Umfrage zu Krim-Krise Ukrainer wollen Gleichgewicht zwischen Russland und Westen

Die Ukrainer fordern mehrheitlich den Rückzug der russischen Truppen zu ihren Stützpunkten und international überwachte Wahlen. Laut einer aktuellen Umfrage befürworten nur 42 Prozent der Krim-Bewohner eine stärkere Ausrichtung auf Russland.

Eine russische Flagge weht nahe Simferopol: 42 Prozent der Krim-Bewohner befürworten eine stärkere Ausrichtung auf Russland
DPA

Eine russische Flagge weht nahe Simferopol: 42 Prozent der Krim-Bewohner befürworten eine stärkere Ausrichtung auf Russland


Hamburg - Die Mehrheit der Ukrainer will ihr Land "im Gleichgewicht" zwischen Russland und dem Westen sehen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, die am Donnerstag von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und von der globalen Bürgerbewegung Avaaz veröffentlicht wurde. Auch auf der umkämpften Halbinsel Krim sind 46 Prozent der Befragten dieser Meinung, 42 Prozent von ihnen befürworten hingegen eine stärkere Ausrichtung auf Russland. Bei der Meinungsforschung wurden 2000 Ukrainer und 600 Bürger der Krim befragt.

84 Prozent der Ukrainer und 57 Prozent der befragten Krim-Bewohner befürworten demnach garantierte Rechte für Minderheiten, Rückzug der russischen Truppen zu ihren Stützpunkten und international überwachte Wahlen. Was die Amtsenthebung des Ex-Präsidenten Wiktor Janukowitsch betrifft, sind mehr als 80 Prozent der ukrainischen Gesamtbevölkerung mit der Absetzung einverstanden, auf der Krim befürwortet nur die Hälfte der Befragten Janukowitschs Entlassung.

Nur die Hälfte der Ukrainer unterstützt das für Sonntag geplante Referendum über den Status der Halbinsel, auf der Krim äußern sich 62 Prozent der Menschen dafür. Uneins sind sich die Befragten, was die russischen Handlungen auf der Krim angehen. Die meisten Krim-Bürger finden Russlands Einsatz vor Ort gerechtfertigt und lehnen einen internationalen Eingriff ab. Eine große Mehrheit der Ukrainer stimmt mit diesen Punkten nicht überein.

"Diese Umfragen zeigen, dass ein überraschendes Maß an Einigkeit über die Vergangenheit und die Zukunft der Ukraine besteht, welches wir außer Acht lassen", sagte Ricken Patel, Geschäftsführer von Avaaz. "Die Ukrainer möchten eine Brücke und kein Schlachtfeld zwischen Russland und dem Westen sein. Putin und Obama sollten ihre waghalsige Politik herunterfahren und auf diese demokratische Stimme der Vernunft hören."

Daten zur Umfrage

Stichprobe: GfK Ukraine befragte 2000 Menschen in der gesamten Ukraine telefonisch, außerdem 600 Menschen auf der Krim

Zeitraum: 6.März bis 9. März 2014 in der gesamten Ukraine, 6. und 11. März 2014 auf der Krim

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insgesamt 24 Beiträge
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amerzenich 14.03.2014
1. Oha - Verblüffung
Jetzt wird kurzfristig eine Umfrage präsentiert. Das Gleichgewicht zwischen Russland und dem Westen ist aber doch von den USA und der EU nicht gewollt, sonst hätte man der Ukraine andere Angebote gemacht
ctulhu 14.03.2014
2. Kann gar nicht sein...
Zitat von sysopDPADie Ukrainer fordern mehrheitlich den Rückzug der russischen Truppen zu ihren Stützpunkten und international überwachte Wahlen. Laut einer aktuellen Umfrage befürworten nur 42 Prozent der Krim-Bewohner eine stärkere Ausrichtung auf Russland. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-ukrainer-wollen-gleichgewicht-zwischen-russland-und-westen-a-958678.html
...wenn man so im ZDF die Nachrichten sieht, dann muss es eher 80 zu 20 pro EU stehen... Grundsätzlich passt es aber zu dem Bild, dass jeder hat, der mal in der Ukraine war oder regelmässig ist... Zwischen den Blöcken ist für die Ukraine die beste Position. Nur dann hat sie eine Chance, nicht völlig zerfleischt zu werden. egal von welcher Seite...
fab64 14.03.2014
3. Entscheidung über Gleichgewicht
Zitat von amerzenichJetzt wird kurzfristig eine Umfrage präsentiert. Das Gleichgewicht zwischen Russland und dem Westen ist aber doch von den USA und der EU nicht gewollt, sonst hätte man der Ukraine andere Angebote gemacht
Hm, ist aber auch von Russland nicht gewollt. Warum sonst haben die da ihre Truppenbewegungen verstärkt? Diese Entscheidung sollte man den Ukrainern allein überlassen. Das gilt auch für Russland.
Verändert 14.03.2014
4. Abstimmung
Es wird trotz dieses Meinungsbildes bei der Abstimmung auf der Krim, die ja gar nicht mehr vorsieht, dass die Krim bei der Ukraine bleibt, eine Mehrheit für die Sofortige Anbindung an Russland geben. Dafür wird schon die freundliche russische Armee sorgen, die gerne beim Ausfüllen der Wahlzettel behilflich ist, damit man sich nicht verwählt. Außerdem kann natürlich jeder aus Russland auf die Krim, während der Zugverkehr aus der Ukraine eingeschränkt wurde- auch für Bewohner der Krim, die etwa Verwandte in der Ukraine besucht haben. Die Zustimmungsrate wird vermutlich irgendwas um 120% betragen.
Dieter 59 14.03.2014
5. Zwischen den Blöcken?
Zitat von ctulhu...wenn man so im ZDF die Nachrichten sieht, dann muss es eher 80 zu 20 pro EU stehen... Grundsätzlich passt es aber zu dem Bild, dass jeder hat, der mal in der Ukraine war oder regelmässig ist... Zwischen den Blöcken ist für die Ukraine die beste Position. Nur dann hat sie eine Chance, nicht völlig zerfleischt zu werden. egal von welcher Seite...
E gibt kein "zwischen den Blöcken" für die Ukraine mehr. Der Zug ist längst weg. Der Westen wollte Rußlands Wirtschaftsgedanken destabilisieren und mit allen Mitteln die eurasische Wirtschaftsgemeinschaft mit der Ukraine als Teilnehmer verhindern. Das hat geklappt, wenn auch nicht ganz so wie vorgesehen. Nebeneffekt dabei: Die NATO steht vor der Krim, dank Putin nicht auf der Krim. Was der Ukrainer will, interessiert niemanden.
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