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Streit mit Russland: Ukraine will drohenden Verlust der Krim nicht hinnehmen

REUTERS

"Das ist unser Land, wir werden keinen Zentimeter aufgeben", sagte Premier Jazenjuk in Richtung Moskau. Sein Verteidigungsminister dementierte Berichte über Truppenbewegungen - man plane nicht, Militär auf die Krim zu entsenden. Auf der Halbinsel soll es erneut zu Zusammenstößen gekommen sein.

Kiew - Der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk hat den Anspruch seines Landes auf die Halbinsel Krim bekräftigt. "Das ist unser Land, wir werden keinen Zentimeter davon aufgeben", sagte er bei einer Kundgebung in Kiew. "Das sollen Russland und sein Präsident wissen." Anlass der Veranstaltung war der 200. Jahrestag des Geburtstags des ukrainischen Nationalhelden Taras Schewtschenko.

Offenbar gab es auch Spekulationen über ukrainische Truppenbewegungen, die Verteidigungsminister Igor Tenjuk allerdings dementierte. Man plane nicht, bewaffnete Truppen auf die Krim zu entsenden, sagte er laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Eventuell zu beobachtende Truppenbewegungen seien höchstens Fahrten von einer Basis zur anderen, um an Übungen teilzunehmen.

Jazenjuk kündigte an, in der kommenden Woche in die Vereinigten Staaten zu reisen, um über die Krim-Krise zu spechen. Laut dem Weißen Haus wollen US-Präsident Barack Obama und der ukrainische Premier über Möglichkeiten beraten, die Situation friedlich zu lösen.

Die Krim wird derzeit von prorussischen Einheiten kontrolliert, die allerdings keine Hoheitsabzeichen tragen. Dabei handele es sich um "Selbstverteidigungskräfte", die nicht unter dem Kommando des Kreml stünden, teilte Russland mit. Nach Informationen des SPIEGEL können Sicherheitsexperten mehrerer Nato-Staaten jedoch belegen, dass seit dem Beginn der Krise mindestens 2000 russische Soldaten von ihren Stützpunkten auf die ukrainische Halbinsel geflogen worden sind.

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Halbinsel am Schwarzen Meer: Die Krise auf der Krim
Russlands Einsatz auf der Krim werde sich auf lange Sicht als "schwere Fehlberechnung" erweisen, sagte der britische Außenminister William Hague der BBC. Sollte Moskau weiter Gespräche mit der neuen prowestlichen Regierung in Kiew ablehnen, werde dies "sehr deutliche" Konsequenzen für den künftigen globalen Einfluss Russlands haben. Unter anderem würden die Länder Europas ihre wirtschaftlichen und energiepolitischen Verbindungen zu Russland verändern. Putins Behauptung, es seien keine russischen Soldaten auf der Halbinsel, wies Hague zurück. Der Kreml habe "eindeutig einen gut geprobten Plan zur Bewegung von Militärs" in der Region gehabt.

(Mehr Hintergründe zur Krim-Krise lesen Sie auch im aktuellen SPIEGEL)

Zusammenstöße in Sewastopol

Die Stimmung auf der Krim ist nach wie vor angespannt. Ein Reporter der Nachrichtenagentur APF berichtete, in Sewastopol sei es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern Moskaus und Unterstützern der neuen Regierung in Kiew gekommen. Demnach attackierten rund hundert Menschen mit Knüppeln mehrere Ordnungskräfte, die eine Kundgebung zu Ehren des ukrainischen Nationalhelden Schewtschenko beschützten. Einige der Angreifer seien vermummt gewesen und hätten schusssichere Westen getragen. Ob es Verletzte gab, ist noch unklar. Ukrainischen Grenzschützern zufolge haben prorussische Kämpfer in den Morgenstunden zudem einen weiteren Grenzposten unter Kontrolle gebracht.

Die Bewohner der Krim sollen in einem Referendum am kommenden Sonntag darüber entscheiden, ob sich die Krim der Russischen Föderation anschließt. Eine Mehrheit dafür gilt als wahrscheinlich. Sollte es tatsächlich Mitte März zu dem Referendum über die Zukunft der Krim kommen, erwägt Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Informationen des SPIEGEL, nicht am für Juni geplanten G-8-Gipfel in Sotschi teilzunehmen.

