Havanna - Er wirkt mehr wie ein Manager denn wie ein Revolutionär: Miguel Díaz-Canel, graumelierte Haare, Ex-Minister, ist Sonntag vom kubanischen Volkskongress zum ersten Stellvertreter von Raúl Castro gekürt worden. Er ist damit die neue Nummer zwei im Staat - und würde das Amt übernehmen, sollte Castro sterben.
Mit 52 Jahren ist Díaz-Canel noch vergleichsweise jung - an Kubas Staatsspitze fand man bislang vor allem die Generation 70 plus. Fidel Castro trat mit 81 endgültig von allen Ämtern zurück, sein Bruder Raúl ist bereits 81 und will noch weitere fünf Jahre regieren. Immerhin: "Dies wird meine letzte Amtszeit", sagte Raúl am Sonntag.
Seine verbleibenden Jahre an der Macht wird er wohl für weitere zaghafte Reformen nutzen. So gilt seit Mitte Januar ein neues Reisegesetz. Die Bürger des sozialistischen Inselstaates dürfen ohne besondere vorherige Erlaubnis ins Ausland reisen.
Als Fidel und Raúl Castro 1959 die Macht in Kuba übernahmen, war Miguel Diaz-Canel noch nicht einmal auf der Welt. Auch daher ist sein Aufstieg bemerkenswert: Erstmals bekleidet jemand einen derart hohen Posten, der nach der Revolution geboren wurde.
Díaz-Canel stammt aus der Stadt Santa Clara im Zentrum Kubas, ist von Beruf Elektroingenieur und arbeitete später als Professor an der Universität von Las Villas. Über 30 Jahre hat er hinter den Kulissen gewirkt, seinen Ruf als loyaler Anhänger der Kommunistischen Partei gefestigt. In der KP-Hierarchie stieg er immer weiter auf, wurde Chef der Partei in der Provinz Villa Clara und später Mitglied des wichtigen kubanischen Politbüros. 2009 wurde er Minister für Hochschulbildung, im März 2012 einer der acht Vizepräsidenten des Ministerrats.
"Er ist kein Emporkömmling", sagt Raúl über Díaz-Canel und preist ihn als einen Mann von "festen Prinzipien". Bekannte und Journalisten beschreiben ihn - etwa im "Miami Herald" - als "offenen und intelligenten Typen", als einen "guten Manager". In der Öffentlichkeit präsentiert sich Díaz-Canel als ernst, im Privaten sei er entspannt und witzig, versichern Bekannte der Nachrichtenagentur AP. Seine Gegner dagegen sagen: "Er hat kein Charisma."
Sicher ist Díaz-Canels endgültiger Aufstieg an die Staatsspitze aber lange nicht. Immer mal wieder wurden junge aufstrebende Politiker zu Kronprinzen der Gebrüder Castro erklärt - und sie verschwanden, als sie zu populär wurden.
kgp/AP
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