28. Mitgliedsland: Kroatien feiert seinen EU-Beitritt

Kroaten im Zentrum Zagrebs: "Der Beitritt ist kein Schlusspunkt, sondern Ansporn für weitere Reformschritte" Zur Großansicht
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Kroaten im Zentrum Zagrebs: "Der Beitritt ist kein Schlusspunkt, sondern Ansporn für weitere Reformschritte"

Die EU hat Zuwachs bekommen: Kroatien ist seit Mitternacht das 28. Mitglied der Union. Deutsche Politiker begrüßen die neuen EU-Bürger, erwarten von dem Land aber umfangreiche Reformen. Denn die Wirtschaft ist schwach.

Zagreb - Kroatien gehört seit Mitternacht der Europäischen Union an - das kleine Land an der Adria ist das 28. Mitglied der Gemeinschaft. Europäische Politiker gratulierten, mahnten aber gleichzeitig weitere Reformen an.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sprach von einem historischen Tag. "Es ist gut, wenn eine Familie wächst, vor allem unsere Familie der Werte, die Demokratie, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit verpflichtet ist." Allerdings werde die EU-Mitgliedschaft allein nicht die wirtschaftlichen Probleme Kroatiens und anderer Krisenländer lösen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht noch viel Reformbedarf. "Gerade im Bereich der Rechtssicherheit und der Korruptionsbekämpfung sind noch viele weitere Schritte zu gehen", sagte Merkel in einem Podcast. Sie war nicht zu der Feier nach Zagreb gereist. Trotz ihrer Entschuldigung unter anderem mit Termingründen werteten die kroatischen Medien und die Opposition Merkels Absage als "diplomatische Ohrfeige".

Wie die Kanzlerin erwartet auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) von Kroatien zusätzliche Reformanstrengungen. "Der Beitritt zur Europäischen Union ist kein Schlusspunkt, sondern Ansporn für weitere Reformschritte", sagte er der "Rheinischen Post".

"Ihr seid immer Europäer gewesen"

Mit Tausenden Kroaten feierten am Sonntagabend 170 internationale Vertreter, darunter die Spitzen der EU-Kommission und des Europaparlaments sowie zahlreiche Staats- und Regierungschefs der Nachbarländer den EU-Beitritt des kleinen Adrialandes. Zum Abschluss der Feiern wurde in der Hauptstadt Zagreb ein Feuerwerk abgebrannt.

Kroatien sei nun an seinen "rechtmäßigen Platz" im Herzen Europas zurückgekehrt, so EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bei der Feier. Kroatien sei gut vorbereitet, habe wichtige Reformen unternommen und sei ein Beispiel für andere Staaten in der Region. "Ihr seid immer Europäer gewesen", sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy. Kroatiens Beitritt sei ein "Meilenstein" und wichtiger Vorreiter für die Region.

"Solche Momente gibt es nicht oft für eine Nation", sagte Staatspräsident Ivo Josipovic bei einem Abendessen für die Gäste. Er versprach, die EU-Mitgliedsbestrebungen anderer Staaten auf dem Westbalkan zu unterstützen. Sein Land habe eine neue Verantwortung, die Staaten der Region zu unterstützen, europäische Kriterien zu erfüllen, ergänzte Ministerpräsident Zoran Milanovic. Das wirtschaftlich angeschlagene Kroatien betrete kein sinkendes Schiff, sagte er in Hinblick auf Krisen in der EU. Er sei überzeugt, das "Glas ist halb voll und nicht halb leer".

Angeschlagene Wirtschaft, marode Sozialsysteme

Die Protestbewegung "Occupy Croatia" nannte Kroatiens Beitritt einen "wirtschaftlichen Völkermord". Sie hatte zu einer Gegendemonstration aufgerufen, an der aber nur sehr wenige Menschen teilnahmen, wie die Tageszeitung "24 Sata" berichtete.

Kroatien ist nach Slowenien das zweite EU-Mitgliedsland aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die frühere jugoslawische Republik, die seit 1991 selbstständig ist, bringt große Probleme mit. Die Wirtschaft ist schwer angeschlagen, die Industrie liegt am Boden, die Sozialsysteme stehen unter Druck, und die öffentliche Verwaltung muss modernisiert werden.

Außenministerin Vesna Pusic versicherte den Steuerzahlern der EU, dass der Beitritt des wirtschaftlich angeschlagenen Landes keine Gefahr sei. Kroatien erwarte 2014 ein moderates und 2015 sogar ein starkes Wachstum seiner Wirtschaft. Kroatien sei auf den EU-Beitritt besser vorbereitet als manch andere Mitglieder es waren, sagte auch die stellvertretende Ministerpräsidentin Milanka Opacic.

Die Mitgliedschaft schaffe Möglichkeiten für Kroatien, doch schwerwiegende Probleme wie etwa die hohe Arbeitslosigkeit und das niedrige Lohnniveau müsse das Land selbst lösen: "Das ist unser Problem, die EU wird es nicht für uns lösen", sagte Opacic.

ade/heb/dpa/AFP

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insgesamt 109 Beiträge
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1. Toll!...
politikerkritiker 30.06.2013
... bald noch ein Zuschusskandidat, den wir durchfüttern müssen. Nur weiter so!
2. Der Satz sagt schon alles.....
Revarell 30.06.2013
Zitat von sysopDie EU bekommt Zuwachs: In der Nacht zu Montag feiert Kroatien seinen Beitritt zur Union. Deutsche Politiker begrüßen die neuen EU-Bürger, erwarten von dem Land aber umfangreiche Reformen. Denn die Wirtschaft ist schwach. Kroatien feiert EU-Beitritt - Merkel und Westerwelle erwarten Reformen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kroatien-feiert-eu-beitritt-merkel-und-westerwelle-erwarten-reformen-a-908651.html)
.....Zitat: "Außenministerin Vesna Pusic versicherte den Steuerzahlern der EU (also in erster Linie uns!), dass der Beitritt des wirtschaftlich angeschlagenen Landes keine Gefahr sei."
3. ....
flanke 30.06.2013
Zitat von sysopDie EU bekommt Zuwachs: In der Nacht zu Montag feiert Kroatien seinen Beitritt zur Union. Deutsche Politiker begrüßen die neuen EU-Bürger, erwarten von dem Land aber umfangreiche Reformen. Denn die Wirtschaft ist schwach. Kroatien feiert EU-Beitritt - Merkel und Westerwelle erwarten Reformen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kroatien-feiert-eu-beitritt-merkel-und-westerwelle-erwarten-reformen-a-908651.html)
Keine Schweiz stellt einen Antrag, Norwegen nicht. Nur die Armenhäuser wollen unbedingt in die EU. Warum wohl?
4. Herzlich willkommen
Pat-Riot 30.06.2013
Zitat von politikerkritiker... bald noch ein Zuschusskandidat, den wir durchfüttern müssen. Nur weiter so!
im Club der Loser.
5. ...
maa_2001 30.06.2013
Da ist aber wirklich ein Grund zum Feiern! Vor allem für die Kroaten! Hoch die Tassen! Und um bei Schulzens Formulierung "Es ist gut, wenn eine Familie wächst..." zu bleiben: Der nächste Hungerleider sitzt am Tisch. Man fragt sich doch allen Ernstes, wie lange unsere Bananenrepublik noch den Zahlmeister für diese EU-Bankrottveranstaltung geben kann.
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