Die mehrheitlich von Russen bewohnte Krim gehört völkerrechtlich zur Ukraine. Die neue Regierung in Kiew und viele westliche Nationen werfen Russland vor, die Halbinsel völkerrechtswidrig unter seine Kontrolle gebracht zu haben. Die USA und die EU haben erste Sanktionen gegen Russland beschlossen. Moskau zeigt sich bisher jedoch unbeeindruckt und droht seinerseits für den Fall weiterer US-Sanktionen sogar mit einem Abbruch der gegenseitigen Atomwaffeninspektionen.

hut/afp/dpa/Reuters

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insgesamt 453 Beiträge
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1.
leiboldson 09.03.2014
In dieser Situation sollte die Ukraine versuchen einen Deal zu machen: die Krim gegen Schuldenerlass und dauerhaft vergünstigte Gaspreise.
2.
1Piantao 09.03.2014
Zitat von sysopREUTERSDie neue Regierung der Ukraine will den drohenden Verlust der Krim nicht hinnehmen. "Das ist unser Land", sagte Ministerpräsident Jazenjuk auf einer Veranstaltung in Kiew. Auf der umstrittenen Halbinsel soll es erneut zu Zusammenstößen gekommen sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-ukraine-premier-will-keinen-zentimeter-aufgeben-a-957722.html
1. Wie will die Ukraine allein dagegenhalten. Mit den zig-hundert verrotteten Panzern ? 2. Auf Hilfe kann die Ukraine jedenfalls nicht zählen. Die UNO ist schon lange zu nichts nutz, die NATO wird sich schwer hüten. Bleiben nur Androhungen gegenüber Russland. Man sieht Putin schon wie er vor Angst zittert. 3. Las ich jetzt irgendetwas von einer "roten Linie" nicht zu überschreiten? Ist hier die selbe "rote Linie" gemeint die irgendwann mal gegen den syrischen Gangster gezogen wurde? Dieses Weichei-Getue des Westens ist nur noch erbärmlich. Merkel zaudert und sagt nichts konkretes. Immer nur "vielleicht" und "man sollte in Betracht ziehen". Beschämend.
3. optional
vwl_marlene 09.03.2014
Wobei man sich klar machen muss, dass die Krim ja 1992 bereits unabhaengig sein wollte. Zum Referendum aus http://orf.at/stories/2221217/2221216/ : "Zwei Möglichkeiten können angekreuzt werden. Die erste Frage lautet: „Unterstützen Sie einen Beitritt der Krim zur Russischen Föderation als Subjekt der Russischen Föderation?“ Die zweite Frage: "Unterstützen Sie die Wiederherstellung der Krim-Verfassung von 1992 und den Status der Krim als Teil der Ukraine? Im Februar 1992 hatte das Krim-Parlament die Halbinsel für unabhängig erklärt, das wurde jedoch von Kiew nie anerkannt und die entsprechende Krim-Verfassung annulliert. Im Juni 1992 wurde ein Kompromiss ausgehandelt: Die Krim erhielt mehr Rechte durch den Status einer „autonomen Republik“ innerhalb der Ukraine."
4. Schuldenerlass, billiges Gas
cirkular 09.03.2014
Zitat von leiboldsonIn dieser Situation sollte die Ukraine versuchen einen Deal zu machen: die Krim gegen Schuldenerlass und dauerhaft vergünstigte Gaspreise.
und Freibier für Alle. Die Ukraine bekommt das Gas derzeit billiger als russische Kunden, verkauft Teile davon aber zu Weltmarktpreisen an Rumänien.
5. Vertrauen verbraucht
habenichts2 09.03.2014
Nach dem Fall der Mauer glaubten viele Menschen in unserem Land genauso wie, dass wir in Frieden in Europa leben können. Leider war es ein großer Irrtum. Gorbaschow vertraute der Nato, stimmte der Widervereinigung Deutschlands zu und löste den Warschauer Pakt auf! Aber als Gegenleistung bekam er nichts. Der Westen kam Gorbaxschow nicht entgegen , sondern rückte immer näher mit der Nato an Russland heran. Er glaubte freies Spiel zu haben und führte soviel bewaffnete Einsätze aus wie nie zuvor. Und das Russland dieser Politik nicht mehr vertraut , ist mehr als verständlich. Und nun macht Russland ernst und nun zeigt sich die Ohnmacht des Westens! Und das ist gut so!
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Fotostrecke
Machtkampf um die Ukraine: Ringen um die Krim

Die umkämpfte Krim

Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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