ThemaFinanzkrise ab 2007RSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Krise in Euro-Land Verein der Versager

EU-Führungspersonal: Die Damen und Herren interessiert vor allem der MachterhaltZur Großansicht
REUTERS

EU-Führungspersonal: Die Damen und Herren interessiert vor allem der Machterhalt

2. Teil: Die Politik versagt

Europas Krise ist kein Unfall einer globalisierten Ökonomie, sondern die Folge politischen Versagens.

  • Wer hat denn die Finanzmärkte solange liberalisiert, und das auch noch gefeiert, bis praktisch keine Kontrolle mehr möglich war? War das nicht die Politik, hier die Schwarzen, dort die Roten und die Gelben sowieso überall?
  • Wer hat seit Jahren in Kauf genommen, dass die Volkswirtschaften in der Währungsunion auseinanderdriften - und dem Volk dazu gesagt, das sei nicht schlimm?
  • Wer hat die gigantischen Schuldenberge angehäuft, weil das so bequem war und Zumutungen ans Wahlvolk ersparte? Waren das nicht dieselben Politiker, die diese Schulden heute als Ursprung allen Übels anprangern und die sie nun heldenhaft abtragen wollen?
  • Und ist der Rückzug ins eigene Nest, der um sich greift, die Abkehr von europäischer Solidarität, die Bedienung national-populistischer Stammtischrunden geeignet, die Probleme zu lösen?

Neue, bessere Politiker bräuchte der schwächelnde Kontinent. Aber wo her nehmen? Ein europäischer Obama ist weit und breit nicht in Sicht. Nicht einmal eine Miniaturausgabe.

"Führungsvakuum in der Stunde der Krise"

"Renationalisierungstendenzen" und eine zunehmend provinziell ausgerichtete Politik mache den Menschen vor, so der Vizechef der christdemokratischen EVP-Fraktion, Manfred Weber, "man könne die Probleme am Besten allein, im eigenen Land lösen". Falsch sei das, so Weber: "Die bedienen nur Vorurteile!" Sein Fazit: "Es fehlen die Europäer in der Politik!"

Europa "leidet an einem Führungsvakuum in der Stunde der Krise", stellt auch Markus Ferber, Chef der CSU-Gruppe im EU-Parlament, fest. Besonders deutlich zeige sich das in Brüssel, im Steuerungszentrum der Europäischen Union. Von dort müssten im Idealfall schnelle und entschlossene Vorschläge zur Krisenbewältigung kommen, müssten die Interessen der 27 Clubmitglieder gebündelt und Kompromisse vorbereitet werden, die zügige Entscheidungen von allen gemeinsam möglich machen. Doch ausgerechnet in der bedrohlichsten Krise seit Gründung der Staatengemeinschaft stehen an den Steuerrädern in Brüssel blasse, schwache Figuren.

Totalausfall in Brüssel

Die EU-Kommission, die als Grals-"Hüterin der Verträge" durch die Welt stolziert und sich als Herzstück des politischen Jahrhundertunternehmens sieht, war im Krisenmanagement ein Totalausfall. Zunächst war sie lange auf Funkstille gestellt, um die Wiederwahl ihres Präsidenten, José Manuel Barroso, nicht zu gefährden. Als der nach langer Hängepartie im Amt bestätigt wurde, hatte er so viele Demütigungen hingenommen, dass Europas Polit-Granden in den wichtigen Hauptstädten ihn nicht mehr ernst nahmen.

Mit dem Lissabon-Vertrag wurde außerdem das Parlament - zuvor eine machtarme Schwatzbude - zu einem weitgehend gleichberechtigten Mitspieler. Das Parlament und der Europäische Rat - das ist der Kreis der Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitglieder - sind nun plötzlich "die Machtpole" in Brüssel, so Professor Joerg Monar, vom "College of Europe". Die Kommission werde dazwischen "mehr und mehr zerquetscht".

Auch der frühere belgische Ministerpräsident Herman Van Rompuy änderte an der Brüsseler Malaise bislang nichts. Er wurde zum ersten ständigen Präsidenten des Europäischen Rates gekürt - das Amt wechselte zuvor halbjährlich - und sollte der Versammlung der nationalen Regenten mehr europäischen Zusammenhalt geben. Das ging ziemlich schief. "Van Rompuy bereiste Asien, als Krisengipfel in Brüssel war", spottet CSU-Ferber, und Kommissionspräsident Barroso sei "mit dem EU-Lateinamerika-Treffen gut beschäftigt gewesen".

Frühstück am Montag

Jetzt wollen die Ohnmächtigen sich neu formieren. Van Rompuy kündigte, "eine Art Krisenkabinett" an, das "die wichtigsten Akteure" und "die wichtigsten Institutionen" schnell zusammenbringen könne. Bestehen soll das aus Jean-Claude Trichet, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Kommissionschef Barroso und Van Rompuy natürlich. "Zum Piepen" befand ein Berliner Regierungsberater den Vorschlag. Auch im Pariser Elysée-Palast, so heißt es, habe man "laut gelacht".

