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Kulturkampf in Israel: Ultraorthodoxe bewerfen Frau mit Steinen

Sie umzingelten ihr Opfer, dann schleuderten sie Steine: In der israelischen Stadt Beit Schemesch haben ultraorthodoxe Juden eine Frau massiv angegriffen - sie hatte Plakate der staatlichen Lotterie aufgehängt. Der Fall reiht sich ein in eine ganze Serie von Gewalttaten durch religiöse Radikale.

Jerusalem - Eine Gruppe ultraorthodoxer Juden hat Polizeiangaben zufolge in der Nähe von Jerusalem eine Frau angegriffen und leicht verletzt. Rund ein Dutzend Männer hätten die Frau am Dienstag in der Stadt Beit Schemesch umzingelt, sie mit Steinen beworfen und die Reifen ihres Autos aufgeschlitzt, sagte ein Polizeisprecher.

Das Opfer sei durch die Attacke leicht verletzt worden. Warum sie angegriffen wurde, blieb zunächst unklar. Die Frau habe zum Zeitpunkt der Attacke Poster für die israelische Nationallotterie aufgehängt, sagte der Sprecher.

In Beit Schemesch gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Spannungen zwischen gemäßigten jüdischen Bewohnern, die einen modernen Lebensstil pflegen, und ultraorthodoxen Extremisten. Diese versuchen in der Öffentlichkeit die Geschlechtertrennung durchzusetzen - zum Teil mit rabiaten Methoden.

Verfolgung einer Achtjährigen

Die Stadt, 25 Autominuten von Jerusalem entfernt, war im Dezember zum Symbol für den Streit geworden: Ein achtjähriges Mädchen war auf seinem Schulweg von Radikalen verfolgt worden, weil sie nach deren Sicht nicht angemessen gekleidet war. Daraufhin demonstrierten Tausende Israelis.

Auch in einigen Vierteln Jerusalems waren in den vergangenen Monaten Frauen beschimpft, bespuckt und mit Steinen beworfen worden, wenn sie sich frei auf der Straße bewegten und keine langen Röcke oder Kopfbedeckungen trugen.

Inzwischen schaltete sich auch die israelische Regierung in den Konflikt ein - und kündigte unter anderem ein Gesetz an, das den Missbrauch von Symbolen aus dem "Dritten Reich" zur Provokation verbieten soll. Der Protest der Ultraorthodoxen richtet sich auch gegen die Politik der Regierung von Benjamin Netanjahu, die sie als judenfeindlich ansehen.

usp/AFP/dapd

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