Krise in Venezuela Kolumbien verschärft Grenzkontrollen

Kolumbien kontrolliert künftig strenger, wer aus Venezuela einreisen darf. Die Notlage im verarmten Nachbarland dürfte das weiter zuspitzen.

Menschen auf Grenzbrücke Simón Bolívar zwischen Venezuela und Kolumbien
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Menschen auf Grenzbrücke Simón Bolívar zwischen Venezuela und Kolumbien


Jeden Tag überqueren Tausende Venezolaner die Grenze zum Nachbarland Kolumbien, um sich dort mit dem Nötigsten zu versorgen. Denn Venezuela steckt in einer tiefen Versorgungskrise. Viele Menschen hungern, weil die Preise explodiert sind. Wegen Devisenmangel und der Hyperinflation kann das Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente oder Dinge des täglichen Bedarfs einführen.

Nun dürfte sich die Notlage weiter zuspitzen, denn Kolumbien verschärft seine Grenzkontrollen. Die Beamten prüften seit Freitag sehr genau die Papiere der Venezolaner, die nach Kolumbien einreisen wollten, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Es werden nur diejenigen hinübergelassen, die einen Pass oder eine Einreisegenehmigung vorweisen können. Auf der Grenzbrücke Simón Bolívar zwischen dem venezolanischen Bundesstaat Táchira und dem kolumbianischen Department Norte de Santander bildeten sich lange Schlangen.

Jeden Tag überqueren an der Brücke bis zu 37.000 Menschen die Grenze. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos hatte zuletzt gesagt, die Migration aus Venezuela sei außer Kontrolle geraten. Über eine halbe Million Venezolaner leben in dem Nachbarland.

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Krise in Venezuela: Die Versorgungsbrücke

Ohne Finanzspritzen aus dem Ausland wäre Venezuela längst Bankrott. Venezuela ist das Land mit den größten Ölreserven der Welt. Allerdings wird sonst fast nichts im Land selbst produziert. Selbst Klopapier muss aus dem Ausland importiert werden. Durch den Ölpreisverfall fehlt der Regierung nun Geld für nötige Importe.

Präsident Nicolás Maduro hat das von der Opposition dominierte Parlament entmachtet, Neuwahlen sind für April angesetzt. Die USA und die EU haben gegen Maduro und weitere Regierungsvertreter Sanktionen verhängt und warnen vor der Errichtung einer Diktatur.

Der Internationale Strafgerichtshof ermittelt zudem wegen möglicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er untersucht Vorfälle seit April 2017, bei denen die Sicherheitskräfte mit übermäßiger Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen waren. Laut Anklagebehörde sollen Tausende Regierungsgegner festgenommen und misshandelt worden sein.

lov/dpa



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