Kuba Fidel Castro gibt seine Ämter auf

Ende einer jahrzehntelangen Ära: Kubas schwerkranker Revolutionsführer Fidel Castro hat seinen Rücktritt vom Präsidentenamt und der Armeeführung angekündigt.


Havanna - Der langjährige kubanische Staatschef Fidel Castro hat seinen endgültigen Rücktritt bekannt gegeben. Das berichtete die Online-Ausgabe der kommunistischen Parteizeitung "Granma". Der 81-jährige Castro hatte im Juli 2006 wegen einer schweren Darmoperation die Regierungsgeschäfte bereits seinem jüngeren Bruder Raúl Castro übertragen - seit damals hat er sich nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt.

Endgültiger Rückzug: Fidel Castro
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Endgültiger Rückzug: Fidel Castro

Nun heißt es, er werde aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für das Amt des Staatsratspräsidenten und des Oberkommandierenden kandidieren. "Weder strebe ich noch nehme ich die Bürde des Präsidenten des Staatsrates und des Oberkommandierenden an", zitierte die Zeitung Castro.

Castro schrieb in der "Granma" weiter, er habe die "Ehre" gehabt, viele Jahre lang das Land zu führen. Nach seiner Erkrankung sei es seine Aufgabe gewesen, das Volk "psychologisch und politisch" auf seine Abwesenheit vorzubereiten. Nun zähle das Land sowohl auf Politiker der alten Garde als auch jüngere. "Der Weg wird schwierig sein und es ist eine kluge Anstrengung von allen nötig."

Castro hatte sich noch regelmäßig in Artikeln und mit Videos zu Wort gemeldet. Das will er auch weiter tun. "Ich sage euch nicht Lebewohl. Ich möchte als Soldat der Ideen weiterkämpfen." Mit dem Wort "Danke" schloss der "Máximo Lider" seine Botschaft.

Der Revolutionsführer verkündete seine Entscheidung kurz vor der konstituierenden Sitzung der neuen Nationalversammlung am 24. Februar - was in Kuba auch so erwartet worden war, denn Castro hatte bereits im Dezember angedeutet, dass er sich bald zurückziehen werde.

Die Nationalversammlung wählt aus ihrer Mitte heraus den aus 31 Mitgliedern bestehenden Staatsrat. Dieser bestimmt wiederum den Staats- und Regierungschef. Beobachter rechnen damit, dass der 76-jährige Raúl Castro das Ruder künftig ganz übernimmt.

In einem erbitterten Guerilla-Krieg hatte Castro gemeinsam mit seinen Mitstreitern 1959 Diktator Fulgencio Batista gestürzt. Nach der Revolution übte er das Amt des Regierungschefs der Karibikinsel aus und ab 1976 auch das Amt des Staatschefs.  Castro herrschte mit eiserner Faust, um seine Macht zu sichern. Dissidenten wurden drangsaliert, aus dem Land getrieben oder eingesperrt.

ler/AFP



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