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Kritik an McCains Vize: Palin beförderte Schulfreunde in Regierungsämter

Neue Enthüllungen über Sarah Palin: Die Vizepräsidentschaftskandidatin der US-Republikaner habe alten Freunden gut bezahlte Jobs verschafft, berichtet die "New York Times". Zudem habe sie als Gouverneurin häufig durch Abwesenheit im Amt geglänzt.

Chicago - Vetternwirtschaft, Ignoranz: Nach Gesprächen mit mehr als 60 regionalen Abgeordneten und Regierungsbeamten zeichnet die "New York Times" ein düsteres Bild von McCains Vize Sarah Palin. Demnach hat die 44-Jährige während ihres politischen Aufstiegs Rachefeldzüge verfolgt, Beamte gefeuert, die ihr nicht passten und mehrmals private Belange mit Regierungsgeschäften verwechselt. Höchste Priorität habe für die republikanische Politikerin Loyalität und Geheimhaltung, schreibt das Blatt.

Schwere Vorwürfe: Laut "NYT" hat Sarah Palin Schulfreunden gute Jobs verschafft
AFP

Schwere Vorwürfe: Laut "NYT" hat Sarah Palin Schulfreunden gute Jobs verschafft

Für mehrere alte Freunde hat sie laut dem Bericht hohe Posten in der Verwaltung frei gemacht. So hat Palin demnach einen Führungsjob im Landwirtschaftsministerium von Alaska an eine Schulfreundin vergeben. Als Qualifikation für den mit einem Jahresgehalt von 95.000 US-Dollar (rund 67.000 Euro) dotierten Job habe die Schulkameradin und Immobilienmaklerin Franci Havemeister unter anderem ihre "Liebe zu Kühen als Kind" angegeben.

Havemeister war dem Bericht zufolge eine von mindestens fünf Schulfreunden, die Palin als Gouverneurin von Alaska eingestellt hat. Deren Gehälter hätten die auf dem freien Markt gezahlten Saläre oftmals deutlich überschritten. Das Jahrbuch ihrer Schulabschlussklasse lese sich streckenweise wie das Adressbuch der Regierungsmannschaft, vermerkt die "New York Times" spöttisch.

Dem Bericht zufolge kritisieren sowohl demokratische als auch republikanische Abgeordnete in Alaska Palins häufige Abwesenheit. Seit sie im Jahr 2007 das Amt der Gouverneurin übernommen habe, habe sie 312 Nächte in ihrem Haus in Wasilla verbracht - fast tausend Kilometer von ihrem Amtssitz entfernt. Einige Abgeordnete seien so frustriert gewesen, dass sie Anstecker mit dem Aufdruck "Wo ist Sarah?" getragen hätten.

Bürgermeister aus dem ganzen Bundesstaat sind der "New York Times" zufolge noch enttäuschter. Demnach blieben ihre Briefe und Anfragen in der Regel unbeantwortet. Ein besonders krasses Beispiel schilderte der Bürgermeister von Anchorage der Zeitung. Der Demokrat Mark Begich wollte sich unbedingt mit Palin treffen, weil die Regierung es verpasst hatte, Gelder für die nötige Instandhaltung der öffentlichen Beleuchtung zu überweisen. Unterlagen belegen, dass Regierungsbeamte ihm nahe legten, stattdessen ein Dutzend Ampeln abzuschalten.

Als sie selbst noch Bürgermeisterin war, soll sie vor zehn Jahren den damaligen langjährigen Anwalt der Stadt gefeuert haben, weil dieser gegen einen ihrer Unterstützer einen Bau-Stopp verhängte.

Gegen die Mitbewerberin um den Einzug ins Weiße Haus läuft bereits eine parlamentarische Untersuchung wegen des Vorwurfs, sie habe im Juli den Sicherheitschef von Alaska abgesetzt, weil dieser es abgelehnt habe, den geschiedenen Mann von Palins Schwester aus dem Polizeidienst zu entlassen.

Der republikanische Kandidat für die US-Präsidentschaft, John McCain, hatte Palin Ende August überraschend als seine potentielle Stellvertreterin präsentiert. Obwohl die erzkonservative Gouverneurin noch keine lange politische Karriere hinter sich hat, löste sie im Lager der Republikaner eine Woge der Begeisterung aus.

ler/AFP

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