Referendum im Irak Kurden stimmen ab - Erdogan droht

Iraks Kurden stimmen über ihre Unabhängigkeit ab - und Erdogan verschärft seine Drohungen. Der türkische Präsident schloss die Grenze und warnte, er könne die Öl-Pipelines kappen.

Recep Tayyip Erdogan
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Recep Tayyip Erdogan


Während im kurdisch regierten Nordirak eine Abstimmung über die Loslösung von Bagdad läuft, hat der türkische Präsident seine Ablehnung der Volksabstimmung mit harschen Worten untermauert. Die Unabhängigkeit der Kurden sei nicht hinnehmbar und eine Frage des Überlebens, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Der Grenzübergang Habur werde in beide Richtungen geschlossen, sagte Erdogan. Er drohte damit, die Pipeline-Verbindungen zu kappen, die Öl aus dem nördlichen Irak transportieren, um den Druck auf die Region zu erhöhen. "Wir sitzen am Hahn und in dem Moment, in dem wir ihn schließen, ist es vorbei", sagte Erdogan.

"Danach sehen wir, durch welche Kanäle die nordirakische Regierung ihr Öl schicken oder wo sie es verkaufen wird", sagte er. Die Türkei ist der wichtigste Handelspartner der irakischen Kurden, die zum Export ihres Erdöls auf die Pipeline ins türkische Ceylan angewiesen sind. Bisher unterhielten sie freundschaftliche Beziehungen zu Ankara.

Die türkische Armee an der Grenze ist laut Erdogan zudem bereit, die "nötigen Schritte" zu ergreifen. Bereits vergangene Woche hatte die türkische Regierung an ihrer Südgrenze Panzer und Fahrzeuge mit Raketenwerfern in Stellung gebracht - für eine Übung, hieß es.

Zuvor hatte die türkische Regierung ihre Staatsbürger in der Region zur Ausreise aufgerufen. Wer keinen zwingenden Grund zur Anwesenheit habe, dem werde dringend empfohlen, die Region so bald wie möglich zu verlassen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf das Außenministerium.

Die kurdische Volksabstimmung, die Auswirkungen auf den ganzen Nahen Osten haben könnte, läuft seit dem Vormittag. Die Wahllokale schließen um 18 Uhr Ortszeit (17 Uhr mitteleuropäischer Zeit). Ein erstes Ergebnis soll 24 Stunden später vorliegen, das endgültige Ergebnis binnen 72 Stunden.

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Mehr als fünf Millionen Wähler sind aufgerufen, über die Abspaltung vom restlichen Teil des Iraks zu entscheiden. Gegen das Referendum gibt es außer von der Türkei weltweit massiven Widerstand. Die irakische Zentralregierung hält die Abstimmung für verfassungswidrig. Auch die USA als wichtiger Verbündeter der Kurden im Nordirak, die Uno und Iran sprachen sich gegen das Referendum aus. (Alles, was Sie über die Hintergründe des Referendums wissen müssen, lesen Sie hier.)

apr/Reuters/AP/AFP

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