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Kommunismus light: Kuba gewährt seinen Bürgern Reisefreiheit

Die kommunistische Diktatur in Kuba bröckelt: Ab kommendem Januar dürfen die Menschen deutlich einfacher als bisher aus ihrem Land ausreisen. Sie brauchen dafür keine Erlaubnis mehr, sondern nur noch einen Pass und ein Visum des Ziellandes.

Kubaner verkaufen Obst und Gemüse: Keine Genehmigung mehr zur Ausreise nötig Zur Großansicht
REUTERS

Kubaner verkaufen Obst und Gemüse: Keine Genehmigung mehr zur Ausreise nötig

Havanna - Die kubanische Regierung gewährt ihren Bürgern Reisefreiheit. Sie benötigen künftig keine Ausreisegenehmigung mehr, kündigte die Regierung an diesem Dienstag an. In einem Artikel der kommunistischen Parteizeitung "Granma" hieß es zudem, dass die Kubaner auch keine Einladung aus dem Ausland mehr benötigen werden. Nötig ist damit nur noch ein Reisepass und ein Einreisevisum des Ziellandes.

Auch die Dauer möglicher Reisen wird deutlich heraufgesetzt - von elf Monaten auf 24 Monate. Bei längeren Aufenthalten müssten sie die Dauer bei einem kubanischen Konsulat verlängern lassen. Die neue Regelung tritt in 90 Tagen in Kraft, also am 14. Januar, teilte das Außenministerium mit. In der Zeitung "Granma" hieß es weiter, die kubanische Regierung wolle ihre Migrationspolitik erneuern, um diese den Bedingungen der Gegenwart und nahen Zukunft anzupassen.

Die Lockerungen würden in einigen Bereichen allerdings beschränkt bleiben, meldete die Nachrichtenagentur AP. Um welche es sich dabei handeln wird, wurde nicht genannt. "Es werden Maßnahmen beibehalten, um das geistige Kapital, das von der Revolution geschaffen wurde, gegen den Raub der Talente durch die Mächtigen zu schützen", hieß es ohne nähere Angaben. Besonders streng sind die Regeln bisher etwa für Ärzte und andere hoch qualifizierte Personengruppen. Deren dauerhafte Ausreise soll verhindert werden.

Die Reform der Reisepolitik war von den Kubanern sehnlich erwartet worden. Bisher benötigte jeder Bürger der sozialistischen Karibikinsel eine Erlaubnis der Regierung, um sein Land zu verlassen. Diese Genehmigungen wurden jedoch willkürlich vergeben und Regimekritikern oft verweigert. Kubaner brauchen aber für die meisten Länder der Welt auch ein Einreisevisum, das sie oft nur mit Mühe bekommen.

Seit Raúl Castro im Juli 2006 die Macht von seinem älteren Bruder Fidel Castro übernommen hat, weicht das kommunistische Regime von der reinen sozialistischen Lehre ab. So lässt es Kapitalismus im Land zu: Neben den ineffizienten und von Mangelwirtschaft geplagten Staatsbetrieben sind inzwischen Handwerks- und Gastronomiebetriebe entstanden. Bauern haben Land in Erbpacht bekommen und dürfen direkt ihre Ernte vermarkten. Auch Autos und Häuser können frei gehandelt werden. Ausländische Geldgeber dürfen in die marode Infrastruktur, Pharmaindustrie, Bergbau und Tourismus investieren.

Die Opposition klagt aber nach wie vor über Repressionen. Das Regime hat seine Taktik unter Raúl Castro geändert: Es gibt kaum noch Prozesse gegen Dissidenten, allerdings haben Schikanen durch Geheimdienstmitarbeiter und Schläger zugenommen.

heb/dpa/AP/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 292 Beiträge
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1. Endlich!
abc-xyz 16.10.2012
Zitat von sysopAPDie Kubaner können künftig deutlich einfacher als bisher aus ihrem eigenen Land ausreisen. Vom 14. Januar 2013 an benötigen sie dafür keine Erlaubnis mehr, sondern nur noch einen Pass und ein Einreisevisum des Ziellandes. Kuba gewährt seinen Bürgern Reisefreiheit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kuba-gewaehrt-seinen-buergern-reisefreiheit-a-861507.html)
Ein guter Schritt in die richtige Richtung!
2. Scarface
Peter.Lublewski 16.10.2012
Wieso muss ich gerade an "Scarface" mit Al Pacino denken :-)
3. sdozialismus light?
ziegenzuechter 16.10.2012
Zitat von sysopAPDie Kubaner können künftig deutlich einfacher als bisher aus ihrem eigenen Land ausreisen. Vom 14. Januar 2013 an benötigen sie dafür keine Erlaubnis mehr, sondern nur noch einen Pass und ein Einreisevisum des Ziellandes. Kuba gewährt seinen Bürgern Reisefreiheit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kuba-gewaehrt-seinen-buergern-reisefreiheit-a-861507.html)
wieso sozialismus light? wie kommen die autoren des artikel denn auf die idee, das es bestandteil des sozialismus ist, menschen nicht reisen zu lassen? nur weil irgendwelche neuen buerokratische klassen in osteuropa, die alles andere waren als sozialisten, so vorgegangen sind, ist es noch lange kein teil des sozialismus.
4. Ja, aber...
Atomkrafteimer 16.10.2012
Zitat von abc-xyzEin guter Schritt in die richtige Richtung!
Für die Menschen auf Kuba ja, für den kubanischen Staat wohl weniger. Daher sollte man abwarten. Das letzte sozialistische Land, das seine Reiseregelungen für die Bürger lockerte, existierte 11 Monate später nicht mehr.
5. lasst mein Volk ziehen !
Sabi 16.10.2012
Also doch. Durch eine große Welle der Auswanderung wird einerseits das Problem Nahrungsbeschaffung für eine kleinere Bevölkerung leichter, dafür werden aber Fachleute und Experten auch wegziehen, wie einst in der DDR vor dem Bau der Mauer in den 50er Jahre !
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Fläche: 109.884 km²

Bevölkerung: 11,238 Mio.

Hauptstadt: Havanna

Staats- und Regierungschef: Raúl Castro

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