Bürgerkrieg im Kurdengebiet Zahlreiche Tote im Südosten der Türkei

Bei schweren Kämpfen zwischen PKK-Anhängern und türkischen Sicherheitskräften wurden mindestens 24 Menschen getötet. Unter ihnen waren drei Polizisten, deren Auto in eine Sprengfalle geriet.

Türkische Wasserwerfer gegen Kurden: Proteste gegen die Ausgangssperre
REUTERS

Türkische Wasserwerfer gegen Kurden: Proteste gegen die Ausgangssperre


Im Südosten der Türkei hat der Bürgerkrieg zwischen Sicherheitskräften und Anhängern der prokurdischen PKK erneut zahlreiche Opfer gefordert. Bei einem Anschlag und Gefechten zwischen Militär und Kämpfern einer PKK-Jugendorganisation sind am Montag 24 Menschen getötet worden, darunter ein Kind.

Die türkischen Streitkräfte teilten am Montag mit, sie hätten insgesamt 19 PKK-Kämpfer in den Provinzen Sirnak und Diyarbakir getötet. Laut einer türkischen Nachrichtenagentur kam zudem ein Soldat ums Leben. Nach einem Raketenangriff soll in Diyarbakir zudem der Strom ausgefallen sein. In Sirnak wurden drei Polizisten getötet, als ihr Konvoi in eine Sprengfalle geriet. Nach Angaben der prokurdischen Oppositionspartei HDP starb ein 10-jähriger Junge bei einem Mörserangriff von Sicherheitskräften in der Stadt Cizre.

Am Wochenende hatten mehr als tausend türkische Intellektuelle das brutale Vorgehen türkischer Sicherheitskräfte im Südosten des Landes scharf verurteilt. In den Achtziger- und Neunzigerjahren kämpften die PKK, von der Türkei als Terrororganisation eingestuft, und türkische Sicherheitskräfte gegeneinander. Der Krieg, vor allem in den Bergen im Osten des Landes geführt, kostete mehr als 40.000 Menschen das Leben.

Kurdengebiete: Umkämpfte Orte im Südosten der Türkei
DER SPIEGEL

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Nach der Wahl in der Türkei im Juni 2015, bei der die islamisch-konservative AKP nach zehn Jahren ihre alleinige Regierungsmehrheit verlor, war der Partei HDP eine Sensation gelungen: Sie zog als erste prokurdische Partei ins Parlament ein, dann brach der alte Konflikt wieder auf. Koalitionsverhandlungen brachten kein Ergebnis, und Erdogan setzte eine Neuwahl an, die der AKP im November die absolute Mehrheit sicherte.

Am Montag galt in den Städten Cizre, Silopi und im Bezirk Sur von Diyarbakir auch weiterhin eine seit Dezember verhängte Ausgangssperre. Sicherheitskräfte beschießen sich dort mit Anhängern der PKK-Jugendorganisation YDG-H. Ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa meldete am Montag von Explosionen in Sur. Anwohner berichteten von schweren Kämpfen in der Nacht.

In Silopi soll die Ausgangssperre von Dienstag an gelockert werden, wie der Gouverneur von Sirnak laut der Nachrichtenagentur DHA erklärte. Das Ausgehverbot soll dann nur noch zwischen 18 Uhr abends und 5 Uhr morgens gelten. Tausende Menschen sind nach Angaben von Menschenrechtlern inzwischen vor den Kämpfen geflohen. Viele kommen bei Verwandten in der Region unter.

Nach Angaben der Partei HDP wurden allein in der Provinz Sirnak seit Mitte Dezember 82 Zivilisten getötet. Im selben Zeitraum will das Militär in den Bezirken Silopi und Cizre rund 470 PKK-Kämpfer getötet haben. Im Dezember hatte die Armee eine Großoffensive in der Region begonnen.

(Lesen Sie hier eine Reportage von Hasnain Kazim aus dem Kriegsgebiet in Diyarbakir.)

cht/dpa/Reuters



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