Le Pen Jähzorniger Demagoge


Wahlsieger: Le Pen
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Wahlsieger: Le Pen

Paris - In keiner Umfrage zu den Präsidentschaftswahlen in Frankreich wurde der Rechtsradikale Jean-Marie Le Pen unter den 16 Kandidaten für das höchste Staatsamt als möglicher Teilnehmer der zweiten Wahlrunde genannt. Aber am Sonntag sah der 73-Jährige seinen Lebenstraum verwirklicht, als ihm gelang, in die zweite Wahlrunde einzuziehen.

Drei Mal war der zum Jähzorn neigende Bretone zuvor in den ersten Wahlrunden gescheitert. 1974 (0,7 Prozent), 1988 (14,4 Prozent) und 1995 (15,1 Prozent). Sein Erfolg ist auch ein Zeichen dafür, dass Le Pen die Spaltung seiner rechtsextremen Partei der Nationalen Front (FN) 1999 inzwischen überwunden hat.

Dem Jesuiten-Zögling, der den FN 1972 gründete, gelingt es seit Jahren, mit kämpferischen Reden Anhänger zu gewinnen und auch zu halten. Schon in den neunziger Jahren war der frühere Söldner mit ausländerfeindlichen und antisemitischen Parolen erfolgreich. Bei Regionalwahlen in seinen Hochburgen - in Südfrankreich und im Elsass - bekam er bis zu 30 Prozent der Stimmen. 1997 hatte Le Pen den Holocaust als ein "Detail der Geschichte" bezeichnet.

Populär auch in der breiten Masse wurde Le Pen mit seiner Parole "Frankreich den Franzosen". Alle illegal in Frankreich lebenden Ausländer sollen sofort ausgewiesen und Sozialleistungen auf Franzosen beschränkt werden, heißt es in seinem Programm.



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