren gegen Krim-Intervention
Mehrere zehntausend Menschen haben am Samstag in Moskau gegen die Einmischung Russlands in der Ukraine demonstriert. Rund 50.000 Demonstranten folgten damit Korrespondenten zufolge dem Aufruf einer Oppositionsgruppe. Sie trugen Spruchbänder mit Parolen wie "Lasst die Ukraine in Ruhe!" und "Nein zum Krieg!". Unter den Demonstranten waren auch prominente Putin-Gegner wie der frühere Vize-Regierungschef Boris Nemzow und die Aktivistinnen der Punkband Pussy Riot. Der Protestzug startete am Moskauer Puschkin-Platz und sammelte sich dann auf der Sacharow-Straße.

  • Die EU will weitere Sanktionen beschließen
Die EU-Außenminister wollen an diesem Montag weitere Maßnahmen beschließen. Geplant sind Kontensperrungen und EU-Einreiseverbote. Keine der 28 Regierungen habe bisher jedoch eine Liste mit Namen von betroffenen Personen erhalten, sagte eine EU-Diplomatin in Brüssel. Der britische Außenminister William Hague rief seine Kollegen zu härteren Maßnahmen der EU auf.

mxw/AFP/Reuters



insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
schröderschröder 15.03.2014
1. chrustschow gab und Putin nimmt
chrutschow gab und Putin nimmt
jura12 15.03.2014
2. Mutig
Angesichts der Unterdrückung jeder oppositionellen Meinung in Russland und der harten Strafen ist es sehr mutig, dass so viele Menschen in Moskau gegen den Kriegswahn Putins demonstrieren, Respekt!
Verändert 15.03.2014
3. Blödsinn
Zitat von schröderschröderchrutschow gab und Putin nimmt
1991: Mehrheit auf der Krim für ukrainische Unabhängigkeit 1994: Vertrag zwischen Russland und Ukraine, nach dem die Krim bei der Ukraine bleibt. Putin ist schlicht ein Vertragsbrecher. Ansonsten möge man mir erzählen, was die Russen (das Gelalle von den Selbstverteidigungskräften nimmt doch keiner mehr ernst) in einer völlig friedlichen Region machen, in der es kaum russischsprachige Bevölkerung und keine Russen, wohl aber ein Gaswerk gibt ? Und warum sind die Grenzen zur Ukraine dicht, aber nicht nach Russland, wo ungehindert natürlich Wahlberechtigte nachströmen ? Wir reden hier von einem simplen Raubzug. Deswegen wird auch nicht "nur" die Krim annektiert, nein, auch die ukrainische Flotte wird festgehalten und geraubt, gleiches gilt für ukrainische Flugzeuge und sonstiges Material. Vor allem sollen ukrainische Staatsbetriebe entschädigungslos enteignet werden. Vergesst das Geblubber vom Kampf gegen den Faschismus und für die Russen in der Ukraine. Es geht nur ums Bereichern.
puqio 15.03.2014
4. Krim gehört Russland seit Katharina der Großen
Die Krim ist seit ewigen Zeiten russisches Staatsgebiet und der wichtigste Militärstützpunkt. Da ist es doch selbstverständlich dass Russland seine Interessen verteidigt. Jegliche "Sanktionen" sind bitte dringend zu unterlassen, insb. die die vor allem Deutschland schanden werden (Milliarden Invest in Russland durch deutsche Firmen, Gaslieferungen, usw.). Die EU und Frau Merkel sollten den Konflikt bitte nicht noch unnötig anheizen und eskalieren.
tlhuerth 15.03.2014
5.
Zitat von sysopAPDie Welt blickt zur Krim: Am Sonntag wird das Referendum über einen Beitritt zu Russland abgehalten. Eine Resolution gegen die Abstimmung scheiterte im Uno-Sicherheitsrat. Russische Truppen sollen noch weiter auf ukrainisches Gebiet vorgedrungen sein - die jüngsten Ereignisse im Überblick. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-russische-truppen-angeblich-im-osten-der-ukraine-a-958880.html
Durch diese Aktion zeigt sich ganz deutlich wer hier die Aggression schürt. Der Westen oder die Ukraine haben nichts getan um die Menschen auf der Krim von der Energiezufuhr abzuschneiden. Daher gibt es keinen Grund für die Russen, ein Dorf zu besetzen. Wer es jetzt noch vermag die Russen zu verteidigen, verteidigt ein solches Vorgehen, welches an die Aktionen der Nazis mit dem Sudetenland oder dem Einmarsch in Polen erinnert. Putin ist kein kühl kalkulierender Kopf. Hier hat er mit einer glühend heissen Nadel gestrickt und es kann sein, dass er sich kräftig die Finger verbrennt. Eine Brandsalbe wird da nicht mehr helfen um die Schäden zu beseitigen. Dazu möchte ich auf folgenden Artikel verweisen: http://www.welt.de/wirtschaft/article125823842/Gazprom-wird-zum-Spielball-zwischen-den-Maechten.html
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