Krim-Krise Sturm auf Stützpunkte - Russland verdrängt ukrainisches Militär

Russische Soldaten haben den Fliegerhorst Belbek auf der Krim übernommen, aufgebrachte Demonstranten stürmten eine Basis in Nowofedoriwka. Bislang kam dabei kaum jemand zu Schaden. Doch die USA und Deutschland warnen vor einer Eskalation.

REUTERS

Sewastopol/Nowofedoriwka - Russland baut seine militärische Kontrolle auf der Krim aus. Bewaffnete stürmten am Samstag mit gepanzerten Fahrzeugen den Fliegerhorst Belbek nahe der Hafenstadt Sewastopol. Augenzeugen berichteten von Schüssen und Explosionen. Zuvor hatten prorussische Demonstranten in Nowofedoriwka im Westen der Krim eine Militärbasis unter ihre Kontrolle gebracht (alle Entwicklungen des Tages im Minutenprotokoll).

Fotos aus Belbek zeigen ein olivgrünes Panzerfahrzeug, das ein Eisentor niederwalzt, zwei weitere brachen Beobachtern zufolge durch die Mauern des Stützpunkts. Dann stürmten Bewaffnete auf das Gelände, feuerten Schüsse in die Luft und hielten ukrainische Soldaten mit ihren Automatikwaffen in Schach. Laut dem Kommandant der Basis, Julij Mamtschur, gab es einen Verletzten.

Das russische Militär hatte schon zu Beginn der Krim-Krise die Landebahn und Flugzeuge in Belbek unter seine Kontrolle gebracht. Die ukrainischen Soldaten harrten seitdem mehrere Wochen in den Gebäuden der Militärbasis aus. Am Samstagmorgen berichtete die Basis Belbek auf ihrer Internetseite, russische Truppen hätten den Soldaten ein Ultimatum gestellt. Sie sollten ihre Waffen niederlegen, sonst werde der Komplex gestürmt.

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Krim: Russland stürmt ukrainische Militärstützpunkte
Im Lauf des Tages übernahmen russische Einheiten das Waffendepot, die Kasernen und eine Leitstelle. Kommandant Mamtschur rief seine Männer zusammen, ließ sie die Nationalhymne singen und die Waffen niederlegen. Er wurde anschließend laut er Nachrichtenagentur Reuters zu Vernehmungen festgenommen. Der moskautreue Krim-Regierungschef Sergej Axjonow sagte mit Bezug auf die ukrainischen Soldaten, Belbek sei "von ausländischen Truppen befreit" worden.

USA sehen Sicherheit ukrainischer Soldaten in Gefahr

Auch in Nowofedoriwka, rund 50 Kilometer westlich von Sewastopol, wurde ein Militärstützpunkt attackiert. Prorussische Demonstranten rissen die ukrainische Fahne herunter und hängten eine russische Flagge auf, anschließend stürmten sie das Gebäude und zerstörten mehrere Fenster. Ukrainische Soldaten warfen Rauchbomben vom Dach. Nach Verhandlungen mit russischen Soldaten gaben sie aber auf.

Die russische Marine hat zudem das einzige ukrainische U-Boot in ihren Besitz gebracht. Die "Saporoschje" sei offiziell in die Schwarzmeerflotte aufgenommen worden, sagte der Kommandeur der russischen U-Boot-Kräfte, Anatoli Warotschkin, der Staatsagentur Ria Nowosti. Etwa die Hälfte der 78 Mann Besatzung wolle in der russischen Marine dienen. Die übrigen Soldaten hätten das U-Boot verlassen.

Der ukrainische 5. Kanal hatte zuvor berichtet, russische Schiffe hätten die "Saporoschje" in der Strelezki-Bucht bei Sewastopol umzingelt und mit dem Abwurf von Blendgranaten zur Aufgabe gezwungen. Am Abend stürmten die Soldaten zudem das Marineschiff "Slawutitsch", wie ein Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums mitteilte. Bereits am Donnerstag hatten russische Marinekräfte drei ukrainische Korvetten auf der Krim besetzt.

Das Vorgehen des russischen Militärs auf der Krim hat international Besorgnis ausgelöst. Es sei "keine gute Idee, dass jetzt abschnittsweise Mannschaften entwaffnet oder technische Einheiten übernommen" würden, sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Die USA forderten Russland zu Gesprächen mit Kiew über die Sicherheit ukrainischer Soldaten auf der Krim auf. "Berichte über anhaltende Übergriffe gegen ukrainisches Militärpersonal und Einrichtungen zeigen, wie gefährlich die von Russland geschaffene Situation ist", erklärte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Laura Lucas Magnuson, dem Fernsehsender CNN: "Sie strafen auch Präsident Putins Behauptung Lügen, Russlands militärische Intervention auf der Krim habe in diesem Teil der Ukraine mehr Sicherheit gebracht."

usp/Reuters/AFP

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Seite 1
querulant1892 22.03.2014
1.
Obgleich ich Verständnis dafür habe, dass sich die russische Regierung vom Westen bedroht fühlt: Das aktuelle Verhalten des russischen Militärs muss man als Diebstahl bezeichnen. Es mag zwar gut sein, dass sich Russland von der NATO gelinkt gefühlt hat, als dessen Ost-Erweiterung immer weiter Richtung Osten ging. Allerdings kann man di Ukraine nicht für die Fehler des Westens bestrafen.
puqio 22.03.2014
2.
Nicht wenige Leser warnen vor der Eskalation, die die USA und die EU mit ihren "Sanktionen" anfachen. Hört doch endlich auf mit dem Unsinn und konzentriert euch wieder auf das gegenseitige Ausspionieren eurer eigenen Bevölkerung. Lasst die Ukraine und die Krim endlich wieder in Ruhe.
maximilian.hornstein 22.03.2014
3. Putin Freunde e.V
Wenn ich noch einmal einen Kommentar der Kategorie " ja mann muss das strategische Intresse Russlands anerkennen" lese platze ich. Gar nix muss man ! Wir Deutschen holen uns ja auch nicht einfach. Ostpreußen zurueck weil es sehr lange mal zu Deutschland gehörte. Die Krim Sache ist wie wenn Dänemark den unmittelbaren Norden Deutschlands annektieren würde. Lächerlich und kaltes machtkalkül gar nichts,wirklich gar nichts anderes.
mairhanss 22.03.2014
4.
Was sollen diese Kommentare? Sind die alle von Putin bezahlt. Der Überfall heute auf die ukrainischen Soldaten auf der Krim hat nichts mit der USA zu tun. Russland (Putin) führt Krieg mitten in Europa gegen einen souveränen Staat. Das ist gegen das Völkerrecht und nicht hinnehmbar. Russland ist inzwischen unter Putin ein archaischer, aggresiver Tyrannenstaat geworden. Europa muss sich gegen diese Gewalt wehren !!!!!!
Christian Weiss 22.03.2014
5.
Die amerikanische Administration übernimmt zwangsläufig die Führung, weil die Europäische Union, dieser blinde und zahn- sowie orientierungslose Riese aussenpolitisch nicht handlungsfähig ist. Und das war schon immer so. Hätte man im Jugoslawienkrieg die EU in ihrer Untätigkeit belassen, gäbe es heute wohl nicht mehr viele Bosnier.
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