Deutsche Mali-Politik: Ischinger kritisiert Berlins Kampftruppen-Tabu

Frankreich will bis zu 2500 Soldaten nach Mali schicken, doch auf Kampftruppen aus Deutschland kann Paris nicht zählen. Eine falsche Strategie, kritisiert der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. "Es geht um unsere gemeinsame Sicherheit", so der frühere Top-Diplomat.

Französische Soldaten in Malis Hauptstadt Bamako: Was tut Deutschland? Zur Großansicht
AFP

Französische Soldaten in Malis Hauptstadt Bamako: Was tut Deutschland?

Berlin - Frankreichs Armee verstärkt ihre Luftangriffe auf Stellungen der Islamisten in Mali, 2500 französische Soldaten sollen demnächst in dem westafrikanischen Land im Einsatz sein. Der Uno-Sicherheitsrat billigt die Militäraktion, zahlreiche westafrikanische Länder wollen Frankreich mit Soldaten unterstützen. Auch Deutschland prüft inzwischen logistische Hilfe, schließt den Einsatz von Kampftruppen aber aus.

Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz und früher Staatssekretär im Außenministerium, hält das für einen Fehler. "Frankreich erwartet von Deutschland und anderen EU-Partnern aktive Solidarität und militärische Unterstützung", sagt er. "Es geht um unsere gemeinsame Sicherheit."

Es sei "weniger erfreulich, dass ein Regierungssprecher einen Kampfeinsatz der Bundeswehr kategorisch ausschließt", sagt Ischinger. "Kluge Krisenaußenpolitik fordert, bestimmte Handlungsoptionen nicht vorab öffentlich und kategorisch auszuschließen, da wir alle keine Hellseher sind." Man wisse eben nicht, so Ischinger, "ob und wie die Lage weiter eskalieren könnte".

Deshalb sei es "völlig richtig, dass die Bundesregierung mit Blick auf die dramatischen Entwicklungen in Mali ihre Position jetzt öffnet", sagt Ischinger. "Dieser Schritt ist notwendig und war überfällig." Und lobt dabei ausdrücklich den Verteidigungsminister, der sich in den vergangenen Tagen für Nachbarschaftshilfe starkgemacht hatte. "De Maizière verdient Unterstützung", so Ischinger. Auch die "Positionierung von Grünen-Fraktionschef Trittin finde ich lobenswert", sagt der ehemalige Top-Diplomat. Trittin hatte sich offen für deutsche Militärhilfe gezeigt.

Im Moment wird offenbar in Berlin die Entsendung von vier Transall-Maschinen und einem Airbus geprüft. Die Maschinen sollten zum Transport von Soldaten der Mitgliedsländer der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas dienen.

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Zahnlos, wie immer!
ombattw 15.01.2013
Lasst uns die Bundeswehr abschaffen und das Geld in eine effektive Entwicklungshilfe stecken. Dann hätte Al-Qaida & Co von Anfang an keinen Nährboden!
2. Warum immer weiter mit dem Säbel rassel
vt798 15.01.2013
Es gab eine Zeit wo es hies keine Deutschen Soldaten im Ausland. Mit unserer Geschichte sollten wir uns unverzüglich aus allen Auslandseinsätzen zurückziehen. Es hat immer ärgergebracht wenn Deutsche Soldaten im Ausland waren diese Politik sollte beendet werden.
3. Traurig
derj0nathan 15.01.2013
Dass es immer noch Menschen gibt die imaginäre Freunde haben und auch noch stolz darauf sind. Warum sollten geistig nicht ganz fertig entwickelte Sonderrechte bekommen. Die Menschheit ist manchmal echt lustig.
4. optional
roswitha_von_gandersheim 15.01.2013
Es wäre höchste Zeit, dass deutsch-franzôsische Freundschaft mehr als Lippenbekenntnisse und leeren Phrasen bewirke
5. Och Joh!
Carlo Nappo 15.01.2013
Es ist schon eine besondere Frechheit, das der frühere Top-Diplomat Wolfgang Ischinger zu Mali behauptet: "Es geht um unsere gemeinsame Sicherheit". Es dreht sich ausschließlich um französische Wirtschaftsinteressen und denen des französischen Staatskonzerns Areva.
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Zur Person
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Wolfgang Ischinger, 66, war von 1998 bis 2001 Staatssekretär des Auswärtigen Amts. Danach war er bis 2006 Botschafter in Washington und anschließend bis 2008 in London. Heute ist er Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz.

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Mali: Flucht vor den Islamisten

Karte Grafik Sahelzone Afrika 2012 Zur Großansicht
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Karte Grafik Sahelzone Afrika 2012

Bevölkerung: 15,370 Mio. Einwohner

Fläche: 1.240.194 km²

Hauptstadt: Bamako

Staatsoberhaupt:
Ibrahim Boubacar Keita

Regierungschef: Moussa Mara

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