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Kunduz-Jahrestag Gefangen im Grauen der Nacht

Diese Bombennacht hat die Bundesrepublik verändert. Vor genau einem Jahr gab Oberst Georg Klein den Befehl, zwei Tanklaster nahe Kunduz zu zerstören. Eine fatale Fehlentscheidung. SPIEGEL ONLINE zeigt, wie es Opfern und Hinterbliebenen geht - und wie den verantwortlichen Politikern und Militärs.

Berlin - Es ist 1.49 Uhr Ortszeit am Morgen des 4. September 2009, als zwei F-15-Kampfjets zwei 500-Pfund-Bomben ausklinken. Wenige Minuten zuvor hat der deutsche Oberst Georg Klein im Feldlager im nordafghanischen Kunduz per Funk einen folgenschweren Befehl gegeben. Zwei von den Taliban entführte Tanklaster und die Menschen um sie herum sollen vernichtet werden.

Augenblicke später explodieren die lasergelenkten Raketen. Der Feuerball über der Sandbank im Kunduz-Fluss ist kilometerweit zu sehen.

Mission ausgeführt.

Was sich an diesem Septembermorgen vor fast genau einem Jahr ereignet hat, hat die Bundesrepublik Deutschland verändert. Seinerzeit war das Wort "Krieg" im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz noch ein politisches Tabu. Obwohl die Bundeswehr da schon acht Jahre im Land war. Nun aber hatte zum ersten Mal ein deutscher Oberst einen so massiven Angriff auf die Taliban befohlen. Ausgeführt wurde er ausgerechnet von US-Kampfjets, deren Bombardements deutsche Politiker stets als die falsche Strategie für Afghanistan bezeichnet haben.

Oberst Klein hat damals einen verheerenden Fehler begangen. Aber erst der politische Umgang damit brachte die Affäre Kunduz in Gang. Tagelang leugneten Bundeswehr und Bundesregierung die hohe Zahl getöteter Zivilisten, allen voran der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Während die Nato sich schon entschuldigte, sprach Jung ein quälendes Wochenende lang weiter von "einem erfolgreichen Einsatz der Bundeswehr gegen die Taliban". Nach der Bundestagswahl wechselte er ins Arbeitsministerium - und musste dann wegen der Affäre trotzdem zurücktreten.

Es war ein Jahr der unangenehmen Wahrheiten, vor allem für die Bundeswehr. Ein Untersuchungsausschuss wurde einberufen, Zeugen wurden befragt, geheime Akten gesichtet. Details sind zu Tage gekommen, die der Öffentlichkeit bisher verborgen waren. Über das geheim agierende Kommando Spezialkräfte (KSK) zum Beispiel oder über die Fahndungslisten der Nato in Afghanistan. Allerdings vernahm der Ausschuss fast alle interessanten Zeugen hinter verschlossenen Türen, auch Oberst Klein und den KSK-Kommandeur. Die Arbeit ist nicht zu Ende: Mehr als 40 Zeugen stehen noch auf der Liste des Ausschusses, darunter der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Beide werden noch einmal darüber Auskunft geben müssen, warum sie tagelang zu dem Angriff geschwiegen haben, obwohl Behörden und Geheimdienste ihnen sehr konkrete Hinweise auf die große Zahl von zivilen Toten lieferten. Das wird wohl vor allem für die Kanzlerin heikel.

Was aber ist aus den Akteuren der Kunduz-Affäre geworden? Wie geht es Oberst Klein heute, was berichten die Opfer des Bombardements? SPIEGEL ONLINE hat die Geschichten der Protagonisten rekonstruiert und analysiert die Folgen eines deutschen Verbrechens, das so schnell nicht vergessen sein wird:

