Diplomatische Annäherung Kuba liefert erstmals wieder Verdächtigen an die USA aus

Shawn W. wird in den USA wegen Verstoßes gegen Waffengesetze gesucht. Seine Flucht nach Kuba endete nun: Zum ersten Mal seit Beginn der diplomatischen Annäherung beider Länder hat die kubanische Regierung einen Verdächtigen ausgeliefert.


Kuba hat einen von den Vereinigten Staaten gesuchten Verdächtigen ausgeliefert. Shawn W. erschien am Mittwoch vor einem Bundesgericht in Miami, um anschließend den Behörden in Iowa übergeben zu werden. In dem Bundesstaat wird er wegen Verstoßes gegen Waffengesetze gesucht.

W. war Ende Oktober mit einem Boot vor der US-Justiz nach Kuba geflohen. Dort wurde er festgenommen. Am Dienstag nun brachten US-Marshalls W. in die USA zurück, wie sie in einer Erklärung mitteilten: "W. ist der erste Flüchtige, der von Kubas Regierung an die USA ausgeliefert wird, seitdem die diplomatischen Beziehungen vor knapp einem Jahr wieder aufgenommen wurden."

US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Amtskollege Raúl Castro hatten die historische Annäherung im Dezember vergangenen Jahres eingeleitet. Seitdem traten Reise- und Handelserleichterungen für Kuba in Kraft, zudem strichen die USA den kommunistisch regierten Karibikstaat von ihrer Liste der Terrorstaaten. Im Juli nahmen beide Länder ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf.

Start der Verhandlungen über Entschädigungen

Am vergangenen Dienstag begannen ranghohe Vertreter aus Kuba und den USA zudem Verhandlungen über beiderseitige Entschädigungszahlungen aus der Zeit des Kalten Krieges. Amerika strebt Zahlungen von bis zu acht Milliarden Dollar an, auf kubanischer Seite werden Entschädigungen von mehr als 300 Milliarden Dollar verlangt - unter anderem mit Verweis auf Verluste durch das nach der Revolution von den USA verhängte Embargo.

Die Delegationen hätten zunächst Informationen zu den Entschädigungsfragen ausgetauscht, "die zwischen beiden Ländern geregelt werden sollten", teilte das kubanische Außenministerium nach dem Treffen mit. Zuvor hatte ein Sprecher des US-Außenministeriums von einem "ersten Schritt" in einem Prozess gesprochen, der "lang und komplex" werden dürfte.

aar/AFP

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