Wegen Kinderpornografie Lange Haftstrafe für Ex-Arzt der US-Turnerinnen

Wegen des Besitzes von Kinderpornografie ist der frühere Teamarzt der US-Turnerinnen zu 60 Jahren Haft verurteilt worden. Eine weitere Strafe wegen sexuellen Missbrauchs wird noch erwartet.

Ehemaliger Teamarzt vor Gericht
AP

Ehemaliger Teamarzt vor Gericht


Der ehemalige Mannschaftsarzt der US-Turnerinnen, Larry Nassar, ist wegen Besitzes von Kinderpornografie zu 60 Jahren Haft verurteilt worden. "Er hat gezeigt, dass er nie wieder Zugang zu Kindern haben sollte", sagte die US-Bezirksrichterin Janet Neff in Grand Rapids im Bundesstaat Michigan. Es ging in der Verhandlung um drei Fälle, für die Nassar jeweils eine 20-jährige Haftstrafe erhielt.

Nassar hatte sich in dem Verfahren schuldig bekannt. Die Ermittler hatten auf seinen Computern mehr als 37.000 Fotos und Videos kinderpornografischen Inhalts gefunden.

Die Strafe wird zu der - zu erwartenden - Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauchs hinzugerechnet. Ein Urteil in dem zweiten Strafverfahren wird im Januar verkündet. Der 54-jährige Nassar hatte sich im November in mehreren Fällen schuldig bekannt. Das Geständnis war Teil einer Abmachung mit der Staatsanwaltschaft. Ihm droht eine zusätzliche Gefängnisstrafe von 25 bis 40 Jahren.

Mehr als 130 Missbrauchsanzeigen gingen gegen den früheren Mediziner der Michigan State University ein. Zuletzt meldete sich unter anderen die dreimalige Turn-Olympiasiegerin Gabrielle Douglas und sagte, sie gehöre ebenfalls zu den Missbrauchsopfern.

Nassar war 2015 nach fast zwei Jahrzehnten als Team-Arzt des US-Turnverbandes entlassen worden. Er soll Sportlerinnen im Alter von unter 15 Jahren missbraucht haben. Gegenüber den Mädchen hatte er seine sexuellen Handlungen als Teil seiner Untersuchung oder Behandlung dargestellt.

Der Skandal um Nassar hat den Turnsport in den USA tief erschüttert. Verbandschef Steve Penny musste im März zurücktreten. Ihm war vorgeworfen worden, die Behörden zu spät über die Missbrauchsvorwürfe gegen Nassar informiert zu haben. Der Turnerverband änderte mittlerweile seinen Verhaltenskodex im Umgang mit sexuellem Missbrauch: Jeder Verdachtsfall muss nun gemeldet werden.

cop/dpa/AFP



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