Vor Referendum Krim-Regierung bereitet Übernahme ukrainischer Unternehmen vor

Die Krim-Führung will nach der Abspaltung von Kiew ukrainische Staatsunternehmen beschlagnahmen. Unter anderem sollen der Energieversorger Tschernomorneftegas und die Eisenbahn den Besitzer wechseln. Vor der Halbinsel läuft derzeit ein Marinemanöver der USA.

Wache vor dem Krim-Parlament in Simferopol: Weitere Schritte zum Beitritt
AP

Wache vor dem Krim-Parlament in Simferopol: Weitere Schritte zum Beitritt


Simferopol/Sofia - In vier Tagen sollen die Bewohner der Krim über die politische Zukunft ihrer Halbinsel entscheiden. Die selbsternannte Regierung in Simferopol bereitet weitere Schritte für den Beitritt zu Russland vor.

Ukrainische Staatsunternehmen auf der Krim sollen in den Besitz der autonomen Regionalregierung übergehen. Das kündigte der Vizepremierminister der Krim-Führung, Rustam Temirgaliew, in einer Erklärung im russischen Fernsehen an.

"In den kommenden Tagen wird die Übergabe mehrerer Einrichtungen vorbereitet, die dem ukrainischen Staat gehören und sich auf dem Gebiet der Krim befinden", sagte Temirgaliew. Dabei soll es unter anderem um das Energieunternehmen Tschernomorneftegas und die ukrainische Eisenbahn gehen. Privatunternehmen sollen nicht betroffen sein.

Awacs-Flugzeuge überwachen den Luftraum

Bereits am Dienstag hatte der moskautreue Regierungschef Sergej Axjonow angekündigt, alle Kriegsschiffe im Hafen von Sewastopol zu beschlagnahmen. "Die dortige ukrainische Flotte wird in vollem Umfang verstaatlicht - wir sind nicht im Begriff, die Schiffe herauszugeben." Ukrainische Soldaten, die nicht die Seite wechseln wollten, müssten die Krim verlassen.

Wenige Tage vor dem Referendum hat das US-Militär ein Marinemanöver vor der Krim gestartet. Die mehrtägige Übung, die Washington gemeinsam mit Bulgarien und Rumänien durchführt, war von langer Hand geplant, fällt aber dennoch zeitlich mitten in den seit Wochen tobenden Konflikt um die Halbinsel. Eine Besatzung von 300 Marinesoldaten übt auf dem US-Lenkwaffenzerstörer "Truxtun" - direkt gegenüber der Krim, wo russische Militäreinheiten inzwischen die Kontrolle übernommen haben.

Nach Angaben der bulgarischen Marine gehören auch die bulgarische Fregatte "Drazki" und drei rumänische Schiffe zu dem Übungsverband. In Polen finden gleichzeitig Luftwaffenmanöver statt, an denen die USA ebenfalls beteiligt sind. Zudem hat die Nato Awacs-Flugzeuge zur Kontrolle des Luftraums rund um die Ukraine entsandt.

Ein zwischen Ende März und Mitte April geplantes Seemanöver unter der Führung der Ukraine wurde hingegen abgesagt. Dies habe ihm der ukrainische Botschafter mitgeteilt, sagte der bulgarische Verteidigungsminister Angel Najdenow. Die Häfen der ukrainischen Marine auf der Krim werden von der russischen Schwarzmeerflotte blockiert.

syd/vek/Reuters

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colonium 12.03.2014
1. Verschwendung
Zitat von sysopAPDie Krim-Führung will nach der Abspaltung von Kiew ukrainische Staatsunternehmen beschlagnahmen. Unter anderem sollen der Energieversorger Tschernomorneftegas und die Eisenbahn den Besitzer wechseln. Vor der Halbinsel läuft derzeit ein Marinemanöver der USA. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-regierung-bereitet-uebernahme-ukrainischer-unternehmen-vor-a-958199.html
Vielleicht sollten die rumänische und bulgarische Regierung erstmal dafür sorgen, dass die Sinti und Roma in diesen Ländern ausreichend versorgt werden und die Diskriminierung aufhört, bevor sie sich an kostspieligen Manövern beteiligen. Ich bin immer wieder überrascht, dass fürs Militär Geld da ist, aber für die Menschen nicht.
mariameiernrw 12.03.2014
2. Russland provoziert weiter
Zitat von sysopAPDie Krim-Führung will nach der Abspaltung von Kiew ukrainische Staatsunternehmen beschlagnahmen. Unter anderem sollen der Energieversorger Tschernomorneftegas und die Eisenbahn den Besitzer wechseln. Vor der Halbinsel läuft derzeit ein Marinemanöver der USA. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-regierung-bereitet-uebernahme-ukrainischer-unternehmen-vor-a-958199.html
Es muss davon ausgegangen werden, dass Russland über jeden Schritt der Krim-Regierung informiert ist. Schließlich hat Russland auf der Krim eine moskau-treue Vier-Prozent-Partei (bei der letzten Wahl) an die Macht geputscht. Russland muss seine völkerrechtswidrige Besetzung der Krim aufheben und aufhören zu provozieren!
Lurxl 12.03.2014
3. Ukrainische Marine
Sie sollte wohl nicht ganz so einfach zu übernehmen sein wie ein Bahnbüro. Da denke ich an die Gneisenau oder die Flotte des freien Frankreich und andere Beispiele wie so etwas für eine Hafenanlage auch mal nach hinten losgehen könnte
BaMargera 12.03.2014
4. Nicht mehr nachvollziehbar
Bei allem Verständnis, das ich anfangs für Russlands geo-strategisches Interesse an der Krim-Halbinsel und unter Berücksichtigung ihrer Bewohner-Struktur noch hatte, aber das, was Moskau der Krim-Regierung an Maßnahmen zur Umsetzung (Beschlagnahmung der ukrainischen Flotte, Übernahme ukrainischer Unternehmen) vorgibt, gleicht nur noch einem Raubzug. Mit der Ausgangsinteressenslage Russlands haben diese Aktivitäten nicht mehr viel gemeinsam
kritische_masse 12.03.2014
5. Absolute Frechheit!!!
Die Assimilation der Ukrainischen Flotte ist jawohl eine Oberfrechheit! Jetzt verstehe ich, warum die Hafenzufahrt vor ca. einer Woche mit einem versenkten Schiff versperrt wurde - diese Übernahme ist anscheinend schon länger geplant worden. Russland hat jegliche Hemmungen verloren und betrachtet die Krim als ihren Eigentum. Dann sollen sie bitte die ukrainischen Staatschulden vollständig begleichen und Gaspreise dauerhaft senken. Wird natürlich nicht passieren, sondern die UA wird weiter ausgeplündert - das ist noch lange nicht alles! Ist nur die Spitze des eiberges, was in den nächten Tagen von RU noch kommen wird. Ein reiner Selbstbedienungsladen hier - könnte mich nur aufregen!!!
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