Kritik an Kriegsplänen "Ein Mensch kann dumm sein, ein Staat darf es nicht"

Während der amerikanische Präsident noch an den letzten Details seiner mit Höchstspannung erwarteten Rede zur Lage der Nation feilt, wächst die Kritik an Bushs Irak-Politik. Auch in den USA selbst melden sich nun skeptische Stimmen - darunter auch der US-Oberbefehlshaber im letzten Golfkrieg, Norman Schwarzkopf.


Will sein Volk auf den Krieg einschwören: Präsident Bush
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Will sein Volk auf den Krieg einschwören: Präsident Bush

Washington - Schwarzkopf steht einer jetzigen Militäraktion gegen den Irak skeptisch gegenüber. Er müsse erst noch mehr Informationen haben, bevor er einen Präventivschlag gegen den Irak befürworten könne, zitierte die "Washington Post" den pensionierten General.

Der Gedanke, dass der irakische Präsident Saddam Hussein über atomare Kapazitäten verfügen könne, sei Furcht erregend, sagte Schwarzkopf. Aber er wisse nicht, über welche geheimdienstlichen Erkenntnisse die US-Regierung verfüge. "Und bevor ich aufstehe und sage, ohne jeden geringsten Zweifel müssen wir den Irak angreifen, würde ich schon gern bessere Informationen haben."

>Der frühere Präsident George Bush, der während des Golfkriegs 1991 im Weißen Haus regierte, nahm unterdessen seinen Sohn in Schutz. Bush junior sei friedliebend und tue alles in seinen Kräften stehende, um einen Krieg zu verhindern. Es schmerze ihn sehr, wenn sein Sohn als Kriegstreiber angeprangert werde.

Bush senior erläuterte erneut, warum er die Militäraktion beendete, ohne dass Iraks Präsident Saddam Hussein entmachtet wurde. Es sei nach der irakischen Invasion Kuweits die Aufgabe gewesen, die "Aggression Iraks" zu beenden. Diese Aufgabe sei erfüllt worden. Militärisch weiter zu gehen, hätte die von den USA geführte internationale Koalition aufs Spiel gesetzt, sagte Bush.

Kritik an dem jetzigen Präsidenten kam dagegen aus der Opposition. Der Führer der Demokraten im US-Senat, Tom Daschle, forderte Bush auf, Beweise für die Existenz nuklearer und biologischer Waffen im Irak vorzulegen. Daschle verlangte außerdem, der Präsident solle seinen "überstürzten" Irak-Kurs begründen, um den "guten Willen" der Verbündeten nicht zu verspielen.

Nach Ansicht des ehemaligen Uno-Waffeninspektors Richard Butler messen die USA im gegenwärtigen Konflikt auf "schockierende" Weise mit zweierlei Maß. Sie drohten einen Krieg gegen Saddam Hussein im Alleingang an, während sie nichts gegen andere Staaten täten, die im Besitz von Massenvernichtungswaffen seien, kritisierte der Australier heute in Sydney. Butler hatte bis 1998 die Waffeninspektionen im Irak geleitet.

Der französische Präsident Jacques Chirac sagte heute nach einem Treffen mit Dem neuen brasilianischen Staatschef Luiz Inacio Lula da Silva in Paris, in der Irak-Frage verträten beide Länder eine identische Position. Lula unterstrich, der Uno-Sicherheitsrat müsse über das weitere Vorgehen entscheiden. "Ein Mensch kann eine Dummheit begehen, aber ein Staat hat kein Recht dazu."

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