Kundgebung in Belgrad Mladic-Fans liefern sich Straßenkämpfe mit Polizei

Krawalle in Belgrad: Einen Tag vor der möglichen Überstellung Radko Mladics an das Haager Tribunal haben Tausende für den serbischen Ex-General demonstriert - die Polizei hatte mit deutlich mehr Teilnehmern gerechnet. Dennoch endete die Kundgebung in Gewalt und Chaos.

Pro-Mladic-Demonstranten in Belgrad: Mehr als hundert Festnahmen
AP

Pro-Mladic-Demonstranten in Belgrad: Mehr als hundert Festnahmen


Belgrad - Steine flogen, Fenster gingen zu Bruch, Ampeln wurden zerstört: Bei einer Demonstration für den mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist es am Sonntagabend in Belgrad zu schweren Ausschreitungen gekommen. Rechtsextremisten lieferten sich im Zentrum der serbischen Hauptstadt Straßenschlachten mit der Polizei.

Die Kundgebung richtete sich gegen die drohende Auslieferung des Ex-Generals an das Den Haager Uno-Kriegsverbrechertribunal. "Kooperation mit dem Haager Tribunal stellt Hochverrat dar", rief Lidija Vukicevic von einer der radikalen Parteien der Menge zu. "Das ist ein Protest gegen die beschämende Festnahme eines serbischen Helden", hieß es weiter. Die Demonstranten forderten außerdem den Rücktritt von Präsident Boris Tadic, der Mladics Festnahme angeordnet hatte.

Angesichts von Gewalt und Chaos brach die extrem nationalistische oppositionelle Radikale Partei (SRS) die Demonstration ab. Fünf Demonstranten und zwei Polizisten wurden nach Angaben einer Sprecherin der Rettungsdienste von Belgrad bei den Zusammenstößen leicht verletzt.

Die Polizei war bei der Demonstration im Zentrum der Stadt mit einem Großaufgebot im Einsatz. Nach der Kundgebung kam es zu Krawallen. Mehr als hundert Menschen wurden nach Polizeiangaben festgenommen. Einige Dutzend, überwiegend sehr junge Demonstranten bewarfen die mit Schutzschilden und Schlagstöcken ausgerüsteten Polizisten mit Steinen. Sie warfen Rauchbomben und sangen nationalistische Lieder. Die Sicherheitskräfte konnten die Krawalle jedoch nach eigenen Angaben schnell beenden. Die Polizei habe die Lage vollständig unter Kontrolle, sagte der Polizeichef von Belgrad, Milorad Veljovic, der Nachrichtenagentur Beta.

In der Stadt Kalinovik im Osten Bosniens versammelten sich rund 3000 Unterstützer Mladics, um gegen dessen Festnahme zu protestieren. Anschließend machten sich zahlreiche Demonstranten auf den Weg in das Dorf Bozanici, um dort zu jener Hütte zu pilgern, in der Mladic einst geboren wurde. Eine Tante sowie Cousins des unter anderem wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagten Mladic erzählten den Anhängern Geschichten über dessen Kindheit.

Mladic war nach Jahren auf der Flucht am Vortag in Serbien gefasst worden. Der als "Schlächter vom Balkan" bekannte Ex-General wurde vom Haager Uno-Kriegsverbrechertribunal unter anderem wegen des Massakers in der bosnischen Stadt Srebrenica 1995 angeklagt.

fdi/dpa/dapd

insgesamt 79 Beiträge
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ANDIEFUZZICH 30.05.2011
1. Themenauswahl
Zitat von sysopKrawalle in Belgrad:*Einen Tag vor der möglichen Überstellung Radko Mladics an das Haager Tribunal haben Tausende für den serbischen Ex-General demonstriert - die Polizei*hatte mit deutlich mehr Teilnehmern gerechnet. Dennoch endete*die Kundgebung in Gewalt und Chaos. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,765574,00.html
Ja nu, und in Barcelona war die Nacht auch nicht sehr friedlich...
geotie 30.05.2011
2. Yohh
Mord und Totschlag, und das Stück Schei*e wird als Held gefeiert? Was mag in den Köpfen dieser Menschen vorgehen, wenn da was vorgeht?
ombattw 30.05.2011
3. Ratko Kriegsverbrecher
Nach Den Haag muss er und hoffentlich zügig in die Zelle mit seinem Kumpane RK bis ans Ende seiner Tage. Es ist eh eine Schande dass es so lang gedauert hat. Wenn man die Reaktion der Otto N Serben auf die Festnahme auf der Starsse sieht dann sollte man Ihnen gleich zu verstehen geben dass in der EU für sowas kein Platz ist. Kooperation ist dass höchste der Gefühle und selbst dass Bedarf erheblicher Überwindung. Was Tadic schwätzt ist nebensächlich.
fatherted98 30.05.2011
4. Die Volksseele...
...kocht und gibt die wahre Meinung der Gesamtbevölkerung in Serbien zum Ausdruck. Trotz mannigfaltiger Aussagen der Regierung ist die Mehrheit des Volkes von diesem Schlächter begeistert und findet auch die begangenen Verbrechen nicht weiter schlimm. Wenn man mit Serben spricht (wenn kein offizieller zuhört) ist die Veehrung von Mladic und Konsorten fast immer vorhanden. Ähnlich ist es auch bei Muslimen in Deutschland wenn man sie auf 9/11 anspricht...offizielle Entsetzen...in Wirklichkeit leise Zustimmung. Die Medien wollen das nicht sehen...weil nicht sein kann was nicht sein darf.
werauchimmer 30.05.2011
5. Mörderfreunde
Wie kann man sich nur mit einem solchen Schlächter solidarisieren? Wie kann man sympathisieren mit einem solchen Mörder? Der Verdacht liegt nahe, dass unter diesen Demonstranten viele sind, die selbst oder deren Väter mitgewirkt haben bei diesen Verbrechen. Man erinnere sich: Scharfschützeneinsätze gegen die Zivilbevölkerung in Sarajewo und dergleichen. Serbische "Polizisten" wie ein Arkan und seine Helfershelfer... Und nun wagen sich Leute in die Öffentlichkeit und finden das richtig. Wie ein anderer Forist bereits bemerkte: Dieses Serbien gehört nicht in die EU, sondern nach Russland.
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