Giftbrief an Obama: Behörden lassen Verdächtigen frei

Wer steckt hinter den Giftbriefen in den USA? Die Ermittler haben die Vorwürfe gegen den bisher Verdächtigen Paul Kevin C. überraschend fallengelassen. Der Elvis-Imitator ist nun wieder frei, es gibt offenbar Beweise, die in eine andere Richtung deuten.

Mississippi - Der Mann, der verdächtigt wurde, mehrere Kuverts mit Gift an US-Politiker verschickt zu haben, ist auf Kaution freigelassen worden. Ihm war vorgeworfen worden, Briefe mit dem tödlichen Gift Rizin an Präsident Barack Obama, einen Justizbeamten aus Mississippi sowie einen US-Senator, offenbar Roger Wicker, versendet zu haben. Die Sendungen wurden in den jeweiligen Poststellen herausgefiltert und Ermittlern übergeben.

Weniger als zwei Stunden vor der Freilassung des in Mississippi als Elvis-Imitator bekannten Paul Kevin C. wurde eine Voruntersuchung abgesagt, ohne dass die Gründe hierfür genannt wurden. Die Vorwürfe gegen ihn wurden später offiziell fallengelassen. Seine Anwältin Christi McCoy bestätigte die Freilassung. "Er ist bei seiner Familie", sagte sie.

Welchen Spuren die Ermittler nun folgen, sagten sie nicht. Nur: Es gebe "neue Informationen". Unbestätigten Angaben zufolge haben die Fahnder das Haus eines anderen Mannes in Mississippi durchsucht. Ob dies etwas ergeben hat, ist aber unklar. Eine offizielle Stellungnahme gab es dazu nicht.

Keine Hinweise in Haus und Auto

Der Verdächtige war am Mittwoch in seinem Haus in Corinth, Mississippi, festgenommen worden. Bei einer Durchsuchung des Hauses und Autos seien weder Rizin noch Inhaltsstoffe oder Hilfsmittel zu dessen Herstellung gefunden worden. Auch auf seinem Computer fanden sich keine Hinweise, dass C. sich mit dem Gift beschäftigt hätte. Seine Anwältin fragte außerdem, warum ihr Mandant die Briefe mit "I am KC and I approve this message" selbst unterschrieben haben sollte. Dies sei eine Formulierung, die er auch auf seiner Facebook-Seite verwendete.

So habe ihn laut der Anwältin auch jemand hereinlegen können. Nach ihren Angaben könnte dies zum Beispiel ein ehemaliger Geschäftspartner von C.s Bruders sein, mit dem er böse E-Mails ausgetauscht habe.

Die Briefe mit dem Gift trafen nur zwei Tage nach dem Bombenanschlag auf den Marathon Boston ein. Außerdem wecken die Giftbriefe ungute Erinnerungen an die Vorfälle in den Wochen nach dem 11. September 2001. Damals waren mehrere Briefe mit Milzbrand-Erregern an den Kongress geschickt worden. Fünf Menschen starben, 17 weitere erkrankten.

Die Sicherheitsbehörden in den USA sind nun weiter auf der Hut. Ein Giftbriefverdacht auf der US-Luftwaffenbasis Bolling Air Force Base in der Nähe der Hauptstadt Washington hat sich allerdings inzwischen als falscher Alarm herausgestellt. Nach Angaben des Militärgeheimdienstes DIA war ein verdächtiger Brief bei einer Routinekontrolle entdeckt worden. Bei einem ersten Test seien Hinweise auf ein "biologisches Gift" gefunden worden, dies bestätigte sich aber nicht.

mia/AP/Reuters

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1. Rizin ist heimtückisch
seltenwichtig 24.04.2013
Zitat von sysopZwei Tage nach den Bombenanschlägen auf den Boston-Marathon erschütterten die Giftbriefe die USA: Nun mussten die Behörden den einzigen Verdächtigen freilassen. Es gebe nicht genügend Beweise, dass Paul Kevin C. die Briefe mit dem Gift Rizin verschickt hatte. Kuverts an Politiker: Verdächtiger im Giftbrief-Fall freigelassen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kuverts-an-politiker-verdaechtiger-im-giftbrief-fall-freigelassen-a-896146.html)
Das Gift der Eibe wirkt schon in geringen Dosen tödlich, weil es zu spät erkannt wird. Wie gering, mußten meine Katzen erleben. Die Mühlen, die vorher Eiben von Spielplätzen geschreddert hatten und dann Fichten, haben mit dem so verunreinigtem Katzenstreu einige Kuschelviecher auf dem Gewissen. Eiben stehen unter Naturschutz, aber die Nadelhölzer gehören eingezäunt. Jedes Rindvieh was an ihnen auch nur ein bißchen knabbert, überlebt das i.d.R. nicht.
2.
laurent1307 24.04.2013
Also wars doch der echte Elvis?!
3.
hjm 24.04.2013
Zitat von sysopNun mussten die Behörden den einzigen Verdächtigen freilassen.
Was soll uns diese Formulierung sagen? Leider, leider mussten wir ihn freilassen. Wahrscheinlich, weil es da irgendein von weltfremden Gutmenschen erlassenes Gesetz gibt, oder weil ein Polizist mal wieder seine Fanta oder Cola oder Mirinda oder was weiß ich vergessen hatte. Und nun sind wir gezwungen, ihn entgegen jedem gesunden Menschenverstand laufen zu lassen. Ach nein, er ist ja gar nicht mehr verdächtig, weil er's offenbar gar nicht war. Trotzdem schlimm, dass man ihn freilassen musste.
4. Lösungsvorschlag
phaeno 24.04.2013
Vielleicht könnte man ihn wegen Blasphemie einsperren, schließlich hat er sich als Elvis getarnt.
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Anschlag in Boston: Primitiver Sprengsatz

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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