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Verpflichtungserklärung gefunden: Walesa soll für Polens Geheimdienst gearbeitet haben

Walesa 1981: "Es können keine von mir stammenden Dokumente vorliegen" Zur Großansicht
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Walesa 1981: "Es können keine von mir stammenden Dokumente vorliegen"

Friedensnobelpreisträger Walesa soll in den Siebzigerjahren für den polnischen Geheimdienst gearbeitet haben - die Vorwürfe sind alt. Jetzt aber hat das Institut für Nationales Gedenken nach eigenen Angaben seine Verpflichtungserklärung gefunden.

Die Vorwürfe gegen Lech Walesa gibt es seit Jahren, nun will das Institut für Nationales Gedenken (IPN) einen Beweis entdeckt haben: Im Haus des im November verstorbenen Ex-Generals Czeslaw Jan Kiszczak seien Walesas Personalakte und seine Verpflichtungserklärung zur Zusammenarbeit mit dem polnischen Geheimdienst gefunden worden, sagte IPN-Direktor Lukasz Kaminski. Walesas Unterschrift sei authentisch.

Die 279 Seiten starken Unterlagen sollen sich auf den Zeitraum von 1970 bis 1976 beziehen und belegen, dass sich Walesa als IM Bolek für den Geheimdienst verpflichtete. Unklar ist weiterhin, ob er wirklich andere Oppositionelle ausspionierte und ihnen schadete. Unbestritten ist, dass Walesa selbst jahrelang überwacht und schikaniert wurde.

Walesa war in kommunistischer Zeit Anführer der Gewerkschaft Solidarnosc und wurde 1990 erster demokratisch gewählter Präsident Polens. 1983 hatte er den Friedensnobelpreis bekommen.

Walesa, der sich derzeit im Ausland aufhält, wies die Anschuldigungen umgehend zurück. "Es können keine von mir stammenden Dokumente vorliegen", erklärte er. Er werde sich juristisch gegen die neuerlich erhobenen Vorwürfe wehren.

Walesa war im Jahr 2000 von einem Gericht vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden.

Das Institut für Nationales Gedenken ist das polnische Pendant der deutschen Stasi-Unterlagen-Behörde.

Walesa gilt als Kritiker der seit Oktober regierenden neuen nationalkonservativen Regierung und des Chefs der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski. Im Dezember warnte er angesichts der gesellschaftlichen Spannungen vor einem "Bürgerkrieg" in Polen.

syd/dpa/AP

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