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Spaniens Thronfolger Felipe: Abschied von der Prinzenrolle

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Spaniens künftiger König Felipe: Ein Leben als Thronfolger Fotos
REUTERS

46 Jahre lang wurde Kronprinz Felipe auf die Thronfolge gedrillt - er ist der Saubermann. Nur ihm traut das Volk zu, die Einheit des Landes zu retten. Doch dafür muss der neue König lernen, Position zu beziehen.

Madrid - Prinz Felipe ist mal wieder zur rechten Zeit am rechten Ort. Der Montag in Madrid hat gerade begonnen, als Spaniens Thronfolger in den Zarzuela-Palast zurückkehrt - wenige Stunden bevor sein Vater Juan Carlos die Abdankungserklärung an Premierminister Mariano Rajoy übergibt. Felipe ist auf Staatsbesuch in Lateinamerika gewesen - wie so oft in den vergangenen Jahren, wenn er wieder mal Spanien repräsentiert hat, anstelle des kränkelnden Königs. Bald wird der 46-Jährige über das Land regieren.

Dieser Thronwechsel ist überfällig. Seit Jahren haben ihn sich die Untertanen ersehnt. 62 Prozent der Spanier haben im Januar in einer Umfrage der Zeitung "El Mundo" für Juan Carlos' Abdankung plädiert - und für den Neubeginn unter Felipe. Nur ihm trauen sie zu, den beschädigten Ruf des Herrscherhauses wiederherzustellen. Spanien vor dem Zerfall zu bewahren, wo doch die Katalanen nach Unabhängigkeit streben.

"Das Königshaus hat jetzt so etwas wie die Reset-Taste gedrückt", sagt Kai-Olaf Lang, Spanien-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik. Denn anders als manche Familienmitglieder ist Felipe VI., wie er als Regent heißen wird, ohne Fehl und Tadel. Nicht einen einzigen verbalen Ausrutscher hat er sich bislang geleistet. Obwohl der 1,97-Meter-Mann manchmal ein wenig langweilig rüberkommt, ist keiner der Bourbonen so beliebt wie er.

Felipe ist der Gegenpol zu seinem Vater, der als Lebemann gilt, offen, herzlich, impulsiv. Felipe dagegen wird als kopfgesteuert beschrieben, gewissenhaft, zurückhaltend.

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Juan Carlos: Ein König tritt ab
"Wir sind eine Spezies des öffentlichen Dienstes"

Sein ganzes Leben lang wurde er auf dieses Amt vorbereitet: Felipe Juan Pablo Alfonso de la Trinidad de Todos los Santos de Borbón y Grecia, Prinz von Asturien, Girona und Viana, Herzog von Montblanc, Graf von Cervera und Herr von Balaguer, wie er mit vollem Titel heißt. Schon als Siebenjähriger ist er dabei, als sein Vater nach dem Tod des Diktators Franco den Thron übernimmt. Danach besucht Felipe Privatschulen, ein Internat, Militärakademien für den Einsatz zu Wasser, zu Lande in der Luft.

"Dies ist ein Beruf, der nur ein Ziel hat: den Spaniern zu dienen", hat er einem Journalisten der Zeitung "El Pais" anvertraut. "Wir sind eine Spezies des öffentlichen Dienstes, die jede Stunde und jeden Tag im Dienst des Landes sein muss." Seinem Vater widersetzt er sich öffentlich nur einmal: vor gut zehn Jahren, als Juan Carlos seine Hochzeit mit der bürgerlichen, geschiedenen TV-Journalistin Letizia Ortiz verhindern wollte. Als Felipe und Letizia sich im Mai 2004 trauen lassen, jubelt das Volk.

Mit dem Königshaus geht es dagegen bergab. So gerät Iñaki Urdangarin unter Korruptionsverdacht: der Ehemann von Felipes Schwester, Infantin Cristina. Ihm wird vorgeworfen, als Leiter der gemeinnützigen Nóos-Stiftung Millionenbeträge veruntreut zu haben. Im Februar 2014 wird Cristina sogar vor Gericht geladen. Um nicht in den Sog der Affären zu geraten, meidet Felipe öffentliche Auftritte mit seiner Schwester und deren Mann.

Auch Juan Carlos macht Negativ-Schlagzeilen: wegen einer angeblichen Affäre mit der deutschen Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein. Und wegen seiner Elefanten-Jagd in Botswana, bei der er sich die Hüfte gebrochen hat.