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insgesamt 438 Beiträge
T. Wagner 03.09.2010
Ich muß jetzt wirklich lächeln. Kunduz? Affäre? Das ist alles so weit weg, das interessiert doch niemanden wirklich was da geschieht.
Zitat von sysopWie hat die Kunduz-Affäre Deutschland verändert?
Ich muß jetzt wirklich lächeln. Kunduz? Affäre? Das ist alles so weit weg, das interessiert doch niemanden wirklich was da geschieht.
Wolfghar 03.09.2010
"Diese Bombennacht hat die Bundesrepublik verändert." Ne Nummer kleiner hamses nicht oder? Ja stimmt seit Kunduz, also der Bombennacht ist die Bundesrepublik völlig verändert. Die Springerpresse Tarzansyntax scheint [...]
"Diese Bombennacht hat die Bundesrepublik verändert." Ne Nummer kleiner hamses nicht oder? Ja stimmt seit Kunduz, also der Bombennacht ist die Bundesrepublik völlig verändert. Die Springerpresse Tarzansyntax scheint sich seitdem überall in der Presse durchgesetzt zu haben. Und auch inhaltlich, einfach n Ei drüberhauen.
Sandygirl 03.09.2010
Die Fehlentscheidung war, dorthin Truppen zu entsenden. Dass es Tote gibt, wenn man bewaffnete Kämpfer dort hin schickt war klar, oder? Wären die Tanklaster am Ziel angekommen, wären sie von den Widerstandskämpfern (aka [...]
Zitat von sysopVor genau einem Jahr gab Oberst Georg Klein den Befehl, zwei Tanklaster nahe Kunduz zu zerstören. Eine fatale Fehlentscheidung. Eine gründliche Untersuchung und eine heftige Diskussion schlossen sich an. Wie hat die Kunduz-Affäre Deutschland verändert?
Die Fehlentscheidung war, dorthin Truppen zu entsenden. Dass es Tote gibt, wenn man bewaffnete Kämpfer dort hin schickt war klar, oder? Wären die Tanklaster am Ziel angekommen, wären sie von den Widerstandskämpfern (aka Terroristen) verwendet worden und hätten damit indirekt auch Tote provoziert.
Mulharste 03.09.2010
Klingt. als hätte man versehentlich London in Schutt und Asche gebombt. Es war nicht mal ne Fehlentscheidung, die Opfer sind und waren selbst Schuld und verändert hat sich überhaupt nix.
Zitat von sysopVor genau einem Jahr gab Oberst Georg Klein den Befehl, zwei Tanklaster nahe Kunduz zu zerstören. Eine fatale Fehlentscheidung. Eine gründliche Untersuchung und eine heftige Diskussion schlossen sich an. Wie hat die Kunduz-Affäre Deutschland verändert?
Klingt. als hätte man versehentlich London in Schutt und Asche gebombt. Es war nicht mal ne Fehlentscheidung, die Opfer sind und waren selbst Schuld und verändert hat sich überhaupt nix.
tbax 03.09.2010
Ganz schön fies, nur zwei Berichte über die Opfer zu bringen. Dagegen sechs über andere Leute. Wie wäre es denn, ein paar hundert Berichte über die Opfer zu bringen? Ich meine nicht nur direkte Opfer, sondern auch die mittelbar [...]
Ganz schön fies, nur zwei Berichte über die Opfer zu bringen. Dagegen sechs über andere Leute. Wie wäre es denn, ein paar hundert Berichte über die Opfer zu bringen? Ich meine nicht nur direkte Opfer, sondern auch die mittelbar betroffenen Witwen und Familien. Wie diese mit der Situation zurechtkommen, was sie bisher durchmachen mussten, wo sie ihr Leid lassen usw. Nur weil das einfache Menschen sind, sind sie keine Untermenschen! Die grundlegenden Gefühle und Empfindungen, die jeden Menschen ausmachen, sind universell und nicht teilbar.
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Tod im Flussbett: Grafische Rekonstruktion des Taliban-Überfalls und des Nato-Luftangriffs bei Kunduz (Angaben in Ortszeit)Zur Großansicht
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Tod im Flussbett: Grafische Rekonstruktion des Taliban-Überfalls und des Nato-Luftangriffs bei Kunduz (Angaben in Ortszeit)






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