Russischer Angriff auf ukrainischen Stützpunkt Nervenkrieg um Militärbasis auf der Krim

Neue Eskalationsstufe in der Krim-Krise: Bewaffnete haben eine ukrainische Militärbasis in Sewastopol gestürmt, offensichtlich handelt es sich bei den Angreifern um russische Soldaten. Auch Journalisten wurden attackiert, einer offenbar schwer verletzt.

Prorussischer Soldat nahe Militärbasis bei Sewastopol: Angriff im Lastwagen
REUTERS

Prorussischer Soldat nahe Militärbasis bei Sewastopol: Angriff im Lastwagen


Moskau/Sewastopol/Sotschi - Auf der Halbinsel Krim ist es am Freitagabend zu einem schweren Zwischenfall gekommen: Bewaffnete, bei denen es sich offensichtlich um Russen handelt, haben eine ukrainische Militärbasis in Sewastopol erstürmt, berichten übereinstimmend mehrere Nachrichtenagenturen. Die Angreifer sollen laut CNN in das Lager eingedrungen sein, indem sie mit einem russischen Militärlastwagen durch das verschlossene Eingangstor gefahren sind.

Inzwischen sollen sich die Männer nach Verhandlungen wieder zurückgezogen haben, berichten manche Quellen. In anderen Quellen heißt es allerdings, dass die Verhandlungen noch laufen.

Ein ukrainischer Offizier sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass bei der Aktion keine Schüsse gefallen seien und niemand verletzt wurde. Laut Interfax sind 100 ukrainische Soldaten in der Militärbasis stationiert, 20 Angreifer sollen mit Hilfe von Blendgranaten das Lager angegriffen haben. Dort hätten sich die Ukrainer daraufhin verbarrikadiert.

Bei der Aktion wurden auch mehrere Journalisten attackiert, wie mehrere Reporter übereinstimmend berichteten. Offenbar wurde dabei ein Kameramann schwer verletzt. Kollegen wollten ihn in ein Krankenhaus bringen, auf dem Weg dorthin sollen sie allerdings erneut attackiert worden sein. Berichte über die angebliche Entführung eines ukrainischen Journalisten bestätigten sich am späten Freitagabend nicht.

Auf der Krim werden mittlerweile alle ukrainischen Militärposten von prorussischen Kämpfern bewacht - bisher allerdings standen die Bewacher nur vor den Toren. Dass es nun zu einem direkten Angriff auf einen Militärkomplex kam, hat eine neue Qualität.

Stiller Protest in Sotschi

Insgesamt sollen sich auf der Krim bereits 11.000 Kämpfer befinden. Beobachter sind sich sicher, dass sie russische Soldaten sind - auch wenn sie keine Erkennungszeichen tragen. Moskau bestreitet indes, dass es sich um Einheiten der russischen Armee handelt.

Auch auf diplomatischer Ebene verschärft sich der Ton. Ein Kreml-Sprecher machte sich am Freitagabend über EU und USA lustig. Über die Vermittlungsversuche des Westens könne man "nur lachen", sagte er. Der Garant für Sicherheit in der Region sei allein Russlands Präsident Wladimir Putin.

Die Krim-Krise wirkte sich am Freitagabend auch auf die Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele im russischen Sotschi aus: Das ukrainische Team protestierte, indem es mit nur einem Sportler an der Zeremonie teilnahm: Fahnenträger Michail Tkatschenko fuhr allein in seinem Rollstuhl durchs Stadion und verzog keine Miene.

