Telefonat mit Putin Tataren-Führer bezweifelt Legitimität von Krim-Referendum

Das Referendum über den Status der Krim sorgt weiter für empörte Reaktionen. US-Präsident Obama bekräftigte bei einem Besuch des ukrainischen Premiers seine scharf ablehnende Position. Auch ein Anführer der Krim-Tataren zweifelte in einem Telefonat mit Putin die Legitimität der Abstimmung an.

Mutmaßlich russisches Militär bei Simferopol: Spannungen vor dem Krim-Referendum am 16. März
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Mutmaßlich russisches Militär bei Simferopol: Spannungen vor dem Krim-Referendum am 16. März


Washington/Kiew - Die Bürger der ukrainischen Krim sollen am kommenden Sonntag über den Anschluss an Russland abstimmen, eine Mehrheit dafür gilt als wahrscheinlich. Doch nicht nur der Westen lehnt das Referendum ab, auch eine Minderheit der Krim-Bewohner zweifelt die Rechtmäßigkeit der Abstimmung an.

Ein Anführer der Krim-Tataren, der muslimischen Minderheit auf der Halbinsel, hat in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Legitimität des Referendums über die Zukunft der Krim angezweifelt. Auch die Zweckmäßigkeit der Abstimmung stellte Mustafa Dschemilew gegenüber dem ukrainischen Fernsehsender Kanal 5 in Frage.

Laut einer Erklärung der Versammlung der muslimischen Minderheit der Tataren dauerte das Telefonat eine halbe Stunde. Dschemilew sagte, er habe bei dem Gespräch mit dem russischen Staatschef betont, dass die territoriale Integrität der Ukraine "nicht in Frage gestellt" werden dürfe. Zudem habe er sich über die "Willkür" der auf der Krim stationierten russischen Soldaten gegenüber den Krim-Tataren beklagt.

Auch die EU und die USA halten die russischen Truppen und das Referendum auf der Krim für illegal. Die G-7-Staaten haben bereits angekündigt, dass sie das Ergebnis nicht akzeptieren werden.

US-Präsident Barack Obama sicherte der Übergangsregierung in Kiew im Machtkampf mit Russland am Mittwoch demonstrativ seine Unterstützung zu. Nach einem Treffen mit dem ukrainischen Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk in Washington sagte Obama: "Wir weisen ein Referendum vollständig zurück, das innerhalb von ein paar Wochen zusammengeflickt wurde, während russisches Militär quasi die Krim übernommen hat". Der Präsident bekräftigte, dass Russland "Kosten auferlegt" würden, sollte es in der Ukraine weiterhin internationales Recht brechen. Details nannte er nicht.

Jazenjuk sagte bei dem Treffen im Weißen Haus, die Ukraine werde entschlossen für ihre Souveränität kämpfen. "Und wir werden uns niemals geschlagen geben."

