Washington - Gerade einmal zwei Tage sind die Anschläge auf die Teilnehmer des Bostoner Marathons her - da eröffnet sich den Sicherheitskräften bereits die nächste Gefahrenfront. An mehrere hochrangige Politiker in den USA wurden in den vergangenen Tagen Kuverts mit giftigem Inhalt verschickt. Auch in der Poststelle des Weißen Hauses traf ein solcher Brief ein. Das Schreiben war an Präsident Barack Obama gerichtet und enthielt nach ersten Testergebnissen das Gift Rizin.
Zwar betonen die Ermittler der Bundespolizei FBI ausdrücklich, dass sie mit verlässlichen Ergebnissen erst in 24 bis 48 Stunden rechnen. Die Verunsicherung ist jedoch schon jetzt riesig. Am Mittwochabend meldete das FBI die Festnahme eines Verdächtigen. Es handele sich um einen Mann aus dem US-Bundesstaat Mississippi, man habe ihn in seinem Haus in der Stadt Corinth festgenommen.
Er stehe im Verdacht, für die Sendung von insgesamt drei Briefen verantwortlich zu sein, in denen Rizin bei einem ersten Test nachgewiesen wurde, teilte das FBI weiter mit. Neben Obama handele es sich bei den Empfängern um einen Justizbeamten aus Mississippi sowie einen US-Senator, ebenfalls aus diesem Bundesstaat. Damit ist offenbar der Republikaner Roger Wicker gemeint.
Auch in seinem Fall wurde die Sendung bereits in der Poststelle ausgesiebt und den Ermittlern übergeben. Ein weiterer verdächtiger Brief erreichte das Büro von Senator Carl Levin in dessen Heimatstaat Michigan. Zunächst war unklar, ob auch dieser Umschlag Gift enthielt. Noch sind Fragen um die gefährlichen Sendungen offen. Einige Fakten haben die Ermittler jedoch bereits zusammengetragen.
Die Entwicklungen wecken ungute Erinnerungen an die Vorfälle in den Wochen nach dem 11. September 2001. Damals waren mehrere Briefe mit Milzbrand-Erregern an den Kongress geschickt worden. Fünf Menschen starben, 17 weitere erkrankten. Die Ermittler machten erst sieben Jahre später den Wissenschaftler Bruce Ivins als Schuldigen aus, der Selbstmord beging. Hundertprozentig bewiesen ist Irvins' Schuld nicht, da es nie zu einem Verfahren kam. Eine direkte Verbindung zu den Qaida-Anschlägen ließ sich nicht ziehen.
Die Ermittler rechnen in den kommenden Tagen - nach Abschluss der umfangreichen Tests - mit konkreteren Ergebnissen. Erst dann wollen sie sich auch ausführlicher zu den Zusammenhängen zwischen den einzelnen Vorfällen äußern. Die Sicherheitskräfte in den USA bleiben jedoch bis auf weiteres in Alarmbereitschaft.
jok/dpa/Reuters
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