Kritik am Krisenmanagement: Medwedew rückt von Putin ab

Zu spät, zu langsam, zu umständlich - und das mitten in der Krise: Mit deutlichen Worten hat Russlands Präsident Medwedew den Regierungsapparat angegriffen. Ein Zeichen, dass er sich von seinem politischen Ziehvater Putin distanziert.

Irkutsk - Russland taumelt in die schwerste Wirtschaftskrise seit mehr als einem Jahrzehnt - da zeichnen sich erste Zerwürfnisse zwischen dem Führungsduo ab. Präsident Dmitrij Medwedew hat dem Regierungsapparat vorgeworfen, zu schleppend auf die schwere Wirtschaftskrise zu reagieren. Indirekt richtet sich die Kritik damit gegen seinen politischen Ziehvater Wladimir Putin, der inzwischen als Ministerpräsident der Regierung vorsteht.

Russlands starke Männer: Zwischen Ministerpräsident Putin und Präsident Medwedew mehren sich die Hinweise auf Differenzen
REUTERS

Russlands starke Männer: Zwischen Ministerpräsident Putin und Präsident Medwedew mehren sich die Hinweise auf Differenzen

Medwedew monierte, dass die Regeln für die Vergabe staatlicher Bürgschaften erst vor einigen Tagen beschlossen wurden. "Wir arbeiten sehr langsam, für eine Krise inakzeptabel langsam", sagte er am Freitag bei einer Rede in der sibirischen Stadt Irkutsk.

Die russische Wirtschaft wird nach einem Jahrzehnt des Booms 2009 erstmals schrumpfen. Außerdem steigt die Arbeitslosigkeit an. "Die Krise dauert an und hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Wir sind noch nicht einmal in der Talsohle", warnte Medwedew.

Die Äußerungen des Staatschefs über die Arbeit der Regierung waren die zweiten kritischen Anmerkungen über Putin. Schon im Januar hatte sich Medwedew über die Reaktion der Regierung auf die Krise beklagt. Kritik am früheren Kreml-Chef, mit dem Medwedew sich die Macht teilt, gilt in Russland als Tabu.

beb/Reuters

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