Krise auf der Krim Rätselhafte Besatzer in Tarnkleidung

Wer sind die bewaffneten Männer, die auf der Krim mitten in der Nacht Flughäfen besetzen? Russen, sagt die Ukraine. Nicht unsere Soldaten, sagt Moskau. Sicher ist: Die Einheiten sind gut ausgerüstet und straff organisiert - warum stecken in manchen Gewehren offenbar keine Magazine?


Kiew/Moskau - Die Männer kamen mitten in der Nacht - und sie wissen offenbar, was sie tun. Als gegen 1.30 Uhr am frühen Freitagmorgen die Lastwagen vor dem Flughafen Simferopol anrollten, sah es nicht so aus, als rolle da eine wilde Truppe Wochenendkrieger an. So schildert es zumindest der ukrainische Innenminister Arsen Awakow. Der kann zwar kaum als neutral gelten. Allerdings bestätigt eine erste Analyse der Aufnahmen von vor Ort sein Urteil. Es kann zumindest bezweifelt werden, dass hinter dem nächtlichen Übergriff eine spontane Aktion einer Miliz steckt.

Am Freitagvormittag kristallisierte sich zudem heraus, dass es in der Nacht nicht nur einen, sondern zwei Vorfälle an zwei verschiedenen Flughäfen gegeben hat. Die bisher bekannte Aktion richtete sich gegen den Airport von Simferopol, rund 16 Kilometer nördlich der 360.000-Einwohner-Stadt.

Zudem gab es aber offenbar auch einen Übergriff auf den Flughafen von Sewastopol, etwa 80 Kilometer südwestlich. Dieser wird vom ukrainischen Verteidigungsministerium betrieben. Im Hafen vom Sewastopol ist die russische Schwarzmeerflotte stationiert - die aber umgehend jede Beteiligung zurückgewiesen hat. Der ukrainische Minister Awakow vermutet in diesem Fall jedoch ganz konkret russische Soldaten im Einsatz - und sprach bereits von einer "Invasion".

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Rätselhafte Flughafenaktion: In Tarnkluft vor dem Terminal
Am Mittag dann die Meldung, der ukrainischen Regierung, die eigenen Sicherheitskräfte besäßen nach wie vor die volle Kontrolle über die Flughäfen auf der Halbinsel Krim. Es habe einen Versuch gegeben, die Airports zu besetzen, sagte der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Andrej Parubij, in Kiew. Die mutmaßlichen Angreifer hätten allerdings Checkpoints auf den Zufahrtsstraßen eingerichtet. "Aber faktisch kontrollieren ukrainische Sicherheitskräfte die Flughäfen", sagte Parubij nach Berichten örtlicher Medien.

Aufnahmen liegen bisher nur aus Simferopol vor. Sie zeigen patrouillierende Einheiten vor dem Flughafengebäude. Ihre Uniformen tragen keinerlei Abzeichen. Auffällig ist aber ihre Ausrüstung, die sie straff organisiert wirken lässt. Uniformen, Helme und Splitterschutzwesten sind einheitlich.

Die umkämpfte Krim

Bewaffnet sind die Männer mit Sturmgewehren des Typs AK-107, eines modernen Nachfolgers der klassischen Kalaschnikows. Auf manchen Bildern ist zu sehen, dass die AK-107-Gewehre Granatwerfer und Nachtsicht-Zieloptiken tragen - auch das deutet darauf hin, dass es sich hier nicht um Zivilisten handelt, die sich auf dem Schwarzmarkt mit Ausrüstung versorgt haben.

Möglicherweise auch Spezialgewehre im Einsatz

Gerüchteweise sollen einige der Männer zudem mit "Wal"-Sturmgewehren ausgerüstet gewesen sein. Diese Waffen sind mit einem integrierten Schalldämpfer ausgestattet - und werden unter anderem von den Spezialeinheiten des russischen Militärs eingesetzt. Natürlich könnten die Gewehre aber auch auf anderem Weg in die Hände der Flughafenangreifer gelangt sein.

Die Agentur Interfax meldete, die Männer seien prorussische "Selbstverteidigungskräfte" gewesen. Allerdings wird aus der Meldung nicht klar, um welchen der beiden Vorfälle es geht.

Ein letztes Detail trägt ebenfalls nicht dazu bei, die äußerst unübersichtliche Situation zu entzerren: Auf zahlreichen Bildern ist zu erkennen, dass die Einheiten in Simferopol zwar martialisch im Kampfanzug und mit gezückten Gewehren auftreten - dafür stecken in vielen der Sturmgewehre aber offenbar keine Munitionsmagazine.

jok/mbe/Reuters/dpa

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insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
thomas_gr 28.02.2014
1. optional
Oh wie genau auf einmal auf das Equipment geschaut wird. In Syrien laufen verrückte mit Waffen westlicher Bauart rum. Dort waren alle blind.
Kohle&Reibach 28.02.2014
2. Ich denke mal
Zitat von sysopGetty ImagesWer sind die bewaffneten Männer, die auf der Krim mitten in der Nacht Flughäfen besetzen? Russen, sagt die Ukraine. Nicht unsere Soldaten, sagt Moskau. Sicher ist: Die Einheiten sind gut ausgerüstet und straff organisiert - warum stecken in manchen Gewehren offenbar keine Magazine? http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-russische-truppen-am-flughafen-simeforopol-a-956275.html
das sind russische Fallschirmjäger. Sprungschuhe tragen sie ja wie ich sehen kann.
SteigerF 28.02.2014
3.
Die Russen sagen, es sind Ukrainer. Die Ukrainer sagen, es sind Russen. Weshalb sollte die Ukraine im eigenen Land einen Flughafen besetzen und dann sagen, dass es nicht ihre Soldaten seien? Russische Soldaten ergeben mehr Sinn.
Top-Experte 28.02.2014
4.
Zitat von SteigerFDie Russen sagen, es sind Ukrainer. Die Ukrainer sagen, es sind Russen. Weshalb sollte die Ukraine im eigenen Land einen Flughafen besetzen und dann sagen, dass es nicht ihre Soldaten seien? Russische Soldaten ergeben mehr Sinn.
Z.B. um Maßnahmen ergreifen zu können und Russland als böse darzustellen? Es *könnten* durchaus Ukrainer sein bzw. eine Aktion des ukrainischen Geheimdienstes.
hubie 28.02.2014
5. Stimme SteigerF #3 zu
Ist nur logisch. Die prorussische Opposition auf der Krim sollte keinen Hehl daraus machen, dass sie sich gegen den "Maidan" auflehnen. Die Russen allerdings schon.
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