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Krise in Kenia Präsident Kibaki hält schützende Hand über Skandalminister

2. Teil: Wer Kibaki nachfolgen will, muss Odinga besiegen

Rutos Verdienste als Agrarminister sind bisher überschaubar. Er hat bisher weder den Maisskandal aufgeklärt, noch eine ausreichende Nahrungsmittelsicherheit garantieren, noch die schwächelnde Landwirtschaft überhaupt ankurbeln können. Er ist vor allem mit dem Schmieden von Allianzen, der Vorbereitung für 2012 und einer Verteidigungsstrategie beschäftigt, die ihn vor einer Anklage in Den Haag bewahrt. Am Sonntag tat er in einer ersten Reaktion das, was er am besten kann: Er organisierte in seinem Wahlkreis eine Protestdemonstration gegen seine Absetzung.

Dass Minister, Staatssekretäre oder Abgeordnete für Fehler, Versäumnisse oder Skandale zur Rechenschaft gezogen werden, gehörte in Kenia bisher nicht zur politischen Kultur. Politische Verantwortung bezieht sich traditionell allenfalls auf das eigene persönliche Handeln, nicht aber auf die Fähigkeit, ein Ministerium effizient und möglichst skandalfrei zu führen. Noch schlimmer geht es in den parastaatlichen Einrichtungen wie Zoll-, Flughafen-, Hafen- oder Tourismusbehörde zu. Hunderte von Millionen Dollar sind dort in den vergangenen Jahren verschwunden, versickert oder sonst wie abgezweigt worden. Es gibt Dutzende von Untersuchungsberichten, die präzise das Fehlverhalten von Politikern aufschlüsseln - doch politische oder gar juristische Konsequenzen musste kaum jemand befürchten.

Inzwischen macht die internationale Gemeinschaft jedoch massiven Druck, allen voran die USA. Präsident Barack Obama, dessen Großvater aus Kenia stammt, zeigte dem Land bisher die kalte Schulter. Für 15 hochrangige Politiker, darunter den Generalstaatsanwalt, gibt es ein Einreiseverbot in die USA.

Auch Premierminister Raila Odinga, der einst in Magdeburg studiert hat, war bisher nicht über alle Skandal-Zweifel erhaben. Während der Präsident Probleme in bewährter Manier am liebsten aussitzt, erweckt Odinga den Anschein, als ob er sich für die Rolle des politischen Saubermanns entschieden hat.

Er ist derzeit der mit Abstand populärste Politiker Kenias. Gegen ihn hat sich eine Phalanx von Gegenkandidaten für die nächste Wahl formiert, darunter der Sohn des Staatsgründers, Uhuru Kenyatta, Skandalminister William Ruto oder auch Tourismusminister Najib Balala. Sie alle wissen: Wer Kibaki nachfolgen will, muss Odinga besiegen.

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insgesamt 2 Beiträge
JonHH 15.02.2010
Wo bleiben die politisch korrekten Aufschreie, dass die armen Menschen Afrikas solch Treiben doch ausschließlich dem destruktiv-amoralischen Einfluss der ehemaligen Europäischen Kolonialmächte zu verdanken haben? Wo der Verweis [...]
Wo bleiben die politisch korrekten Aufschreie, dass die armen Menschen Afrikas solch Treiben doch ausschließlich dem destruktiv-amoralischen Einfluss der ehemaligen Europäischen Kolonialmächte zu verdanken haben? Wo der Verweis darauf, dass Verantwortung bitteschön überall zu suchen sei, aber nicht bei den unfreiwillig fremdbestimmten Bewohnern des schwarzen Kontinents? Entschuldigt meinen Zynismus, aber der gerade aufgrund des Mangels solch politisch korrekter Untertöne erfrischende Artikel legt den Finger in die Wunde und zeigt mir einmal mehr, warum jeder Spendenaufruf für Afrika ein sehr zwiespältiges Gefühl bei mir hinterlässt.
Koda 04.05.2010
Man gründet einen Verein, mit dem man sich vor Ort selbst davon überzeugt, wo das Geld landet. Dann muss man zwar zwischendurch immer noch die Behörden schmieren, aber solange man "nur" kleine Sachbearbeiter schmieren [...]
Zitat von JonHHWo bleiben die politisch korrekten Aufschreie, dass die armen Menschen Afrikas solch Treiben doch ausschließlich dem destruktiv-amoralischen Einfluss der ehemaligen Europäischen Kolonialmächte zu verdanken haben? Wo der Verweis darauf, dass Verantwortung bitteschön überall zu suchen sei, aber nicht bei den unfreiwillig fremdbestimmten Bewohnern des schwarzen Kontinents? Entschuldigt meinen Zynismus, aber der gerade aufgrund des Mangels solch politisch korrekter Untertöne erfrischende Artikel legt den Finger in die Wunde und zeigt mir einmal mehr, warum jeder Spendenaufruf für Afrika ein sehr zwiespältiges Gefühl bei mir hinterlässt.
Man gründet einen Verein, mit dem man sich vor Ort selbst davon überzeugt, wo das Geld landet. Dann muss man zwar zwischendurch immer noch die Behörden schmieren, aber solange man "nur" kleine Sachbearbeiter schmieren muss, kann man wenigstens davon ausgehen, kann man wenigstens davon ausgehen, dass mein keine fetten Reichen daruch noch fetter macht.
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