Kunduz-Affäre Erstes Bombenopfer verklagt Bundeswehr auf Schadensersatz

Der fatale Luftangriff auf zwei Tanklaster nahe dem afghanischen Kunduz liegt ein Jahr zurück, jetzt klagt das erste Opfer auf Schadensersatz gegen die Bundeswehr. Ein LKW-Fahrer fordert finanziellen Ausgleich - und eine medizinische Behandlung in Deutschland.

Von

Bombenopfer Abdul Malek: Der Afghane fuhr einen der angegriffenen Tanklaster
SPIEGEL ONLINE/ Shoib Najafizada

Bombenopfer Abdul Malek: Der Afghane fuhr einen der angegriffenen Tanklaster


Hamburg - Ein Jahr nach dem vom deutschen Oberst Georg Klein befohlenen Bombenangriff auf zwei von den Taliban entführte Tanklaster bei Kunduz in Nordafghanistan hat das erste Opfer eine Klage auf Schadensersatz gegen die Bundeswehr eingereicht.

In der Klage (Geschäftszeichen 1 O 334/10), die am Freitag beim Landgericht Bonn einging, fordern die beiden Berliner Rechtsanwälte Andreas Schulz und Markus Goldbach für den afghanischen Lastwagenfahrer Abdul Malek eine finanzielle Entschädigung, da dieser noch immer unter den Folgen des Angriffs leide.

Malek hatte die Bombardierung knapp überlebt, wurde dabei verletzt und klagt bis heute über psychische Schäden, Schlaflosigkeit und einen starken Tinnitus. Bisher erhielt der LKW-Fahrer keine deutsche Hilfe. Bei der Auszahlung von insgesamt 430.000 Dollar für die Familien der Opfer des Bombardements durch die Bundeswehr wurde er nicht berücksichtigt. In der Klage wird der Streitwert "vorläufig" mit 50.000 Euro benannt.

Neben einer Wiedergutmachung für Malek fordern die Anwälte auch eine medizinische Behandlung ihres Klienten in Deutschland. Bei dem Bombardement der beiden Tanklaster am frühen Morgen des 4. Septembers waren viele Zivilisten getötet worden, die Bundeswehr hat mittlerweile an 86 Familien ohne Anerkennung einer Rechtspflicht jeweils 5000 Dollar gezahlt.

Selbstmordattentat in Kunduz

Ein Selbstmordattentäter hat in Kunduz am Samstag sechs Menschen mit in den Tod gerissen und fünf weitere verletzt. Der Mann sprengte sich auf einem Motorrad in der Provinzhauptstadt Kunduz in die Luft, wie Polizeichef Abdul Rasak Jakubi erklärte. Bei den Toten handelt es sich um fünf Polizisten und einen Zivilisten.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
renner, 04.09.2010
1. schadensersatz
Dürfen dann demnächst unsere Soldaten gegen die Afghanen klagen, bei Verletzungen oder Tod
AxelSchudak 04.09.2010
2. Entschädigung...
Ausgerechnet die Bundeswehr hat ihn traumatisiert? Sein Kollege wurde von den Taliban umgebracht, und nach eigenen Angaben wurde auch er mit dem Tode bedroht. Dass man ihn hätte laufen lassen, nachdem er nicht mehr (für die LKWs) gebraucht wurde, ist eher unwahrscheinlich. Die Taliban sind nicht gerade für Milde gegenüber Afghanen bekannt, die für die westlichen Truppen arbeiten. Insofern hat der Luftangriff gerade ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit das Leben gerettet. Das man ihn nicht wie die Taliban und anhängige Zivilisten entschädigt, ist allerdings schon unglücklich. Eigentlich hätte man für ihn eher die Masstäbe der Versorgung eigener Angehöriger bzw. Beschäftigter anlegen müssen. Das ist offensichtlich nicht geschehen.
turo 04.09.2010
3. Dieser Mann ...
...verdankt sein Leben dem Oberst Klein. Nur durch glückliche Umstände blieb er am Leben. Wären die Taliban nicht angegriffen, hätten ihn diese genauso umgebracht, wie seinen Kollegen. Wenn er Schadenersatzforderung stellen will, soll er das bei den verantwortlichen Stellen seine Landes tun.
spiegelmaus 04.09.2010
4. Schadensersatz
Wie schafft es ein afghanischer Lastwagenfahrer, zwei Berliner Rechtsanwälte mit einer Klage auf Schadensersatz gegen die Bundeswehr zu beauftragen? Selbst ich als Deutscher in Deutschland hätte Schwierigkeiten und auch nicht das Geld, gleich zwei Rechtsanwälte, noch dazu in Berlin, für mich arbeiten zu lassen.
Putzer, 04.09.2010
5. Es wird keine gerichtliche Prüfung geben ...
Zitat von turo...verdankt sein Leben dem Oberst Klein. Nur durch glückliche Umstände blieb er am Leben. Wären die Taliban nicht angegriffen, hätten ihn diese genauso umgebracht, wie seinen Kollegen. Wenn er Schadenersatzforderung stellen will, soll er das bei den verantwortlichen Stellen seine Landes tun.
Das war eine gelungene humoristische Einlage ... ;-) Es wird niemals zu einem Urteil in diesem Verfahren kommen. Nachdem Deutschland bereits alles getan hat, um ein gerichtliches Strafverfahren gegen Oberst Klein zu verhindern wird man jetzt alles tun, um eine unabhängige gerichtliche Aufklärung dieses Kriegsverbrechens vor einem Zivilgericht zu verhindern. Ich wette auf einen schönen Vergleich, bei dem der Kläger ohne Prozess das erhält, was er haben möchte. Wer hält dagegen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.