Kuba Behinderter Dissident aus Haft entlassen

Die katholische Kirche hat sich erfolgreich für politische Inhaftierte auf Kuba eingesetzt. Das kommunistische Regime entließ einen querschnittsgelähmten Dissidenten aus dem Gefängnis. Weitere Häftlinge sollen verlegt werden.

Dissident Ariel Sigler Amaya nach der Freilassung: Empfang durch Bruder und Frau
dpa

Dissident Ariel Sigler Amaya nach der Freilassung: Empfang durch Bruder und Frau


Havanna - Erstmals seit Beginn der Vermittlungsbemühungen der katholischen Kirche haben die kommunistischen Machthaber in Kuba einen schwer kranken Regierungskritiker aus dem Gefängnis entlassen. Der seit seiner Inhaftierung im Jahr 2003 querschnittsgelähmte Ariel Sigler wurde am Samstag von Havanna in einem Krankenwagen in seinen Heimatort Matanzas gebracht, wie seine Familie bekanntgab. Der 46-Jährige sei von dem Wiedersehen "sehr ergriffen" gewesen.

Sigler war zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er ist der zweite politische Häftling auf Kuba, der seit der Übernahme der Präsidentschaft durch Raul Castro im Februar 2008 auf freien Fuß kam.

Die katholische Kirche hatte sich in den Konflikt um die politischen Gefangenen auf Kuba eingeschaltet, nachdem der Regierungskritiker und Journalist Guillermo Fariñas in einen Hungerstreik getreten war, um auf die Lage der Dissidenten in Kuba aufmerksam zu machen. Fariñas hatte sich zum Hungerstreik entschlossen, als am 24. Februar der politische Häftling Orlando Zapata nach 85 Tagen Hungerstreik im Alter von 42 Jahren gestorben war.

In Kuba sitzen derzeit rund 200 politische Häftlinge im Gefängnis. Die kubanische Regierung bestreitet die Existenz von politischen Häftlingen und sieht die festgehaltenen Dissidenten als Agenten oder Söldner im Dienst der USA an.

Sechs weitere politische Gefangene sollen in Gefängnisse näher am Wohnort ihrer Familien verlegt werden, teilte das Büro des Kardinals von Havanna, Jaime Ortega, am Freitag mit.

Der Leiter der Kubanischen Kommission für Menschenrechte und Nationale Versöhnung, Elizardo Sanchez, hatte am Samstag bereits die von der Kirche verkündete bevorstehende Freilassung Siglers als "sehr gute Nachricht" begrüßt. Die Verlegung der sechs Gefangenen Hector Fernando Maceda, Juan Adolfo Fernandez, Omar Moises Ruiz, Efren Fernandez, Jesus Mustafa Felipe and Juan Carlos Herrera in die Nähe des Familienwohnsitzes sei eine Erleichterung für die Familien.

Die kubanische Regierung äußerte sich dazu nicht. Sie hat es in der Vergangenheit der Kirche überlassen, derartige Zugeständnisse zu verkünden. In wenigen Tagen wird der Außenminister des Vatikans, Erzbischof Dominique Mamberti, in Kuba erwartet.



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