mxw/dpa/AP/Reuters

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NETSUBJEKT 08.03.2014
1. Paramilitärs sollten wie Kriminelle verfolgt werden
Wenn sowohl Russland als auch die paramilitärischen Gruppen selbst behaupten, ukrainische Bürger zu sein, dann wäre es auch kein Angriff gegen das russiche Militär, wenn ukrainische Soldaten diese wie kriminelle Aufrührer bekämpfen, entwaffnen, festnehmen und internieren. Denn sie unterstehen der ukrainischen Rechtsordnung. Bei bewaffneter Gegenwehr, wären das ukrainische Militär und die Polizei berechtigt, sich mit Waffengewalt zu verteidigen.
11severinus 08.03.2014
2. Nervöse Lage
So wird unterm Strich die Lage denn beschrieben, keine wirkliche Explosion also, ich möchte dennoch aber nicht verbarrikadiert sein zum Schutz vor feindlich, staatlich gelenktem Angriff, Barrikade übrigens, die in Kiev dem gleichen Schutz gegen eine gewaltbereite Staatsmacht dienste. Also Gebet und volle Sorge für die Jungs im eigenen Haus, in der eigenen Schutzburg: "Die Bundeswehr schützt Deutschland und seine Staatsbürger gegen politische Erpressung und äußere Gefahr." Es ist schon bestialisch, was Russland mit den Angehörigen der Armee des Brudervolkes treiben lässt, Inhumanität könnte nicht krasser ausfallen. Pfui auf den Versuch, unter solchen Umständen unter Ausschaltung der Presse, internationaler Beobachter, mit Drohung und Einschüchterung in russischer Staatssicherheits Brutalo Manier, Wahlen durchführen zu wollen. Es ist idiotisch, die Welt auf so kindische, gar babyhafte Weise veräppeln zu wollen. Mit welchem Russen kann man da eigentlich noch vernünftig reden wollen. Obwohl man das jetzt um so mehr muss. Durch den Kalten Krieg muss man in seiner pervertierten, halbstarken Form noch einmal durch, also ran ihr enkel Bahrs und Brandts, unterstützt Eure Väter bei der gewaltigen, diesmal unbedingt nachhaltigen Aufgabe! Also unbedingt unter den Bedingungen der Pöbelhaftigkeit: Frieden durch Annäherung.
thinking_about 08.03.2014
3. Russischer Angriff
Zitat von sysopREUTERSNeue Eskalationsstufe in der Krim-Krise: Bewaffnete haben eine ukrainische Militärbasis in Sewastopol gestürmt, offensichtlich handelt es sich bei den Angreifern um russische Soldaten. Auch Journalisten wurden attackiert, einer offenbar schwer verletzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-russen-stuermen-ukrainische-militaerbasis-in-sewastopol-a-957566.html
[QUOTE=sysop;15084925]Neue Eskalationsstufe in der Krim-Krise: Bewaffnete haben eine ukrainische Militärbasis in Sewastopol gestürmt, offensichtlich handelt es sich bei den Angreifern um russische Soldaten. Auch Journalisten wurden attackiert, einer offenbar schwer verletzt. was sagt uns das? Eine Bildunterschrift begnügt sich im Ticker mit der Zuordnung: "Selbsternannte Sicherheitskräfte", woher die kommen ist möglicherweise ortsgebunden bedingt, auch nicht an der Sprache festzumachen. Es kann eine Ansammlung solcher aus der Krim oder sonstwoher sein, auch Kosaken sind darunter. Bisher hat das keiner eindeutig festmachen können. Putin sagt, es habe keinen Einfluß auf diese Leute. Jedenfalls sind es NICHT originäre russische Soldaten aus Rußland. Die Russischen Soldaten sitzen auf ihrem Stützpunkt, eine Intervention von diesen hat es bisher NICHT gegeben. Das führt natürlich, auch optisch zur Verwirrung. Putin äußerte sich dazu. Was ein Reporter jetzt hier mal bei Dunkelheit erlebte, sollte man nicht so hoch hängen. Das kidnapping war zwar temporär so empfunden, aber man hat den Mensch dann doch zu einem Krankenhaus gebracht. ZZt läuft ein Gespräch auf Phoenix mit Scholl-Latour zu seinem 90. Geburtstag - hell wie immer - mit dem größten Journalisten unserer Gegenwart. Was ER in dieser Funktion erlebt hat, das sollten sich alle Journalisten mal vor Augen führen, wenn sie in Krisengebieten unterwegs sind. Insgesamt hoch interessant, was er zu sagen hat. Falls die Sendung noch irgendwo wieder zu sehen sein sollte: bitte ansehen, auch für alle, die versäumt haben, eine rationale Weltsicht zu entwickeln. Zur Ukraine schlägt er vor, das Land in einer Föderation zu teilen (Anmerk.: wo soll man die Grenze ziehen?). Die Krim seit eindeutig Rußland orientiert, daß Rußland darüber die Kontrolle behalten wolle, verstehe er. Denn Rußland befindet sich im Zangengriff, die Ukraine sei eine willfährige Nation. Rußland ist in einigen Regionen bedroht durch den Islam, das Rußland bashing sei völlig unangebracht. Deutschland sollte eine aktivere Rolle zeigen und dem Drang nach Osten Einhalt gebieten, auch Rumänien und Bulgarien hätten nicht dazugenommen werden sollen. Allerdings sei Europa schwach und beileibe keine Weltmacht. Nach dem kalten Krieg habe man die Übersicht verloren und die Frage nach dem Islam werde uns noch sehr beschäftigen. Er sagte auch noch einiges zur USA, das führt dann hier zu weit, denn in USA hat sich die Krise zu einem innerpolitischen Politikum ausgeweitet, wo Obama vorgeworfen wird, er sei zu schwach.
Drunken Masta 08.03.2014
4. Garant für Sicherheit in der Region
Ne ist klar, für wie blöd hält man uns eigentlich in Moskau? 11.000 militärisch Organisierte, mit russichen Militärwaffen, russischen Militärlastwagen aber ohne Kennzeichnung. Zur Erinnerung: Russland darf 6.000 Soldaten auf der Krim haben. In den eigenen Militärbasen und nicht in deren der Ukrainer! Wenn in einem Land also der Präsident gestürzt wird, beschließt das Nachbarland die neue Regierung nicht anzuerkennen und darf dann einmaschieren? Keine Ahnung wieviel Vodka man brauch, um das für legitim zu halten. Putin tritt das Völkerrecht mit Füßen und der Westen wirft ein paar zaghafte Alibi-Wattebäuschen in Richtung Moskau.
kuddikurt 08.03.2014
5. Wo ist die Deeskalation?
Es macht den Eindruck, das Deeskalation überhaupt nicht gewünscht ist. Bei der Hau drauf Politik von Putin, was mit rationalem Denken nichts mehr zu tun hat, könnten wir geradewegs in einen Krieg schlittern. Was Größenwahn und verletzte Eitelkeit anrichten könnte wage ich mir gar nicht auszumahlen. Wann fangen die Menschen an, bevor sie eine Regierung wählen erst mal an zu Denken und machen dann ihr Kreuz. Immer wollen sie starke Typen und wundern sich wenn sie nachher in der Diktatur landen. Wenn es hier einen großen Krieg gibt, den wird keiner mehr überleben.
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