Ausschreitungen in Donezk Russland droht mit neuer Ukraine-Intervention

Der Kreml droht mit einer weiteren Intervention in der Ukraine. Hintergrund: Bei Ausschreitungen gab es einen Toten in Donezk. "Die Behörden in Kiew haben die Situation nicht mehr unter Kontrolle," heißt es aus Moskau.

Russische Soldaten auf der Krim: "Verantwortung für das Leben unserer Mitbürger in der Ukraine"
AP/dpa

Russische Soldaten auf der Krim: "Verantwortung für das Leben unserer Mitbürger in der Ukraine"


Moskau - Das russische Außenministerium erhebt schwere Vorwürfe gegen die ukrainischen Sicherheitskräfte. "Die Menschen, die sich selbst ukrainische Behörden nennen", seien für den Tod eines Demonstranten am Donnerstagabend in der ukrainischen Stadt Donezk verantwortlich, heißt es in einer Mitteilung des Moskauer Außenamts.

Der Vorfall zeige, dass die Behörden in Kiew die Lage im Land nicht unter Kontrolle hätten. "Russland ist sich seiner Verantwortung für das Leben seiner Mitbürger in der Ukraine bewusst und behält sich das Recht vor, die Menschen unter seinen Schutz zu stellen", erklärt der Kreml.

Am Donnerstagabend war es zu Zusammenstößen zwischen prorussischen und prowestlichen Demonstranten in Donezk gekommen. Es war der schwerste Gewaltausbruch in der Ukraine seit den Ausschreitungen auf dem Maidan in Kiew vor drei Wochen. Ein 22 Jahre alter Mann wurde getötet, 26 weitere Menschen wurden verletzt.

Russland beginnt Manöver im Mittelmeer

Anders als Moskau es nun darstellt, berichteten Augenzeugen anschließend, dass der Tote dem politischen Lager angehörte, das eine Annäherung der Ukraine an die EU fordert und den russischen Einfluss ablehnt. Ukrainischen Medienberichten zufolge soll der Mann ein Funktionär der rechtspopulistischen Partei Swoboda (Freiheit) gewesen sein.

"Eine solche Tragödie darf sich nicht wiederholen", sagte Übergangspräsident Alexander Turtschinow am Freitag in Kiew. Er forderte eine schnelle Aufklärung der Tat. Mehrere Anstifter seien bereits festgenommen worden, teilte Innenminister Arsen Awakow mit.

Am Freitag begann das russische Militär ein Manöver im Mittelmeer. Mehrere Flugzeuge seien für Übungsflüge vom Flugzeugträger "Admiral Kuznetsow" gestartet, der zuletzt in Zypern angelegt hatte. An der Übung seien Jagdflugzeuge vom Typ Suchoi Su-33 und Militärhubschrauber vom Typ Kamow Ka-27 beteiligt, teilte ein Sprecher der Marine in Moskau mit. "Wenn das Wetter gut ist, werden wir die Flüge fortsetzen."

Am Mittwoch hatte die US-Marine ihrerseits ein Manöver vor der Krim gestartet, an dem auch rumänische und bulgarische Einheiten beteiligt sind. In Polen finden Luftwaffenmanöver statt, an denen die USA ebenfalls beteiligt sind.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass Jagdflugzeuge vom Typ Suchoi Su-22 an dem russischen Manöver beteiligt seien. Es handelt sich jedoch um Jets vom Typ Su-33. Wir haben den Fehler inzwischen korrigiert.

syd/Reuters/dpa/AP

insgesamt 251 Beiträge
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snickerman 14.03.2014
1. Entlarvend
Genau, wie es vorhergesagt wurde- aber natürlich von selbsternannten Experten bestritten wurde: Putin macht solange weiter, bis er aufgehalten wird. Wenn hier einer den kalten Krieg reloaded, dann der russische Demokrator himself!
merkur08 14.03.2014
2. Putin hat eine doppelte Moral
Als die Tschetchenen vor ein paar Jahren von Russland loesen wollten, lies Putin die Bewegung brutal niederschlagen. Es waere interessant zu wissen wie Putin reagiert, wenn Laender wie Dagestan oder Tschetchenien ebenfalls ein Referendum ueber ihren Verbleib in Russland haben wollen. Die Reaktion Russlands waere auf jeden Fall klar. Sie wuerden es militaerisch niederschlagen. Ein bisschen Heuchelei ist immer dabei.
lmike 14.03.2014
3. Für Su-22 ist die Kusnezow zu kurz gebaut
"An der Übung seien Jagdflugzeuge vom Typ Suchoi Su-22 ..... beteiligt" Es sind Su-27K (Su-33)-Trägerflugzeuge.
fuenfringe 14.03.2014
4. Einerseits
ist es immer so ein Problem mit Augenzeugenberichten. Wenn der Tote ein Anhänger der Swoboda gewesen sein soll - was sagt das über die Augenzeugen aus? Welche Absichten haben sie. Und zudem: Russland sagt ja nicht, es wolle seine Anhänger "schützen", sondern russische Staatsbürger, weil die ukrainischen Behörden dazu nicht in der Lage seien. Insofern besteht kein Widerspruch, denn, wer immer der Tote war, die ukrainischen Behörden konnten ihn offenkundig tatsächlich nicht schützen.
vwl_marlene 14.03.2014
5. optional
Ist bekannt, aus welcher Region der 22 jaehrige Mann stammte, der in Donezk zu Tode kam?
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