Krim-Krise Ukraine meldet Erschießung eines Offiziers

Die Spannungen in der Krim-Krise verschärfen sich: Laut dem Verteidigungsministerium in Kiew hat ein russischer Soldat einen ukrainischen Marineoffizier erschossen. Auch prorussische Proteste im Osten des Landes alarmieren die Regierung.

Ukrainisches Militär auf der Basis Nowoderowka (im März): Marineoffizier getötet
REUTERS

Ukrainisches Militär auf der Basis Nowoderowka (im März): Marineoffizier getötet


Kiew - Ein russischer Soldat hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums der Ukraine auf der Krim einen ukrainischen Marineoffizier getötet. Für diese Meldung gibt es noch keine Bestätigung. Und doch dürfte sie die Spannungen rund um die Krim-Krise verschärfen.

Nach ukrainischen Angaben wurde der 32-jährige Major am späten Sonntagabend gegen 22.50 Uhr von russischen Soldaten mit einer Kalaschnikow erschossen. Die Schüsse sollen im vierten Stock eines Armee-Wohnheims einer Luftwaffenbasis im Dorf Nowoderowka gefallen sein.

Es sei zu einem Konflikt zwischen einer russischen Einheit und ukrainischen Truppen gekommen, die Kiew treu geblieben waren. Laut ukrainischen Angaben war der Offizier unbewaffnet. Er hatte sich geweigert, in die russische Armee überzulaufen. Am 9. April hätte er gemeinsam mit anderen Offizieren auf das ukrainische Festland verlegt werden sollen. Nach Informationen ukrainischer Aktivisten sei ein weiterer ukrainischer Offizier "brutal zusammengeschlagen worden".

Jazenjuk: Russische Truppen weiterhin an Grenze zur Ukraine

Die Lage ist nach den jüngsten Unruhen in der Ostukraine ohnehin besonders angespannt. Die Regierung in Kiew zeigte sich alarmiert. Die Proteste zielten darauf, einen Einmarsch ausländischer Truppen zu provozieren, sagte der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk am Montag.

Russische Truppen stünden 30 Kilometer von der Grenze entfernt. Sie seien entgegen entsprechender Forderungen auch aus dem Westen nicht zurückgezogen worden. Die Ukraine werde nicht zulassen, dass ausländische Truppen einmarschierten und ukrainisches Gebiet besetzten, so Jazenjuk.

Die jüngsten Unruhen im Osten, bei denen prorussische Demonstranten mehrere Verwaltungsgebäude gestürmt hatten, seien "Teil eines Destabilisierungsplans, damit eine fremde Armee die Grenze überschreitet und in ukrainisches Territorium einmarschiert", sagte Jazenjuk auf einer live im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung.

Zeman droht Moskau mit Entsendung von Nato-Truppen

Am Wochenende hatte es prorussische Protesten in ostukrainischen Städten gegeben, bei denen es am Sonntag zu massiven Ausschreitungen kam. Jazenjuk sagte, Besetzer staatlicher Gebäude koordinierten ihr Vorgehen mit ausländischen Truppen.

Russlandtreue Aktivisten besetzten die Gebietsverwaltungen der Millionenstädte Charkiw und Donezk. Auf den Dächern hissten sie die russische Fahne. Die Angreifer forderten Referenden über eine Abspaltung von Kiew - nach dem international nicht anerkannten Vorbild auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim.

Der tschechische Präsident Milos Zeman bezeichnete daraufhin einen möglichen russischen Einmarsch in den Osten der Ukraine als rote Linie im Konflikt mit Moskau - und drohte mit der Entsendung von Nato-Truppen. "In einem solchen Fall würde ich nicht nur für die schärfstmöglichen Sanktionen plädieren, sondern sogar für eine militärische Bereitschaft des Nordatlantik-Pakts und den Einsatz von Nato-Soldaten auf ukrainischem Gebiet", sagte Zeman am Sonntagabend im tschechischen Rundfunk.

fab/beb/AFP/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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ratte321 07.04.2014
1.
Bitte kein Krieg!!!
radeberger78 07.04.2014
2. Klingt irgendwie unglaubwürdig,
Zitat von sysopREUTERSDie Spannungen in der Krim-Krise verschärfen sich: Laut dem Verteidigungsministerium in Kiew hat ein russischer Soldat einen ukrainischen Marineoffizier erschossen. Auch prorussische Proteste im Osten des Landes alarmieren die Regierung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-ukraine-meldet-toten-soldaten-a-962943.html
nach der friedlichen Übernahme, ist es schwer vorstellbar das nun ein unbewaffneter Soldat erschossen worden sein soll ...... nichts genaues weiß man nicht.
gerhard.kirsch 07.04.2014
3. Auch prorussische Proteste im Osten des Landes alarmieren die Regierung
Von welcher Regierung sprechen wir??? Die Putschisten aus Kiew und West-Ukraine haben die Schule für die Putschisten in Ost- und Süd-Ukraine gemacht. Wann fährt jetzt eigentlich Herr Westerwelle & Co nach Ostukraine und ermuntert die Leute, dass sie recht auf Freiheit und Selbstbestimmung haben???
ph.latundan 07.04.2014
4. so, so ...............
Zitat von sysopREUTERSDie Spannungen in der Krim-Krise verschärfen sich: Laut dem Verteidigungsministerium in Kiew hat ein russischer Soldat einen ukrainischen Marineoffizier erschossen. Auch prorussische Proteste im Osten des Landes alarmieren die Regierung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-ukraine-meldet-toten-soldaten-a-962943.html
der tschechische president zieht jetzt die roten linien. dabei sollte er doch verstaendnis fuer die krim haben.
Lightyear 07.04.2014
5. Wirtschaftliche Nachteile vs. Menschen Leben
Ein Diktator wie Putin lässt sich durch Appeasement-Politik nicht beeidnrucken. Harte wirtschaftliche Sanktionen würden Menschenleben retten auch wenn es nachteile auch für die EU selber beudeten würde.
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