Von Matthias Gebauer
Der 3. September begann gut für Abdul Malek. Ziemlich früh standen der 40-jährige Lasterfahrer der Kabuler Transportfirma Mir Bacha Kot und sein Kollege Hamayon an der tadschikischen Grenze in Shir Khan bereit zum Abfahren. Pünktlich wurde Maleks Mercedes-Benz-Tanklaster, Baujahr 1986, mit 23 Tonnen Benzin im Wert von 33 500 Dollar beladen, Sprit für die Nato-Truppen im fernen Kabul. Gut zwölf Stunden kalkulierte Malek für seine Fahrt dorthin.
In Kabul aber kam Malek an diesem Tag nicht an. Am Steuer von einem der Trucks wurde er am frühen Abend von den Taliban südlich von Kunduz erst überfallen und dann in Richtung Kunduz-Fluss verschleppt. Ein Kämpfer saß bei ihm im Führerhaus, bedrohte und beschimpfte den Lastwagenführer. Als sich die beiden Laster auf der Sandbank festgefahren hatten, schlug der Talib Malek, drohte ihm mit dem Tod, wenn er den Lkw nicht losbekomme.
Malek überlebte das Bombardement nur durch Glück. Da er mit einem Bewacher der Entführer am Rand des Flusses saß, wurde er nur leicht verletzt, konnte fliehen und war später der einzige Augenzeuge für die Polizei.
Die Bilder nach der Explosion kann er nicht vergessen. "Immer wieder träume ich nachts von den verstümmelten Leichen", sagte er kürzlich einem Interview. "Ich kann den Geruch des verbrannten Fleisches noch heute riechen." Er leide seither zudem unter einem starken Ohrgeräusch, berichtete er, Tinnitus.
Seinen Job hat Malek noch, bis heute ist er fast jeden Tag mit dem Laster unterwegs. Nur die Strecke von Tadschikistan nach Kabul meidet er. "Die Angst, das alles noch einmal durchzumachen, könnte ich nicht ertragen."
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