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06. Oktober 2014, 13:54 Uhr

Kampf um Kobane

Kurden wehren Zwei-Fronten-Angriff des IS ab

Kurdische Kämpfer haben offenbar erneut einen Angriff der Terrormiliz IS auf die nordsyrische Stadt Kobane vereitelt - trotz mangelhafter militärischer Ausrüstung.

Kobane - Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte ist es den kurdischen Kämpfern bei den Gefechten um die nordsyrische Stadt Kobane in der Nacht zum Montag erneut gelungen, einen Eroberungsversuch der Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) abzuwehren. IS-Kämpfer hätten versucht, die Stadt an der Grenze zur Türkei von Osten und Westen aus zu stürmen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle mit.

Die Extremisten seien bis auf 200 Meter an Kobane, das auf Arabisch Ain al-Arab heißt, herangekommen. Kurdische Volksschutzeinheiten (YPG) hätten die Angreifer jedoch nach heftigen Kämpfen zurückdrängen können. 19 Kurden und mindestens 29 IS-Extremisten seien dabei getötet worden.

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet indes, dass die IS-Milizen im Osten der Stadt inzwischen ihre Fahne auf einem vierstöckigen Gebäude gehisst hätten. Laut Anwar Muslim, dem kurdischen Chef der selbst ernannten Regionalregierung von Kobane, liegt das Haus allerdings einen Kilometer vor der Stadt und ist lediglich ein "einzelnes Gehöft". Ein Fotograf der Agentur AFP will zudem eine weitere IS-Flagge auf einem benachbarten Hügel erkannt haben. Beide Fahnen sollen von der türkischen Grenze aus zu sehen sein.

Am Montag setzte der IS seine Angriffe offenbar unvermindert fort. "Sie feuern mit Mörsergranaten ins Stadtzentrum, und wir haben nur leichte Waffen", sagte der Chef der kurdischen Kämpfer, Esmat al-Scheich, der Nachrichtenagentur Reuters. Umkämpft ist vor allem ein strategisch wichtiger Hügel, dessen Einnahme den Dschihadisten einen ungehinderten Einfall in Kobane ermöglichen würde. "Sollten sie in Kobane einmarschieren, wird die Stadt zum Friedhof für uns und für sie", sagte Scheich. "Wir werden Widerstand leisten bis zum Ende."

Mit Tränengas gegen Journalisten

Nach Angaben des Chefs der selbst ernannten Regionalregierung von Kobane, Anwar Muslim, kämpften mittlerweile 5000 Kurden in Kobane. "Unsere Kämpfer haben sich auf diesen Kampf vorbereitet", sagte Muslim der Nachrichtenagentur dpa. Als Beispiel nannte er den ersten Selbstmordanschlag einer Kurdin auf IS-Kämpfer südlich von Kobane. Die YPG-Kämpferin soll am Sonntagabend Dutzende IS-Extremisten mit in den Tod gerissen haben. Nach Angaben der YPG hatte sie sich in das von IS beherrschte Gebiet nahe des Mischanur-Hügels geschlichen und einen Sprengsatz gezündet. 16 IS-Kämpfer seien dabei getötet worden.

Am Wochenende war es zu den bisher heftigsten Gefechten um die kurdische Enklave gekommen. Nach Angaben der YPG waren insgesamt 97 IS-Extremisten und 20 kurdische Kämpfer getötet worden.

Derweil wird es immer schwieriger, unabhängige Berichte aus dem türkisch-syrischen Grenzgebiet zu bekommen. Mit Tränengas haben türkische Sicherheitskräfte am Montag Dutzende Journalisten und Zivilisten aus dem unmittelbaren Grenzgebiet zur Stadt Kobane vertrieben. "Gehen Sie oder wir schreiten ein", riefen die Sicherheitskräfte über Lautsprecher. Sowohl die zahlreichen Journalisten als auch kurdische Zivilisten, die von der türkischen Seite aus die Kämpfe um Kobane beobachteten, wurden rund 700 Meter von der Grenze zurückgedrängt.

Niederlande bieten Luftunterstützung für Bodentruppen

Im türkischen Grenzgebiet war es zuletzt angesichts von Mörsergranaten aus Syrien gefährlicher geworden. Bereits am Sonntag hatten die Sicherheitskräfte die Menschen aufgefordert, die unmittelbare Nähe zur Grenze rund um den Ort Suruc zu meiden. Ebenfalls am Sonntag hatte die türkische Armee zwei Grenzdörfer evakuiert, nachdem eine Granate ein Haus bei Suruc getroffen und fünf Menschen verletzt hatte.

Kobane an der syrisch-türkischen Grenze ist seit zwei Wochen heftig umkämpft. Kurdische Kämpfer wehrten den Vormarsch der IS-Miliz trotz mangelhafter militärischer Ausrüstung bislang ab. Unterstützung erhielten sie dabei durch Luftangriffe der internationalen Allianz gegen die IS-Kämpfer. Allerdings konnten die Milizen dennoch direkt an die Stadt heranrücken. Seit Beginn der Gefechte flohen mehr als 180.000 Menschen aus Kobane und den umliegenden Dörfern über die Grenze in die Türkei.

Seit Anfang August fliegt die US-Luftwaffe Angriffe auf IS-Stellungen im Irak, seit Ende September auch in Syrien. Unterstützt werden sie dabei von einer internationalen Koalition. Zuletzt flogen am Sonntag erstmals auch niederländische Kampfbomber über dem Irak. Die F-16-Flugzeuge sollen Luftunterstützung für irakische und kurdische Bodentruppen leisten. Das australische Militär teilte am Montag mit, auch erste australische Kampfjets seien im Irak zum Einsatz gekommen. Luftangriffe gab es demnach aber noch nicht.

anr/mxw/AFP/dpa/Reuters

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