Laufzeitverkürzung von AKW Umweltministerin rührt an Frankreichs Atompolitik

Kein Land setzt so stark auf Atomstrom wie Frankreich. Die Energie aus AKW macht 80 Prozent der Stromversorgung aus. Nun hat Umweltministerin Kosciusko-Morizet erstmals angedeutet, dass wegen der Katastrophe in Japan ein Verzicht auf die Laufzeitverlängerung vorstellbar sei.

Französische Umweltministerin Kosciusko-Morizet (r.): Ausstieg nicht mehr ausgeschlossen
DPA

Französische Umweltministerin Kosciusko-Morizet (r.): Ausstieg nicht mehr ausgeschlossen


Paris - Auch in Frankreich könnte es ein Umdenken bei der Atompolitik geben: Die französische Umweltministerin jedenfalls schließt nicht mehr aus, auf eine Laufzeitverlängerung bei älteren Atomkraftwerken zu verzichten. In Paris sowie am Standort der ältesten französischen Anlage in Fessenheim nahe der deutschen Grenze demonstrierten am Sonntag Atomgegner.

"Man darf nicht mitten in der Krise radikale Entscheidungen treffen", sagte Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet der Zeitung "Le Journal du Dimanche". Aber wenn die Ergebnisse von Untersuchungen es erfordern, könne sie sich vorstellen, "die Laufzeit von manchen Atomkraftwerken nicht zu verlängern".

Frankreich hat sich wie kein anderes Land von der Atomenergie abhängig gemacht und nutzt zu etwa 80 Prozent Atomstrom. Die Strompreise sind deutlich niedriger als in anderen europäischen Ländern.

Nach der Katastrophe in Japan hatte die Regierung angekündigt, alle 58 Atomkraftwerke zu überprüfen. Die Ministerin versprach Transparenz. Einen Volksentscheid über die Zukunft der Atomenergie, den die Grünen gefordert hatten, lehnte sie jedoch ab. "Ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen würde dies politisch instrumentalisiert werden", meinte sie.

"AKW sind sicher, und die Erde ist eine Scheibe"

Die britische Regierung setzt dagegen weiter voll auf Atomkraft: Die regierenden Tories von Premier David Cameron wollen sich durch den Unfall in Fukushima nicht von ihrer Linie abbringen lassen - und treiben die Planungen für zehn neue Reaktoren voran.

In Paris demonstrierten mehrere Hundert Menschen gegen Atomkraft, in Fessenheim kamen nach Angaben der deutschen Polizei sogar 10.000 Menschen zusammen. "Tschernobyl, Fukushima, Fessenheim?" war auf manchen Transparenten zu lesen. Fessenheim ist das mit 34 Jahren älteste Atomkraftwerk in Frankreich.

Auch in Deutschland haben Tausende Kernkraftgegner den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft gefordert. In Köln gingen am Samstag nach Polizeiangaben 1500 Menschen auf die Straße, in Hamburg protestierten 1200 Kernkraftgegner. Auf Transparenten war zu lesen: "AKW sind sicher, und die Erde ist eine Scheibe."

Am Montag sollen die Proteste weitergehen. Für 18 Uhr haben Kernkraftgegner zu Mahnwachen in mehr als 670 Orten aufgerufen.

cte/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
alaxa 20.03.2011
1. Fessenheim
Zitat von sysopKein Land setzt so stark auf Atomstrom wie Frankreich. Die Energie aus AKW macht 80 Prozent der Stromversorgung aus.*Nun hat die Umweltministerin es erstmals als vorstellbar bezeichnet, wegen der Katastrophe in Japan auf die Laufzeitverlängerung zu verzichten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752120,00.html
Fessenheim muss zuerst stillgelegt werden - ein französisches AKW, dass so nah an der deutschen Grenze gebaut worden ist, dass man rüberspucken kann. Eine Frechheit!
harro_r 20.03.2011
2. Nein, es muss stillgelegt werden weil ...
Zitat von alaxaFessenheim muss zuerst stillgelegt werden - ein französisches AKW, dass so nah an der deutschen Grenze gebaut worden ist, dass man rüberspucken kann. Eine Frechheit!
Nein, es muss stillgelegt werden weil es u.a.: - das älteste KKW Frankreichs ist - in einem Erdbebengebiet liegt (stärkstes Beben 6,5, ausgelegt auf 6,5) - das kleinste Containment Frankreichs hat - auf dem größten Grundwasserleiter Europas steht - ... Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Fessenheim#Risiken
J4cky 20.03.2011
3. ...
Zitat von alaxaFessenheim muss zuerst stillgelegt werden - ein französisches AKW, dass so nah an der deutschen Grenze gebaut worden ist, dass man rüberspucken kann. Eine Frechheit!
Lach, was glauben Sie was passiert, wenn Deutschland den schnellen 100% Atomausstieg macht. Sein Strombedarf aber nicht decken kann, also importieren muss. Idealerweise auch Frankreich und nicht mehr in die Pötte kommt sich wieder selbst zu versorgen. Dann animieren wir Nachbarstaaten Kraftwerke auch AKW direkt neben uns zu bauen. Aber wir sind dann immerhin AKW frei. Ansonsten können Sie gegen AKW's im Nachbarland gar nichts machen. Das muss am Ende jedes Land für sich entscheiden. Frankreichs AKWs sind auch meine kleinste Sorge. Viel schlimmer sind die 38 jährigen Reaktoren im Ostblock nach Bauart Tschernobyl. Wenn das Graphit wieder Feuer fängt haben wir wieder den Salat. Fukushima verläuft dazu im Vergleich ja harmlos.
Kamillo 20.03.2011
4. Non au Nucleaire!!!
Zitat von J4ckyLach, was glauben Sie was passiert, wenn Deutschland den schnellen 100% Atomausstieg macht. Sein Strombedarf aber nicht decken kann, also importieren muss. Idealerweise auch Frankreich und nicht mehr in die Pötte kommt sich wieder selbst zu versorgen. Dann animieren wir Nachbarstaaten Kraftwerke auch AKW direkt neben uns zu bauen. Aber wir sind dann immerhin AKW frei. Ansonsten können Sie gegen AKW's im Nachbarland gar nichts machen. Das muss am Ende jedes Land für sich entscheiden. Frankreichs AKWs sind auch meine kleinste Sorge. Viel schlimmer sind die 38 jährigen Reaktoren im Ostblock nach Bauart Tschernobyl. Wenn das Graphit wieder Feuer fängt haben wir wieder den Salat. Fukushima verläuft dazu im Vergleich ja harmlos.
So stand es hier kürzlich auf Spiegel-Online: Deutschland hat insgesamt eine Kapazität zur Erzeugung von bis zu 140 Gigawatt Strom. Davon sind inzwischen bis zu 37 GW aus erneuerbaren Energien. In Deutschland ist der höchste gemessene Stromverbrauch 80 Gigawatt (Sommer 2008, mittags). Also können wir 60 Gigawatt mehr produzieren, als wir brauchen. Klar, Wind kann mal nicht wehen, und es kann mal nicht genug Sonnenlicht geben. Aber dennoch können wir auf 60 Gigawatt verzichten. Nur 20 Gigawatt davon sind Atomstrom. AKWs Abschalten!
RaMaDa 20.03.2011
5. Wie naiv kann man sein?
Ich bin wirklich erstaunt, wie naiv die Schreiber einiger Kommentare sind. Glaubt hier wirklich jemand, dass sich die Franzosen von Deutschland vorschreiben lassen, wie ihre Energiepolitik auszusehen hat......
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.