Krisenpatient Europa Stark wie nie

Der Druck auf die europäischen Staatenlenker vor dem EU-Gipfel ist enorm. Aber droht dem Patienten Europa wirklich der Exitus, wenn das Treffen scheitert? Nein. Denn trotz Schuldenkrise war der Kontinent nie so kraftvoll wie heute: wirtschaftlich stark, ideologisch vital und außenpolitisch mächtig.

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Krisenpatient Europa: Es schlägt die Stunde der Schwarzmaler - doch warum?
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Krisenpatient Europa: Es schlägt die Stunde der Schwarzmaler - doch warum?


Berlin - Ein Gespenst geht um in Europa. Das Gespenst heißt: Panik. Die Panik ist inzwischen weit gekommen, sie machte sich von den Rändern des Kontinents auf den Weg, von Irland, Portugal, Griechenland - inzwischen ist sie im Herzen Europas. In Deutschland sorgt man sich dieser Tage um seinen Top-Status bei der Kreditwürdigkeit, genauso sieht es in Frankreich aus. Verliert eine der stärksten Volkswirtschaften sein bisher als sakrosankt angesehenes Triple A, könnte man, so die Sorge, den vereinbarten Euro-Schutzschirm direkt wieder zuklappen.

Es ist die Stunde der Schwarzmaler.

  • "Der Euro bedroht Europa", sagt der ehemalige Industrie-Präsident Hans-Olaf Henkel.
  • David Murrin, Vorstand des Hedgefonds Emergent Asset Management mit Sitz in Großbritannien, meint: "Europa ist im Schluss-Abschnitt seiner Existenz." Seine Prognose: "Dass Europa bestehen bleibt, scheint unmöglich."
  • Frankreichs Europaminister Jean Leonetti mahnt: "Der Euro kann explodieren, und Europa kann auseinanderfallen."
  • Olli Rehn, Währungskommissar der EU, spricht von "zehn kritischen Tagen", in denen eine Lösung gefunden werden müsse. Die Frist endet mit dem Euro-Krisengipfel an diesem Donnerstag und Freitag in Brüssel.
  • Die britische Vorsitzende des Währungsausschusses im Europaparlament, Sharon Bowles, erklärte gerade, der Euro überlebe womöglich nur noch bis Weihnachten. Der EU gibt sie für diesen Fall noch sechs Monate.

Der Kanzlerin sind solche düsteren Szenarien eigentlich zuwider. Doch selbst Angela Merkel warnt: "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa."

Die Panik ist längst auch auf der anderen Seite des Atlantiks angekommen. Zwar witzelte US-Präsident Barack Obama kürzlich darüber, dass er noch nie so viele Telefonate nach Europa geführt habe wie in den vergangenen Wochen, das letzte mit der Kanzlerin am Vorabend des EU-Gipfels. Der Hintergrund der Dauerferngespräche allerdings ist bitterernst: Würde der Euro zusammenbrechen und mit ihm der Wirtschaftsraum auf dem Kontinent, hätte das fatale Folgen für die USA. Nicht weniger groß ist die Sorge vor einem Euro-Crash in Asien.

Die Schuldenkrise hat Europa tatsächlich schwer getroffen. Bisher ist keines der Rettungsrezepte aufgegangen, am Donnerstagabend wollen die Staats- und Regierungschef den nächsten Versuch starten. Vor allem Deutschland und Frankreich haben den Druck spürbar erhöht, endlich einen überzeugenden Ausweg zu finden.

Aber ist das wirklich der letzte Schuss? Was passiert, wenn es erneut nicht gelingt, das Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen? Steht Europa wirklich vor dem Abgrund, zerbricht die EU?

Tatsächlich war Europa nie so kraftvoll wie heute. Ein Überblick:

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insgesamt 52 Beiträge
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Bundeskanzler Ackermann 08.12.2011
1. Hurra!
Zitat von sysopDer Druck auf die europäischen Staatenlenker vor dem EU-Gipfel ist enorm. Aber droht dem Patienten Europa wirklich der Exitus, wenn das Treffen scheitert? Nein. Denn trotz Schuldenkrise war der Kontinent nie so kraftvoll wie heute - wirtschaftlich stark, ideologisch vital und außenpolitisch mächtig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802237,00.html
Wirtschaftlich stark? Ok, andere sind noch schwächer, das mag sein. Ideologisch vital? Wer einen einzigen Politiker kennt, der noch eine andere Ideologie als seine Wiederwahl vertritt und in Europa was zu sagen hat, möge die Hand heben. Außenpolitisch mächtig? Klar, China und USA ignorieren uns, Iran macht sich lustig über uns, Russland macht uns abhängig von sich. Mächtig ist Europa vielleicht in Guidos feuchten Träumen, aber nicht in der realität.
Mr. XXX 08.12.2011
2. xxx
Zitat von sysopDer Druck auf die europäischen Staatenlenker vor dem EU-Gipfel ist enorm. Aber droht dem Patienten Europa wirklich der Exitus, wenn das Treffen scheitert? Nein. Denn trotz Schuldenkrise war der Kontinent nie so kraftvoll wie heute - wirtschaftlich stark, ideologisch vital und außenpolitisch mächtig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802237,00.html
Man dachte bis jetzt, die Spiegel-Gruppe will bloß Springer Marktanteile abjagen. Jetzt aber noch der Titanic...
ZiehblankButzemann 08.12.2011
3. Stark?Heutzutage vorallem kurzlebig!
Natürlich hat Europa, der gesamte Kontinent sich eine gewisse Stärke erarbeitet. Gerade auch Kulturell ist einiges seit Jahrhunderten angesagt und weiteres am Start. Aber in einer Welt die voll auf Wachstum ausgerichtet ist, bleibt wenig Zeit sich darauf auszuruhen. In Deutschland haben wir tausende Weltmarktführer, die es aber auch nicht ewig bleiben werden. Unser starker Export stabilisiert natürlich, soweit man im Augenblick überhaupt noch von Stabilität sprechen kann. Ich halte den ganzen Wachstumswahnsinn nicht für klug. Aber die Chinesen werden es erst verstehen, wenn richtig große Krisen auf sie zukommen, und dann hängen wir alle noch mehr mit drin. Momentaufnahmen sind schön fürs Poesie-Album.
offenes-wort 08.12.2011
4. Was fuer ....
Zitat von sysopDer Druck auf die europäischen Staatenlenker vor dem EU-Gipfel ist enorm. Aber droht dem Patienten Europa wirklich der Exitus, wenn das Treffen scheitert? Nein. Denn trotz Schuldenkrise war der Kontinent nie so kraftvoll wie heute - wirtschaftlich stark, ideologisch vital und außenpolitisch mächtig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802237,00.html
... ein Dope raucht ihr beiden Ausnahme-Journalisten denn? Schwarzmalen ist sicherlich nicht der richtige Weg, aber solche Lobhymnen, wie ihr sie singt, zeugen schon von Realitaetsverlust!
Koana 08.12.2011
5. Ja, vor allem
Zitat von Mr. XXXMan dachte bis jetzt, die Spiegel-Gruppe will bloß Springer Marktanteile abjagen. Jetzt aber noch der Titanic...
... auf den Beitritt Albaniens sollten wir hoffen - der Abschnitt Integrationskraft - das hätte kein Besatzungsmitglied der Titanic so genial hinbekommen...... - lasst uns lachen - es ist immer besser als jammern.
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