Attacke auf ukrainische Militärbasis Schüsse auf der Krim

Russland hat offenbar mit Hubschraubern den Marinestützpunkt Feodossija auf der Krim besetzt. Dies meldet das ukrainische Militär. Es sollen Schüsse gefallen sein. Als Konsequenz kündigt Übergangspräsident Turtschinow nun den Rückzug seiner Truppen von der Krim an.

Marine Stützpunkt in Feodossija: Am Sonntag befand sich die Basis noch in ukrainischer Hand
AP/dpa

Marine Stützpunkt in Feodossija: Am Sonntag befand sich die Basis noch in ukrainischer Hand


Simferopol - Auf der Krim sollen wieder Schüsse gefallen sein. Mit Hubschraubern sollen russische Soldaten am Montag den Marinestützpunkt in Feodossija gewaltsam besetzt haben. Von diesem Vorgang berichtete Leutnant Anatolij Mosgowoi der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. Die ukrainischen Soldaten seien ihrerseits unbewaffnet gewesen. Mit der Marinebasis in Feodossija wäre einer der letzten ukrainischen Stützpunkte auf der Krim nun in russischer Hand.

Als Reaktion darauf kündigte der Übergangspräsident an, das ukrainische Militär komplett von der Krim abzuziehen. Das sagte Alexander Turtschinow laut örtlichen Medien am Montag in Kiew. Er begründete den Rückzug damit, dass das russische Militär eine Gefahr für Leben und Gesundheit ukrainischer Soldaten und deren Familien darstelle.

Stromausfall in weiten Teilen der Halbinsel

Ein weiterer Zwischenfall sorgt für Schuldzuweisungen: Ein Stromausfall hat am Sonntagabend Teile der Halbinsel betroffen. Ein lokales Stromunternehmen macht technische Probleme einer Hochspannungsleitung vom Festland verantwortlich. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert Bewohner der Krim, in mehreren Städten habe es keinen Strom gegeben, so auch in manchen Teilen der Provinzhauptstadt Simferopol. Das Zentrum der Stadt sei jedoch nicht betroffen gewesen.

Auf seiner Webseite meldet der Versorger Krymenergo teilweise Stromausfälle, nachdem ein technischer Fehler eine Stromleitung betroffen habe und durch das ukrainische Stromunternehmen Ukrenergo repariert worden sei. Laut Mitteilung des Stromkonzerns führe die Leitung von Kachowka auf dem Festland bis zu dem Dorf Ostrowskoje auf der Halbinsel. Man habe den Strom abschalten müssen, um die Reparaturen durchführen zu können. Ukrenergo selbst machte zu dem Vorfall keine Angaben.

Die Stromversorgung der Krim kommt - ebenso wie Wasser und Essen - vom ukrainischen Festland. Am Mittwoch hatte Kiew den örtlichen Behörden damit gedroht, "angemessene Maßnahmen auch technischer Natur" zu ergreifen, sollten die "Provokationen" gegen ukrainische Truppen in der Region nicht enden.

Geschlossenheit gegenüber Putin

Auf der Krim übernahm Russland am Wochenende die militärische Kontrolle und hisste an vielen ukrainischen Stützpunkten die russische Flagge. Kreml-Chef Putin ordnete den Umbau der Verwaltungstrukturen der Halbinsel an. Am Sonntag hatte sich die Nato über den russischen Truppenaufmarsch an der Grenze besorgt geäußert. Die Streitkräfte könnten auch eine Bedrohung für das angrenzende Moldau darstellen. EU-Politiker hatten wegen dieser Angst eine erhöhte Militärpräsenz in Osteuropa gefordert. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen spricht sich im SPIEGEL für eine stärkere Rolle der Nato aus.

Ein ungewöhnliches Signal an Putin will ein ehemaliger Offizier der britischen Armee setzen: Großbritannien soll ein "militärisches Statement" setzen und 3000 Soldaten in Deutschland stationieren, anstelle wie geplant Ausgaben einzusparen. Das fordert Lord Dannat in der Online-Ausgabe des "Telegraph". Während Russland wiedererwache sei es ein schlechtes Signal des Westens schwach und wenig entschlussfreudig zu handeln.

