Prozess gegen ivorischen Ex-Staatschef Gbagbo bestreitet Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag hat der erste Prozess gegen ein Ex-Staatsoberhaupt begonnen. Zum Auftakt wies der Ivorer Laurent Gbagbo jede Schuld von sich.

Angeklagter Gbagbo: "Ich plädiere auf unschuldig"
AFP

Angeklagter Gbagbo: "Ich plädiere auf unschuldig"


Seit viereinhalb Jahren sitzt Laurent Gbagbo im Gefängnis in Den Haag ein, nun hat dort der Prozess gegen den Ex-Präsident der Elfenbeinküste begonnen. Es ist das erste Verfahren des Internationalen Strafgerichtshofs gegen einen ehemaligen Staatschef. Frühere Präsidenten wie Slobodan Milosevic waren vor Sondertribunale gestellt worden.

Gbagbo muss sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Er soll die Ermordung, Vergewaltigung und Verfolgung politischer Gegner angeordnet beziehungsweise nicht gestoppt haben. Mitangeklagt ist auch der frühere Jugendminister der Elfenbeinküste, Charles Blé Goudé (44). Bei einem Schuldspruch droht beiden Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe.

Gbagbo hatte 2010 die Präsidentschaftswahl verloren, sich aber geweigert, für seinen Widersacher, den heutigen Präsidenten Alassane Ouattara, Platz zu machen. Bei dem anschließenden Konflikt waren rund 3000 Menschen getötet und schätzungsweise 150 Frauen vergewaltigt worden. Erst mit der Festnahme Gbagbos im April 2011 ging der Albtraum zu Ende.

Zum Prozessauftakt wies Gbagbo alle Vorwürfe zurück. "Ich plädiere auf unschuldig", sagte der 70-Jährige. Schon bei einer früheren Anhörung hatte er gesagt: "Ich habe mein Leben lang für Demokratie gekämpft."

syd/AFP/dpa



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