sun/AFP/dpa

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lab61 13.03.2014
1.
Zitat von sysopGetty ImagesDas Referendum über den Status der Krim sorgt weiter für empörte Reaktionen. US-Präsident Obama bekräftigte bei einem Besuch des ukrainischen Premiers seine scharf ablehnende Position. Auch ein Anführer der Krim-Tataren zweifelte in einem Telefonat mit Putin die Legitimität der Abstimmung an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-tartaren-fuehrer-bezweifelt-legitimitaet-von-abstimmung-a-958346.html
Da geht's also schon los. Die Russen beginnen also schon, die Tataren zu drangsalieren. Sie sieht also die Verteidigung von Menschenrechten und Minderheitenrechten nach Putins Lesart aus. Und natürlich ist das Referendum nicht legitim. Und was faselt man von demokratischer Abstimmung, wenn man den Wählern nur zwei Möglichkeiten gibt.. aber nicht auch die Wahlmöglichkeit, dass die Krim weiterhin Bestandteil der Ukraine bleibt? So haben die Nazis damals auch abstimmen lassen. nur einen Kandidaten. Nur ein "Ja" möglich. Putin hat gut aufgepasst im Geschichtsunterricht.
11severinus 13.03.2014
2. Wer hilft den Krimtataren?
Regt sich irgendwo in Russland eine Stimme, die den Tataren auf der Krim zur Seite steht, gibt es Verwandte in Usbeskistan oder in Kasan, die bereit sind zur Unterstützung. Was bewegen die Tataren in der Türkei und überlla in der Welt. Wieso hört man Null? SPON bericht, wann denn?
Beat Adler 13.03.2014
3. Wer Wind saet, wird Sturm ernten.
Zitat von sysopGetty ImagesDas Referendum über den Status der Krim sorgt weiter für empörte Reaktionen. US-Präsident Obama bekräftigte bei einem Besuch des ukrainischen Premiers seine scharf ablehnende Position. Auch ein Anführer der Krim-Tataren zweifelte in einem Telefonat mit Putin die Legitimität der Abstimmung an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-tartaren-fuehrer-bezweifelt-legitimitaet-von-abstimmung-a-958346.html
Zu Referendum und den Krimtataren: Ein Referendum in einem militaersich besetzten Gebiet ist witzlos, weil wertlos: Das Resultat eines Referendums in einem Gebiet unter widerrechtllicher, auslaendischer, militaerischer Besatzung kann voelkerrechtlich nicht anerkannt werden. Die Wahlfreiheit des einzelnen Stimmbuergers ist nicht gegeben. Die Krimtataren werden sich in ihrer Heimat den Russen nicht unterwerfen: Die gleichen Unterstuetzer, welche den Mujaheddin in Afghanistan geholfen haben, die atheistischen, sovietischen Besatzer loszuwerden, helfen den Krimtataren die Russen aus der Halbinsel Krim zu vertreiben. Die internationale Solidaritaet unter den muslimischen Glaubensbruedern ist sagenhaft gut organisiert. Selbst wenn die Krimtataren “nur” 10 bis 20% der Bevoelkerung der Halbinsel Krim ausmachen, reicht das laengst um Selbstmordattentaeter zu rekrutieren, welche sich vor russischem Militaer in die Luft zu sprengen. mfG Beat
colonium 13.03.2014
4. Die nackte (moralische) Kanone
Zitat von sysopGetty ImagesDas Referendum über den Status der Krim sorgt weiter für empörte Reaktionen. US-Präsident Obama bekräftigte bei einem Besuch des ukrainischen Premiers seine scharf ablehnende Position. Auch ein Anführer der Krim-Tataren zweifelte in einem Telefonat mit Putin die Legitimität der Abstimmung an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-tartaren-fuehrer-bezweifelt-legitimitaet-von-abstimmung-a-958346.html
Die Empörung der Vergesslichen. Gestern bei Anne Will hat man sehr gut die Einseitigkeit des Westens beschrieben. Die klare Forderung, sogar eines CDU Politikers, dass die Swoboda umgehend aus der Regierung entfernt werden muss. Auch wurde die Rolle des ukrainischen Ministerpräsidenten, mit problematischer Vergangenheit thematisiert, und der Einfluß der korrupten Timoschenko auf die neue Regierung. Insgesammt scheint im Westen ganz langsam anzukommen, mit welchen Antidemokraten die neuen Machthaber in Kiew durchsetzt sind. Auch die Todesschüsse auf dem Maidan wurden als keineswegs eindeutig der damiligen Regierung zuzuordnende Tatsache bezeichnet. Es gäbe " Widersprüchliche Informationen und Bilder" dazu. Es wurde eine internationale Untersuchung gefordert. Leider ist diese ganze Problematik noch nicht international aufgearbeitet. Die Regierungen Europas und der USA folgen der These: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Damit verrennen sie sich total. Es führt dazu, dass man auf einmal auch Rechtsradikale in der ukrainischen Regierung unterstützt. Das erinnert mich fatal an Agypten, als man auf einmal an der Seite von Islamisten Stand. Solange die westlichen Regierungsschefs weiterhin "empört" sind und die moralische Keule schwingen, machen sie sich nahezu lächerlich. Denn wer hätte die vielen Völkerrechtsverletzungen von westlicher Seite vergessen, die zum Teil ( Irak Krieg ) auch unsere Moraldrohne Merkel unterstützte. Jede Partei, Nato, USA, Russland, neue Machthaber in Kiew, müssen sich erstmal selbst ehrlich machen. Dann kann man eventuel eine pragmatische Lösung finden. Solange aber BEIDE Seiten die Öffentlichkeit mit Propaganda überfluten ist das kaum möglich. Zur Rolle des Tatarenführers wäre viel zu sagen und ich verstehen auch deren Sorge. Aber genau so ernst sollte man dann auch die Sorgen von vielen ethnischen Russen in der Ukraine über die in Teilen Antidemokratische Regierung in Kiew verstehen. Und das gilt nicht nur für die Krim, sondern auch für die Ostukraine. Diese Sorge ist genau so real, wie d
life_is_live 13.03.2014
5. wieso
sind überall, wo es den USA & Co. genehm ist, solche Abstimmungen legal und demokratisch, nur hier nicht? Und ohne das Militär dort, hätte es längst ein Gemetzel gegeben, das hat man schon zig mal gesehen in den letzten 50 Jahren und hier wird es heruntergespielt mit einer an Dummheit grenzenden Naivität ...
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