Nach Las-Vegas-Massaker Waffenlobby und Weißes Haus zu (kleinem) Zugeständnis bereit

Die mächtige Waffenlobby NRA, das Weiße Haus und US-Republikaner könnten einer Verschärfung des US-Waffenrechts zustimmen - ein historischer Schritt. Sie wollen ein Verkaufsverbot für "bump stocks" prüfen.

Zusatzgerät zum Aufrüsten halbautomatischer Waffen
AFP

Zusatzgerät zum Aufrüsten halbautomatischer Waffen


Die amerikanische Waffenlobby National Rifle Association (NRA) ist nach dem Massenmord in Las Vegas zu einem Zugeständnis im Waffenrecht bereit. Die US-Behörden müssten "sofort" überprüfen, ob die Vorrichtung zur Umrüstung von halbautomatischen auf vollautomatische Waffen "dem Bundesgesetz entspreche", hieß es in einer Erklärung der NRA-Chefs Wayne La Pierre und Chris Cox.

Sie gingen davon aus, dass eine "verstärkte Kontrolle" nötig sei. Üblicherweise lehnt die NRA Restriktionen vehement ab. Der Verkauf automatischer Waffen ist in den USA seit den Achtzigerjahren weitgehend verboten. Das Zusatzgerät zur Umrüstung, der sogenannte bump stock, können Käufer aber legal erwerben. Der Attentäter von Las Vegas hatte ein solches Gerät benutzt. Die Vorrichtungen am Kolben von halbautomatischen Waffen erlauben ein Schießen mit Geschwindigkeiten wie bei automatischen.

Der einflussreiche Präsident des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, schloss sich der NRA-Forderung an, ein Verkaufsverbot für "bump stocks" zu prüfen. "Bis diese Woche wusste ich überhaupt nicht, was das ist", sagte Ryan.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, begrüßte eine parteiübergreifende Debatte über ein Verbot und erklärte, "gerne Teil der Debatte zu sein". Präsident Donald Trump hatte sich nach der Tat grundsätzlich offen für Gespräche über das Waffenrecht gezeigt. In der Nacht zu Freitag sagte er, man werde "in naher Zukunft" ein Verbot der "bump stocks" prüfen.

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Sein Vorgänger Barack Obama war mit diversen Anläufen zur Verschärfung des Waffenrechts am Widerstand der Republikaner im Kongress gescheitert. Dass Trump sich auf weitgehende Restriktionen des privaten Waffenbesitzes einlässt, gilt allerdings als unwahrscheinlich (lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema). Während des Wahlkampfs hatte er sich mit der NRA verbündet, die mächtige Lobbyorganisation hatte die Kandidatur des Rechtspopulisten unterstützt.

Am Sonntagabend hatte Stephen Paddock Tausende Schüsse in die Zuschauermenge bei einem Countrymusik-Festival abgefeuert und 58 Menschen getötet. Mehr als 500 wurden verletzt. Paddock hatte über Jahre hinweg ein Waffenarsenal angelegt und die Tat akribisch vorbereitet. Die Ermittler schließen nicht aus, dass er dabei Hilfe hatte. Die Lebensgefährtin des Schützen, Marilou Danley, war nach eigenen Angaben nicht in die Anschlagspläne eingeweiht.

mja/AFP/Reuters

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