Kurdenproteste Drei Tote bei Brandanschlag auf Bus in Istanbul

Die Türkei kommt nicht zur Ruhe: Bei einem mutmaßlich von kurdischen Extremisten verübten Brandanschlag auf einen Bus starben in Istanbul drei Menschen. In Kiziltepe im Kurdengebiet wurde ein Demonstrant erschossen.


Istanbul/Diyarbakir - Demonstranten schleuderten im Istanbuler Stadtviertel Bagcilar einen Molotow-Cocktail auf den Bus, der völlig ausbrannte, wie der Nachrichtensender CNN Türk berichtete. Eine ältere Frau sprang in Panik aus dem Bus und wurde von einem Auto erfasst; sie starb im Krankenhaus. In der Stadt Kiziltepe im Südosten des Landes wurde ein 22-Jähriger erschossen, wie ein kurdischer Politiker mitteilte. Innerhalb einer Woche kamen bei den Unruhen damit zwölf Menschen ums Leben.

Anschlag in Istanbul: Brandbomben auf einen Bus
REUTERS

Anschlag in Istanbul: Brandbomben auf einen Bus

Rettungskräfte entdeckten nach dem Anschlag in Istanbul zwei weitere Leichen, als die Polizei das ausgebrannte Wrack abtransportierte, wie CNN Türk berichtete. Eine weitere Frau erlitt schwere Verletzungen. Der Bus stieß mit einem Lastwagen zusammen, als der Fahrer dem Brandsatz ausweichen wollte. Auf den Fernsehbildern war zu sehen, wie Feuerwehrleute gegen die Flammen ankämpften, die aus dem Bus schlugen. Die Polizei wollte sich zunächst nicht äußern. Nach dem Anschlag versammelten sich laut dem türkischen TV-Sender NTV Sympathisanten der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK am Tatort und riefen pro-kurdische Slogans.

In Kiziltepe erlitt ein 22-jähriger Kurde eine tödliche Schussverletzung, wie der kurdische Lokalpolitiker Ferhan Türk der Nachrichtenagentur AFP sagte. Drei weitere Menschen wurden demnach verletzt. Zuvor hatten vermummte Demonstranten in der Stadt in der Nähe der syrischen Grenze Brandsätze geworfen. Kurdische Demonstranten und Sicherheitskräfte liefern sich seit einer Woche Straßenschlachten. Am Samstag war bei den Ausschreitungen in Kiziltepe schon ein Mensch ums Leben gekommen.

Angefangen hatten die Kämpfe am Montag nach der Beisetzung von vier Kämpfern der kurdischen Rebellengruppe PKK. Die kurdische Arbeiterpartei PKK hatte von 1984 bis 1999 gegen die türkische Armee gekämpft; in dem Krieg starben fast 40.000 Menschen. Die türkische Armee hatte unlängst neue Militäreinsätze gegen die PKK im Südosten des Landes eingeleitet.

phw/AFP/dpa



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