Besuch in Kairo Mann bewirft Ahmadinedschad mit Schuh

Es sollte ein möglichst harmonisch wirkender Besuch sein, schließlich ist Mahmud Ahmadinedschad als erster iranischer Präsident seit mehr als 30 Jahren in Ägypten. Doch erst musste er sich die Standpauke eines Imams anhören, dann bewarf ihn ein Mann in einer Menschenmenge mit einem Schuh.

Ahmadinedschad in Kairo: Schuhwerfer attackierte den iranischen Präsidenten
AP

Ahmadinedschad in Kairo: Schuhwerfer attackierte den iranischen Präsidenten


Kairo - Eigentlich ist es schon fast eine Auszeichnung. Ein Schuh wird eigentlich nur den Großen der internationalen Politik nachgeworfen. George W. Bush, damals US-Präsident, musste sich bei einer Pressekonferenz in Bagdad 2008 vor einem Halbschuh Größe 44 ducken. 2009 flog ein Turnschuh an der Universität Cambridge in Richtung des chinesischen Premiers Wen Jiabao. Nun hat es offenbar Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad getroffen.

Ahmadinedschad war am Dienstag zu einem historischen Besuch in Ägypten gelandet, der erste Besuch eines iranischen Präsidenten in dem Land seit Jahrzehnten. Mit Küsschen begrüßte ihn Ägyptens Präsident Mohammed Mursi am Flughafen. Es sollte alles danach aussehen, als sei dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Doch Ahmadinedschads erster Tag in Ägypten sollte nicht so herzlich aufhören, wie er begonnen hatte. Erst musste sich Irans Präsident vom Imam der Al-Azhar-Moschee, einem der führenden Zentren des sunnitischen Islams, eine Standpauke anhören. Der Iman kritisierte mutmaßliche Versuche Teherans, das Schiitentum in sunnitischen Ländern zu verbreiten.

Nach dem offiziellen Teil sollte es eigentlich entspannter werden, vor Mittwoch waren keine Gespräche vorgesehen, erst einmal war Sightseeing in Kairo geplant. Doch bei Ahmadinedschads Touristenausflug ereignete sich ein Zwischenfall.

Der iranische Präsident hatte gerade die Al-Hussein-Moschee besucht, eine der wichtigsten islamischen Stätten Ägyptens. Mit seinen Bodyguards schob sich Ahmadinedschad durch die wartende Menschenmenge zu seinem Auto, als es zur Attacke kam.

Ein Korrespondent der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Agency (AA) hielt die Szene auf Video fest.

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Die Aufnahmen zeigen eine blitzartige Attacke. Aus der Menge taucht ein Mann direkt hinter den Rücken der Bodyguards auf, die vor Ahmadinedschad stehen. Plötzlich schießt sein rechter Arm in die Luft mit einem Schuh in der Hand. Es ist nicht klar zu erkennen, ob er das Wurfgeschoss kurz zuvor noch am Fuß trug. Der Schuhattentäter scheint noch etwas zu rufen, springt und holt zum Schlag aus. Schon fliegt der Schuh von oben in die Mitte des Rings der Bodyguards in Richtung des kleineren Ahmadinedschads. Ob Ahmadinedschad getroffen wurde, ist nicht zu sehen.

Nach Berichten der "New York Times" soll es sich bei dem Attentäter um einen Syrer und bei der Tat um eine politisch motivierte gehandelt haben. Der Mann habe vor seiner Attacke gerufen: "Du bringst unsere Brüder um!" Das iranische Regime ist enger Verbündeter des syrischen Despoten Baschar al-Assad und stärkt diesem den Rücken. In Kairo leben inzwischen viele Syrer, die ihre Heimat verlassen haben, weil das Leben dort immer gefährlicher und schwieriger wird. Der Schuhwerfer wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu sofort verhaftet.

Später hieß es aus Sicherheitskreisen, vier Männer seien vorübergehend festgenommen worden. Es handele sich um drei Ägypter und einen Syrer. Die Ägypter gehörten demnach der militanten Bewegung Gamaa Islamija an. Nach Zahlung einer Kaution seien sie am Morgen wieder freigelassen worden.

Für Kairo könnte der Schuhwurf zu einer schwierigen Angelegenheit werden, schließlich steht Präsident Mursi selbst auf der Seite der syrischen Opposition. Der Schuhwerfer könnte nun zum Helden der Assad-Kritiker werden. Der Werfer von Bagdad wurde in der ganzen arabischen Welt für seinen Wurf gefeiert, sein Schuhmodell wurde zum Verkaufsschlager. Um welches Modell es sich bei der Attacke auf Ahmadinedschad handelte, ist noch unklar, es scheint sich jedoch ein Halbschuh gewesen zu sein.

ras/Reuters



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amana 06.02.2013
1.
Tja das hatte sich der kleine Mann aus Teheran bestimmt anders vorgestellt, selbst der Schah wurde netter behandelt in Ägypten als er dort sein Exil begann. Dass Mursi den Chefimam der Al Azhar nicht unter seiner Kontrolle hat zeigt wohl diese verbale Beleidigung. Ganz ehrlich, es ist schön dass die Azhar sich von der Gängelung seitens des jeweils amtierenden Präsidenten gelöst hat.
Peter-Lublewski 06.02.2013
2. Missbilligung
In diesen Breitengraden ist das Werfen mit einem Schuh ein Zeichen größter Missbilligung. Hoffentlich zieht sich der kleine Mahmud diesen Schuh an.
Blutworscht 06.02.2013
3. Sunniten vs. Schiiten
Zitat von sysopAPEs sollte ein möglichst harmonisch wirkender Besuch sein, schließlich ist Mahmud Ahmadinedschad als erster iranischer Präsident seit mehr als 30 Jahren in Ägypten. Doch erst musste er sich die Standpauke eines Imams anhören, dann bewarf ihn ein Mann in einer Menschenmenge mit einem Schuh. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kritiker-bewirft-ahmadinedschad-in-kairo-mit-schuh-a-881747.html
Da zeigt sich der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten, radikale sunnitische Islamisten hassen die Schiiten mindestens genauso oder wenn nicht gar mehr, als Christen oder Juden. Der Iman Sheikh Ahmed al-Tayeb ist in der Vergangenheit schon wegen antisemitischen Hasspredigen aufgefallen, kein Grund ihn nun zu feiern, nur weil er jetzt auch Ahmadinesdschad eine Standpauke abhielt, das zeigt vielmehr den ganzen Wahnsinn der Islamisten. In Deutschland würden bei so einem Fall dem Täter übrigens nach § 103 Stgb. drei Jahre Haft drohen. Dieser Straftatbestand wurde ironischerweise ausgerechnet wegen des Besuchs des iranischen Diktators in Deutschland ins Strafgesetzbuch aufgenommen.
Mvk 06.02.2013
4. optional
Naja das war halt ein syrischer Exilant, durchaus verständlich das er Ahmadinedschad nicht mag. Natürlich hätte das ganze übler ausgehen können aber das Bad in der Menge ist für manche Politiker halt wichtiger als Sicherheitsbedenken.
grass 06.02.2013
5. Verkaufsschlager?
Man kennt den genauen Schuh nicht, aber man weiss das es ein Verkaufsschlager war. Laufen die dort nicht alle mit Halbschuhen? Naja, die Nähe zum Publikum kann gefährlich sein. Oskar Fischer bekam das auch schon zu spüren... Wenn man bedenkt, dass 30% der Ägypter die Salafisten/Wahabiten gewählt haben, dann kann man von Glück sprechen, dass es kein Selbstmordattentäter war.
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