Nun wollen Barroso und Van Rompuy erst einmal etwas kleiner anfangen. Jeden Montag treffen sie sich zum Frühstück.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 197 Beiträge
Olias 02.06.2010
... ist es auch dringend Zeit, für Politiker ein Haftungsinstrumentarium zu entwerfen. Wer sich derart selbstverliebt mit der Kultivierung eigener Profilneurotik beschäftigt muß bezahlen.
... ist es auch dringend Zeit, für Politiker ein Haftungsinstrumentarium zu entwerfen. Wer sich derart selbstverliebt mit der Kultivierung eigener Profilneurotik beschäftigt muß bezahlen.
jaglaubse 02.06.2010
...Finanzkrieg und Frankreich hat den Sieg gegen Deutschland so gut wie in der Tasche. Da können Merkel und ihre naiven Mitstreiter nur dumm in die Wäsche schauen gegen die geballte Macht der französischen Polit-und [...]
...Finanzkrieg und Frankreich hat den Sieg gegen Deutschland so gut wie in der Tasche. Da können Merkel und ihre naiven Mitstreiter nur dumm in die Wäsche schauen gegen die geballte Macht der französischen Polit-und Finanzelite. Die haben vorausschauend schon vor Jahren alle wichtigen Positionen in EU und IWF besetzt.
lupenrein 02.06.2010
Wenn die Länder der EU jemals wieder finanziell gesunden sollen, muss die EU aufgelöst werden und die Hunderte von Milliarden, die damit vor Korruption und Vergeudung gerettet werden. können wesntlich zur Haushaltsanierung der [...]
Wenn die Länder der EU jemals wieder finanziell gesunden sollen, muss die EU aufgelöst werden und die Hunderte von Milliarden, die damit vor Korruption und Vergeudung gerettet werden. können wesntlich zur Haushaltsanierung der Einzel- Mitglieder eingesetzt beitragen. Die Auflösung der EU bedeutet noch lange nicht, dass die Länder in Europa n i c h t in Frieden und Freundschaft zusamen leben könnten. Um Zusammenarbeit, freien Handel und die Souveränität der Länder zu sichern, um sich gegenseitig - auf freiwiliger Basis zu helfen, bedarf es keiner sogenanten Wirtschaftsunion. Das Abkassieren, die Verschwendung von Abermilliarden, die unerträgliche Bürokratie, die erschreckende Korruptionm muss endlich ein Ende finden. muss ein Ende haben
Hubert Rudnick 02.06.2010
---------------------------------------------------------- Mann könnte hier noch viele Staaten aufzählen, denn überall rumort es, überall werden die gesellschaftlichen Probleme nicht gelöst, sondern sie verschärfen sich, es [...]
Zitat von sysopNicht nur Steuerbetrüger in Griechenland und Hedgefonds haben Europa in die Existenzkrise gestürzt - kräftig mitgeholfen hat die politische Führung in Euro-Land. Sie ist nicht willens ihren Job zu machen. Oder nicht fähig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,697410,00.html
---------------------------------------------------------- Mann könnte hier noch viele Staaten aufzählen, denn überall rumort es, überall werden die gesellschaftlichen Probleme nicht gelöst, sondern sie verschärfen sich, es liegt nicht alleine an die Arroganz und Unfähigkeite der Regierenden, das alles hat seine Ursache und das ist die Unbeherrschbarkeit dieses Systems. Wir sind an den Grenzen gestoßen, wisssen nicht wie es weitergehen soll und haben auch keine Lösungen parat. HR
Ceasarius 02.06.2010
Das ist genau das Denken, was jetzt blockiert. Es geht doch nicht um Deutschland vs. Frankreich! Es geht darum unseren Hintern zu retten, und der sitzt auf einem Balken direkt neben den anderen EU Ländern. Bricht er, [...]
Zitat von jaglaubse...Finanzkrieg und Frankreich hat den Sieg gegen Deutschland so gut wie in der Tasche. Da können Merkel und ihre naiven Mitstreiter nur dumm in die Wäsche schauen gegen die geballte Macht der französischen Polit-und Finanzelite. Die haben vorausschauend schon vor Jahren alle wichtigen Positionen in EU und IWF besetzt.
Das ist genau das Denken, was jetzt blockiert. Es geht doch nicht um Deutschland vs. Frankreich! Es geht darum unseren Hintern zu retten, und der sitzt auf einem Balken direkt neben den anderen EU Ländern. Bricht er, stecken wir alle gemeinsam in der Scheiße. (Auch wenn mir das Spiel der französischen Regierung momentan sehr missfällt.)
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Finanzkrise ab 2007

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Sind Sie ein guter Euro-Retter?
dpa
Die EU legt ein gigantisches Hilfspaket für den Euro auf - Gesamtumfang: 750 Milliarden Euro. Aber blicken Sie bei der größten Wette der Weltgeschichte noch durch? Testen Sie Ihre Euro-Retter-Qualitäten im SPIEGEL-ONLINE-Quiz.

Schulden in Europa
dpa
Mit der gigantischen Summe von mehr als sieben Billionen Euro sind die Euro-Länder verschuldet. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Staaten jetzt einen riesigen Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro für Länder gespannt, die mit dem Schuldenberg nicht mehr fertig werden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten.





TOP



TOP