Felipe muss in seinem neuen Amt Position beziehen

Felipe muss das Herrscherhaus aus der tiefsten Krise seit Wiedereinführung der Monarchie im Jahr 1975 führen. Seine persönlichen Sympathiewerte haben nicht gelitten unter den Skandalen. Er selbst macht ja auch keine. Sondern demonstriert mit seiner Frau und den beiden kleinen Töchtern heiles Familienleben vor den Kameras.

Und so oft wie kein anderes Mitglied der königlichen Familie sucht Felipe Katalonien auf: die reiche, autonome Region rund um Barcelona, deren politische Führer auf mehr Autonomie oder gar die Unabhängigkeit von Spanien hinarbeiten. Er ist vor Ort weitaus beliebter als Juan Carlos.

Felipe "könnte helfen, die Probleme zu lösen" und das "Misstrauen" vieler Katalanen gegenüber dem Zentralstaat und der Monarchie verringern, sagt Josep Antoni Duran Lleida, der Generalsekretär der katalanischen Regierungspartei CiU. "Anders als sein Vater steht Felipe nicht für die Kompromisslosigkeit Madrids", sagt Spanien-Experte Lang. Zwar könnte der König das politische Tagesgeschäft nicht steuern, wohl aber "einen Beitrag zur Revitalisierung der Gespräche leisten".

Dazu allerdings muss Felipe in seinem neuen Amt Position beziehen: die klaren Worte aussprechen, die er bislang gescheut hat. Lächeln und Händeschütteln allein reicht nicht mehr. Spaniens Hoffnungen ruhen nun auf ihm. Und jede Menge Verantwortung.

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1.
Wolffpack 02.06.2014
Ich hatte schon Angst gekriegt bei der Überschrift...
2.
shiwo 02.06.2014
Wie nennen Sie in D Ihren Praesidenten ? Gruess August. Bueno, jetzt haben die Spa nier einen 46-jaehrigen Gruess August. Bedeutung hat er keine.
3. Monarchie war noch nie Mon Cherie
JKStiller 02.06.2014
Die konstitutionelle Monarchie ist in der Moderne nach der Postmoderne, die bald auch wieder mit einem Post versehen sein wird, absolut überflüssig. Die Punkband "The Clash" hat in dem Song "Spanish Bombs" die Problematik wundervoll getextet. Auszug: Spanish songs in andalucía, the shooting sites in the days of '39. Oh, please, leave the ventana open, Federico lorca is dead and gone. - Spanien hat Franko nie wirklich aufgearbeitet und ganz sicher bis heute nicht verarbeitet. Felipe sollte sich krönen lassen und dann die Monarchie für beendet erklären.
4. Thronbesteigung, Ehe, Kinderkriegen und Elefantenjagd sind königliche Highlights
neanderspezi 02.06.2014
Macht neuerdings in Spanien der König Politik oder das Parlament? Es handelt sich in Spanien dem Namen nach um eine parlamentarische Monarchie, aber was bedeutet das schon für die Bürger des Landes? In der Verfassung wird der Krone Repräsentation als funktionale Aufgabe zugeteilt und zusätzlich darf der König Gesetze bestätigen und bei der Ernennung und Entlassung von Regierungschefs repräsentativ mitwirken. Also insgesamt nichts Weltbewegendes und die Bürger Europas und darüber hinaus müssen dieserhalb nicht in Ehrfurcht erstarren. Eigentlich finden nur noch in Märchen, Historienschinken, auf Briefmarken, in Bunten Blättern dank feudaler Reminiszensen und den Hoheiten bei allen Gelegenheiten auflauernden Paparazzi, Prinzen vor und nach einer Thronbesteigung mitsamt ihrer Entourage in der Bevölkerung allerhöchste Bewunderung.
5.
kdshp 02.06.2014
Zitat von sysopREUTERS46 Jahre lang wurde Kronprinz Felipe auf die Thronfolge gedrillt - er ist der Saubermann. Nur ihm traut das Volk zu, die Einheit des Landes zu retten. Doch dafür muss der neue König lernen, Position zu beziehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kronprinz-felipe-spanien-hofft-auf-den-neuen-koenig-a-972973.html
Das wird man ihm schon sagen also welche positionen er beziehen soll.
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Bevölkerung: 46,440 Mio.

Fläche: 505.968 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

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