Krise in Nahost Israels Luftwaffe bombardiert Innenstadt von Beirut

Nachdem die Armee in der Nacht erste Bodentruppen in den Süden des Libanon entsandte, beschießt die israelische Luftwaffe jetzt die Innenstadt von Beirut. Zahlen über Opfer liegen noch nicht vor.


Hamburg – Die israelische Armee verstärkt ihre Offensive im Libanon: Zum ersten Mal griffen Kampfflugzeuge auch die Hauptstadt Beirut an. In der Nacht drangen das erste Mal für längere Zeit Bodentruppen in das Land ein. "Das sind beschränkte, sehr genaue Angriffe", sagte ein Armeesprecher über den Einsatz. Bislang hätten israelische Soldaten nur punktuell die Grenze überquert. Ziel der Angriffe sind Stützpunkte der radikal-islamischen Organisation Hisbollah. Das israelische Militär hat aber nicht ausgeschlossen, später eine größere Bodenoffensive zu beginnen. In den vergangenen Tagen waren die Soldaten nach kurzen Angriffen auf die Hisbollah wieder abgezogen worden. In der Nacht nahmen Kampfflugzeuge die Hochburgen der Gruppe in Beirut und dem Ort Schweifat unter Beschuss.

Auch im Gaza-Streifen lief die Offensive weiter: Im Flüchtlingslager Maghasi tötete die israelische Armee Sanitätern zufolge drei Extremisten. Mit Panzern drangen Truppen nun auch in den zentralen Abschnitt des Gazastreifens und im Westjordanland in die Stadt Nablus ein. Palästinensische Extremisten hatten die Bodenoffensive Israels im Gazastreifen durch die Entführung eines israelischen Soldaten am 25. Juni ausgelöst.

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert machte Iran und Syrien für die Eskalation der Gewalt im Libanon mitverantwortlich. Iran habe die Entführung zweier israelischer Soldaten vor rund einer Woche zusammen mit der Hisbollah koordiniert, erklärte Olmert. Damit beabsichtige das Land die Aufmerksamkeit von seinem Atomprogramm zu lenken. "Unglücklicherweise war dieser iranische Trick erfolgreich", sagte der Regierungschef. Zuvor hatte Israels Armee mitgeteilt, die Hisbollah-Miliz schmuggle Waffen aus Syrien in den Libanon.

US-Präsident George W. Bush machte als Hauptursache für die gegenwärtige Krise die Hisbollah verantwortlich. Es sei jedoch "essenziell", dass die Regierung um den libanesischen Ministerpräsidenten Fouad Siniora die derzeitige Krise überstehe. Unklar bleibt, ob US-Außenministerin Condoleezza Rice am Freitag in den Nahen Osten reist.

Vorschlag für Uno-Resolution

Frankreich fordert eine Resolution des Uno-Sicherheitsrats zu der Krise. Das mächtigste Organ der Vereinten Nationen solle einen dauerhaften Waffenstillstand in der Region verlangen, schlug die Regierung in Paris in einem Diskussionspapier vor. Damit sollten weitere Opfer unter Zivilisten und Schäden an zivilen Einrichtungen vermieden werden. Außerdem müsse eine Uno-Resolution diejenigen verurteilen, die eine Destabilisierung der Region betrieben. Zudem solle sich der Sicherheitsrat für die Freilassung entführter israelischer Soldaten und die Auflösung aller Milizen im Libanon aussprechen. Außerdem sollen die Uno-Friedenstruppen im Land verstärkt werden.

Heute morgen verließ ein neuer Buskonvoi mit deutschen Touristen die libanesische Hauptstadt Beirut nach Syrien. Die Bundesregierung hat für den Abend ein Flugzeug in Damaskus gechartert, das die Deutschen nach Düsseldorf bringen soll. Das Auswärtige Amt teilte mit, dass weitere Touristen, die ausreisen wollen, später mit einem Flugzeug der Bundeswehr zurückgebracht werden. Bereits am Freitag waren 600 Deutsche nach Syrien gebracht worden, um von dort aus nach Hause zurückzukehren.

elo/AFP/ddp



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