Krise unter Verbündeten Pakistan wirft Nato Angriff auf Grenzposten vor

Die Beziehungen zwischen Pakistan und dem Westen geraten immer tiefer in die Krise. Die Regierung in Islamabad wirft der Nato vor, einen Grenzposten beschossen zu haben. Die Armee habe bei dem westlichen Bündnis scharfen Protest eingelegt.

Nato-Hubschrauber in Afghanistan: Die meisten Nato-Helikopter in der Region sind US-amerikanisch
AFP

Nato-Hubschrauber in Afghanistan: Die meisten Nato-Helikopter in der Region sind US-amerikanisch


Islamabad - Noch ist unklar, was genau an der pakistanisch-afghanischen Grenze geschehen ist. Klar ist aber, der Vorfall sorgt für neue Spannungen im bereits angeschlagenen Verhältnis zwischen Pakistan und dem Westen.

Nach pakistanischer Darstellung haben Nato-Hubschrauber am Dienstag einen Posten an der Grenze zu Afghanistan angegriffen. Dabei seien zwei pakistanische Soldaten verwundet worden, hieß es. Die beiden Helikopter hätten von Afghanistan aus die Grenze nach Nord- Waziristan überquert und seien zehn Minuten im pakistanischen Luftraum geblieben, sagte ein Vertreter der Lokalregierung weiter. Die Hubschrauber hätten abgedreht, als Grenztruppen in der Region Datta Khel das Feuer auf sie eröffnet hätten. "Ein Geschoss schlug in einem nahe gelegenen Berg ein und unsere Soldaten wurden durch das Geröll verletzt", hieß es. Die Region ist eine Hochburg radikaler Islamisten.

Aus pakistanischen Geheimdienstkreisen hieß es umgehend, dass damit nach der US-Kommandoaktion zur Tötung von al-Qaida-Chef Osama Bin Laden die Beziehungen zwischen Islamabad und dem Westen weiter belastet würden.

Die Nato bestätigte bisher lediglich, dass Hubschrauber an der Grenze im Einsatz waren. Der Bericht über den Angriff werde geprüft, erklärte Nato-Sprecher Oberstleutnant John Dorrian. Die meisten Hubschrauber, die an der Grenze im Einsatz sind, sind US-Maschinen.

Inoffiziell hieß es aus westlichen Militärkreisen, ein Nato-Stützpunkt in Afghanistan sei von der pakistanischen Seite der Grenze beschossen worden. Zwei Hubschrauber seien dann zur Unterstützung herbeigerufen worden. Einer habe über die Grenze hinweg gefeuert, nachdem er zwei Mal beschossen worden sei. Ob sich die Maschine dabei im afghanischen oder pakistanischen Luftraum befand, wurde nicht mitgeteilt.

Die Beziehungen zwischen Pakistan und dem Westen sind äußerst gespannt, seit US-Spezialeinheiten am 2. Mai Bin Laden in seinem Versteck in Abbottabad töteten. Dass sich der al-Qaida-Chef nur 50 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad aufhielt, gilt als peinlich für Militär und Geheimdienste in Pakistan. Die Regierung in Islamabad hat Spekulationen über eine Zusammenarbeit von Teilen des Geheimdienstes mit den radikalen Islamisten zurückgewiesen. Umgekehrt haben sich pakistanische Behörden empört gezeigt, nicht in den Einsatz einbezogen geworden zu sein.

ler/dapd/Reuters



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