Kunduz: Selbstmordattentäter tötet Anti-Terror-Funktionär

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Ort des Anschlags in Kunduz: Mindestens zehn Todesopfer

Abdullah Zemarai war für die Terrorbekämpfung in Kunduz zuständig - und ein Vertrauter des afghanischen Vizepräsidenten. Nun hat ihn ein Selbstmordattentäter getötet, zusammen mit mindestens neun weiteren Polizisten.

Kabul - Ein Selbstmordattentäter hat in der nordafghanischen Stadt Kunduz mindestens zehn Polizisten mit in den Tod gerissen. Unter den Toten sind auch zwei hochrangige Beamte, darunter der örtliche Verantwortliche für Terrorbekämpfung, Abdullah Zemarai. Er galt als enger Vertrauter des afghanischen Vizepräsidenten Mohammed Fahim. Auch der Chef der lokalen Verkehrspolizei, Sayed Aslam Sadat, kam ums Leben.

Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums fuhr der Attentäter am Samstag mit einem Motorrad auf den zentralen Platz der Stadt. Dort habe er sich anschließend in die Luft gesprengt. Der Mann trug offenbar eine Sprengstoffweste.

Zunächst war nur von einem Toten die Rede gewesen. Der Polizei zufolge gab es mindestens 19 Verletzte, darunter fünf Polizisten. Augenzeugen berichteten nach der Explosion von weiteren Feuergefechten.

Die Bundeswehr unterhält in Kunduz einen wichtigen Standort. Das Lager mit derzeit noch etwa 1100 Soldaten ist das zweitgrößte im Land. Es soll aber nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Laufe dieses Jahres geschlossen werden. Auch ein Außenposten ("OP North") im Baghlan-Tal wird dicht gemacht. Dort sind noch etwa 600 Angehörige der Bundeswehr im Einsatz.

Im Vergleich zum umkämpften Süden des Landes galt die Region um Kunduz, rund 250 Kilometer nördlich von Kabul gelegen, lange Zeit als eher ruhig. Doch diese Zeiten sind mittlerweile auch vorbei: Das schwere Attentat in der Stadt setzt die gezielten Angriffe auf hochrangige Regierungsvertreter der Kabuler Regierung im Kommandogebiet der Bundeswehr fort. Die deutschen Kampftruppen sollen bis Ende 2014 aus Afghanistan abgezogen sein.

Ebenfalls am Samstag tötete ein Selbstmordattentäter in der weiter südlich gelegenen Stadt Ghasni einen Polizisten und einen Zivilisten. Die radikalislamischen Taliban, auf deren Konto die meisten Anschläge in Afghanistan gehen, äußerten sich zunächst nicht.

chs/dpa/Mitarbeit: Shoib Najafizada

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insgesamt 6 Beiträge
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1.
Vorzeichen 26.01.2013
Zitat von sysopAbdullah Zemarai war für die Terrorbekämpfung in Kunduz zuständig - und ein Vertrauter des afghanischen Vizepräsidenten. Nun hat ihn ein Selbstmordattentäter getötet, zusammen mit mindestens neun weiteren Polizisten.
Wir gewöhnen und so schnell an diese Meldungen, dabei sterben jedes Mal Menschen. Kranke Welt. Und komme mir keiner mit Allgemeinplätzen ala Religion, Politik und dem ganzen abstrakten Kram. Menschen sterben!
2. *hm*
john_doo 27.01.2013
Solche Attentate zeigen wie instabile die Lage doch ist, in einem Land das mittels Traditionen und Stämmen regiert wird. Karzai wird stufenweise seine Macht verlieren, ab dem Zeitpunkt an dem der letzte ausländische Soldat seinen Fuß von afghanischen Boden erheben wird. Vor über 10 Jahren ist die NATO in Afghanistan "einmarschiert" und hat die Befreiung des afghanischen Volkes, Vertreibung der Islamisten und den Aufbau demokratischer Strukturen sich auf die Fahnen geschrieben. Nichts ist bisher in diesem Land wirklich umgesetzt. Was das Wort "Demokratie" bedeutet, das weiß ein Großteil der afghanischen Bevölkerung nicht, vielmehr ist esvfroh wenn sie den nächsten Tag erleben dürfen.
3. Diesmal gehts schneller
beschwingt 27.01.2013
Nach Abzug der Sowjets 1988 hatte sich Nadschibullah immerhin noch 8 Jahre gehalten. Ob Karzai nach der Nato wenigstens 8 Monate schafft?
4. Karzers Ende
flug430 27.01.2013
2014, wenn das Land frei von Hilfstruppen ist, wird der Taliban sich neu einrichten in Afghanistan. Es wird wieder so sein wie vor dem Einmarsch der Amerikaner.
5.
fussball11 27.01.2013
Zitat von flug4302014, wenn das Land frei von Hilfstruppen ist, wird der Taliban sich neu einrichten in Afghanistan. Es wird wieder so sein wie vor dem Einmarsch der Amerikaner.
Schlimmer. und dafür musten so viele Menschen sterben.
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