Kurden-Konflikt Drei Tote bei Angriff auf türkische Sicherheitskräfte

In der kurdischen Metropole Diyarbakir sind nach Armeeangaben bei Gefechten mit der PKK drei Sicherheitskräfte getötet worden. Im Norden Syriens verstärkte das Militär seine Angriffe - trotz einer geplanten Waffenruhe.


Bei Gefechten mit Kämpfern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir sind zwei Soldaten und ein Polizist getötet worden. Die Armee teilte mit, die Sicherheitskräfte seien unter Beschuss geraten und dabei schwer getroffen worden. Sie seien im Krankenhaus an ihren Verletzungen gestorben. Im Viertel Sur im Zentrum Diyarbakirs haben sich Anhänger der PKK verschanzt, die sich Gefechte mit den Sicherheitskräften liefern.

Die türkische Regierung hat die PKK und ihren bewaffneten syrischen Ableger YPG für den Anschlag von Ankara verantwortlich gemacht, bei dem ein Selbstmordattentäter am Mittwoch 28 Menschen getötet hatte. Die PKK und die YPG haben eine Beteiligung dementiert.

In weiten Teilen des Zentrums von Diyarbakir gilt seit dem 2. Dezember eine Ausgangssperre. Nach Angaben der Armee wurden dort seitdem mehr als 200 PKK-Kämpfer getötet. Auch Zivilisten und zahlreiche Angehörige der Sicherheitskräfte kamen ums Leben. Ausgangssperren gelten derzeit außerdem in den mehrheitlich kurdischen Städten Cizre und Idil sowie eingeschränkt in Silopi. Angaben zu Opfern lassen sich in den Gebieten unter Ausgangssperre nicht unabhängig überprüfen.

Heftiger Beschuss auf syrische Kurdengebiete

Im Norden Syriens beschoss das türkische Militär nach Angaben von Beobachtern erneut Gebiete unter Kontrolle der Kurdenmiliz YPG. Die Armee habe über fast sieben Stunden auf Grenzregionen nördlich und nordwestlich der Stadt Aleppo gefeuert, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag. Auch die türkische Nachrichtenagentur DHA berichtete von dem Beschuss durch türkische Streitkräfte.

Die Kurdenmiliz und ihre arabischen Verbündeten waren in den vergangenen Tagen in der Region weiter vorgerückt. Die Regierung in Ankara will das verhindern und beschießt die Kurden deswegen seit Tagen.

Wiederaufnahme der Friedensgespräche vorerst ausgeschlossen

Die Kämpfe fanden trotz einer für Freitag geplanten Waffenruhe statt. Auch aus anderen Regionen wurden Angriffe und Gefechte gemeldet. "Wir haben am Boden keinerlei Veränderungen gesehen", erklärte der Leiter der syrischen Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdel Rahman. "Gefechte, Artilleriebeschuss und Luftangriffe gehen weiter." Vermutlich russische Jets hätten unter anderem im Süden des Landes Rebellengebiete bombardiert.

Die USA, Russland und andere beteiligten Staaten hatten sich Ende vergangener Woche bei einem Treffen in München auf eine Waffenruhe innerhalb von einer Woche geeinigt. Sie soll den Weg ebnen zur Fortsetzung der Friedensgespräche in Genf. Diese waren Anfang des Monats ausgesetzt worden, sollten nach den Plänen von Uno-Syrienvermittler Staffan de Mistura aber spätestens bis zum 25. Februar wieder aufgenommen werden. Dies sei wegen der Kämpfe vorerst ausgeschlossen, sagte de Mistura.

sun/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.