Terror in Paris Staatschefs danken dem Helden aus dem Supermarkt

Er soll bis zu 15 Menschen das Leben gerettet haben: Lassana Bathily hat während der Geiselnahme in Paris anscheinend mehrere Menschen in einer Kühlkammer versteckt. Frankreichs Präsident Hollande und Israels Premier Netanyahu bedankten sich bei ihm.

Lassana Bathily: Menschenretter im Supermarkt
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Lassana Bathily: Menschenretter im Supermarkt


Paris - Der Dichter Goethe gehört dazu, der Ingenieur Gustave Eiffel, der Politiker Jacques Chirac und der Fußballer Zinedine Zidane. Sie alle sind Mitglieder des berühmtesten Laienordens der Welt: der französischen Ehrenlegion. Nun soll ein Supermarktangestellter aus Paris das fünfstrahlige weiße Kreuz mit rotem Band verliehen bekommen - zumindest fordern das Tausende auf Facebook und Twitter.

Lassana Bathily, 24, soll am Freitag bei der Geiselnahme in einem jüdischen Hyper-Cacher-Supermarkt in Paris mehreren Menschen, darunter einem Baby, das Leben gerettet haben, indem er sie im Kühlraum versteckte.

Über die Heldentat des jungen Mannes gibt es verschiedene, teils widersprüchliche, Versionen. Die "New York Times" berichtet von 15 Menschen in der Kühlkammer, die Nachrichtenagentur AFP von "mindestens fünf", die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, Bathily habe sechs Menschen gerettet. Fest steht: Der junge Mann aus Mali ist Frankreichs neuer Held.

Der französische Präsident François Hollande habe sich bei ihm telefonisch für seinen Einsatz bedankt, berichtet die Zeitung "Le Figaro". Israels Premier Benjamin Netanyahu dankte Bathily in einer Synagoge in Paris: Er habe sieben Juden das Leben gerettet.

Bathilys Geschichte hat das Zeug zum Hollywoodfilm: Ein junger Mann, aufgewachsen in einem Flüchtlingsheim in Frankreich. Ein Muslim, der in einem jüdischen Supermarkt arbeitet und seine Kollegen als seine Familie bezeichnet. Ein Menschenfreund und Lebensretter.

Bathily selbst sagte dem französischen Fernsehsender BFMTV, er habe zum Zeitpunkt der Geiselnahme im Keller des Supermarktes gebetet. Plötzlich seien mehrere Supermarktbesucher hereingestürmt, auf der Flucht vor dem Geiselnehmer. Er habe schnell reagiert, so Bathily, und die Menschen in eine Kühlkammer geführt. Er habe die Kühlung ausgestellt, das Licht ausgeschaltet und versucht, die Leute zu beruhigen.

Der Geiselnehmer habe vermutet, dass sich Menschen im Untergeschoss versteckten und habe eine Angestellte geschickt, um sie zu holen. Vier Leute aus dem Versteck hätten die Frau begleitet, um dem Attentäter zu versichern, dass niemand sonst im Keller sei. Die anderen hätten weiter im Kühlraum ausgeharrt.

Bathily sagt, er habe ihnen angeboten, sie durch den Lastenaufzug ins Freie zu führen, doch sie hätten befürchtet, dass das Geräusch des Lifts den Geiselnehmer aufschrecken würde. Schließlich machte er sich alleine auf den Weg - laut der Nachrichtenagentur AP allerdings über eine Feuertreppe. Mindestens ein Mann aus der Kühlkammer telefonierte unterdessen anscheinend mit der Polizei - was die Frage aufwirft, warum die Beamten Bathily zunächst für einen Terroristen hielten.

Vor dem Supermarkt wurde der 24-Jährige nämlich von der Polizei in Empfang genommen - und in Handschellen abgeführt. "Sie haben mich eineinhalb Stunden lang festgehalten", so Bathily. "Sie haben mir nicht geglaubt." Letztlich habe er die Beamten aber überzeugen können, dass er nichts mit der Geiselnahme zu tun hatte und habe ihnen einen Grundriss des Supermarkts gezeichnet. Laut AP gab er den Polizisten auch einen Schlüssel zu einem Absperrgitter.

"Er war so mutig", zitiert die Nachrichtenagentur AP einen Freund von Bathily. Eine Facebook-Seite wurde in seinem Name kreiert, fast 15.000 Fans fanden sich innerhalb weniger Stunden. Auf Twitter kursiert der Hashtag #UneMedaillePourLassina. Viele fordern nicht nur seine Aufnahme in die Ehrenlegion, sondern vor allem die Verleihung der französischen Staatsbürgerschaft. Er habe diese schon länger beantragt, so Bathily: "Mal sehen, ob es jetzt klappt."

vet

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