"Größere militärische Fähigkeiten" müssten Diplomatie etwa in der Ukraine-Krise oder in Syrien unterstützen. Britische Soldaten in Deutschland einsatzbereit zu halten, sei ein solches Signal, sagte der ehemaligen Generalstabschef.

Wie sich der Westen weiter zur Ukraine-Krise verhält, soll auch Thema des G-7-Gipfels an diesem Montag in Den Haag sein, US-Präsident Barack Obama wird dafür anreisen. Am Rande eines Gipfels über den Schutz von Nuklearmaterial vor Terroristen will die Siebener-Gruppe ein Zeichen der Gemeinsamkeit und Geschlossenheit gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin setzen.

Die G7 wird Russland voraussichtlich davor warnen, die Lage in der Ukraine weiter zu destabilisieren und etwa Truppen in den Osten der Ukraine zu schicken. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wird teilnehmen.

vek/Reuters/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 145 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
olddreamer 24.03.2014
1. Ausser Spesen
nichts gewesen, wird man nach diesem "Gipfel" sagen, denn Mr. Obama hat noch nie etwas zuwege gebracht.
Lupenreiner Demokrat2 24.03.2014
2. Erschreckend...
wie schnell man sich an Meldungen dieser Art gewöhnt. Es ist schon normal geworden, dass ein Russland unauthorisiert und gegen das Völkerrecht handelt und mit Militärhubschraubern auf fremdes Territorium eindringt. Und es ist normal geworden, dass jetzt wieder die russische Propaganda losläuft und S.P.O.N. mit tausend antiamerikanischen Tiraden überzieht und sagt die Amis, Deutschland, der Westen, Schneewitchen und die sieben Zwerge sind an allem Schuld. Aber doch nicht der Menschenfreund und lupenreine Demokrat Putin. Einfach widerlich...
Trompetenblech 24.03.2014
3.
Komisch, kein Wort mehr zur Annexion der Krim durch Russland und dass man diese Einverleibung nicht anerkennt. Putin macht sein Ding und nichts konnte es verhindern. Was ist denn nun mit der Souveränität der Ukraine oder genauer mit einer rechtmäßigen Regierung? Ohne diese wird ein Putin keinen Gesprächspartner der Ukraine akzeptieren. Schickt doch NATO-Truppen, das bringt bst. bald wieder Ruhe und Hr. Putin bemerkt, dass alles nur ein Missverständniss war. Wär's glaubt ...
Trompetenblech 24.03.2014
4.
Komisch, kein Wort mehr zur Annexion der Krim durch Russland und dass man diese Einverleibung nicht anerkennt. Putin macht sein Ding und nichts konnte es verhindern. Was ist denn nun mit der Souveränität der Ukraine oder genauer mit einer rechtmäßigen Regierung? Ohne diese wird ein Putin keinen Gesprächspartner der Ukraine akzeptieren. Schickt doch NATO-Truppen, das bringt bst. bald wieder Ruhe und Hr. Putin bemerkt, dass alles nur ein Missverständniss war. Wär's glaubt ...
MeinSpiegel 24.03.2014
5. -
Zitat von sysopAP/dpaDie Lage auf der Krim bleibt unübersichtlich. Das ukrainische Militär meldet, Russland habe mit Hubschraubern und Schüssen den Marine-Stützpunkt Feodosia besetzt. Die Russen wiederum beschuldigen die Ukrainer, einen Stromausfall auf der Halbinsel herbeigeführt zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-russland-besetzt-offenbar-ukrainische-marine-basis-a-960339.html
Nur zu Info: Russland und Moldawien haben keine gemeinsamen Grenzen. Inwiefern koennen die russischen Truppen die östlich der ukrainischen Grenze stationiert sind eine Bedrohung für Moldawien darstellen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.